SCHWEINFURT

BN will KKG-Rückbau im Auge behalten

Feierten 40 Jahre BN Schweinfurt: Hubert Weiger, BN-Vorsitzender in Bayern und im Bund, Gründungsmitglied Herbert Wiener, Oberbürgermeister Sebastian Remelé, Vizelandrätin Christine Bender, Kreisvorsitzender Edo Günther sowie MdB Anja Weisgerber (von links).
Foto: Uwe Eichler | Feierten 40 Jahre BN Schweinfurt: Hubert Weiger, BN-Vorsitzender in Bayern und im Bund, Gründungsmitglied Herbert Wiener, Oberbürgermeister Sebastian Remelé, Vizelandrätin Christine Bender, Kreisvorsitzender Edo ...

Die Macht der Natur, sie wurde bei der Feier „40 Jahre Kreisgruppe Schweinfurt“ des Bund Naturschutz in Bayern in den Wehranlagen deutlich. Bei regnerischem Wetter blieb der Festnachmittag eher schwach besucht. Wer kam und zu Rahmenprogramm plus Kindertheater seinen Infostand aufstellte, zählte meist zu den treuen Mitstreitern: Darunter das Aktionsbündnis gegen Atomkraft und der Freundeskreis Nationalpark Steigerwald. Auch Politik und Fachbehörden waren gut vertreten.

Dazu gab es den Blick zurück: Die Kreisgruppe entstand, als sich der 1913 gegründete Bayern-BN vom wanderfreudigen Honoratioren-Verein im Süden zur landesweiten, politisierten Massenbewegung mauserte. Viele Mitglieder seien ursprünglich enthusiastische Anhänger der „sauberen“ Kernenergie gewesen, erinnerte Edo Günther als Vorsitzender der Kreisgruppe. Im Schweinfurter Umland wurde früh gegen das KKG gekämpft: „Schon 1974 gab es bei uns eine überwiegend ablehnende Haltung“, erinnert sich Stadtrat Herbert Wiener (SPD), der als Gründungsmitglied geehrt wurde.

Drei Jahre hatte es gebraucht, bis sich die Waldschutzgemeinschaft Schweinfurt dem BN anschloss, es ging um den Erhalt des stadtnahen Waldes und des Brönnhofes: Mit dem Abzug der US-Armee ist der Übungsplatz wieder auf der Agenda. Am 2. April 1974 kam es zur Gründungsversammlung: Wolf Pösl wurde mit 27 Stimmen und einer Enthaltung zum Vorsitzenden gewählt. Es folgten, auf Stadt- und Kreisebene, Karl Nierbauer, Georg Weidinger, Fritz Roßteuscher, Ernst Bohlig, Wolfgang Hugo, Erich Ruppert, Ernst Bohlig. Seit 2012 steht Edo Günther den über 2000 Mitgliedern vor. Hartnäckigkeit ist hier gefragt, weiß der Gochsheimer: „Sie brauchen einen langen Atem.“

Bereits 1986 wurde der Spitalgrund im oberen Volkachtal bei Prüßberg, nahe Michelau, Naturschutzgebiet, mit Unterstützung des Tierfilmers Bernhard Grzimek. Ebenfalls 1986 wurde eine Erzeuger-/Verbrauchergemeinschaft gegründet, 1989 gab es den Umweltpreis der Stadt. Schon in den 90ern ging es um Müll und Recycling, Gentechnik, A71, Solarenergie, Radwege. Immer wieder wurden lokale Tier- und Pflanzenrefugien geschaffen, wie die Herlheimer Wiesen bei Kolitzheim.

„Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.“ Mit diesem Sprichwort bedankte sich Vizelandrätin Christine Bender für eine gute Zusammenarbeit mit dem Landratsamt.

Oberbürgermeister Sebastian Remelé verwies auf die Wehranlagen als „Botanischen Garten“ der Stadt. Auch er bedankte sich für vielfältige Zusammenarbeit. Remelé lud die Kreisgruppe dazu ein, an der Konversion mitzuarbeiten. Anja Weisgerber, MdB, bedankte sich als Obfrau der CSU im Umweltausschuss für „Herz, Verstand und Tatkraft“ der Kreisgruppe. Beim Thema Nationalpark Steigerwald (den ihre Partei ablehnt), werde man an diesem Tag „nicht auf einen gemeinsamen Nenner“ kommen, so Weisgerber. Auch Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND , gab sich hier diplomatisch und signalisierte Bereitschaft, über Parteigrenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Als Beauftragter für Nordbayern ab 1973 war Weiger einer der Wegbereiter des BN in der Region.

Edo Günther blickte in die Zukunft: Mit der Abschaltung des Kernkraftwerk 2015 sei das Thema nicht vom Tisch: „Der Rückbau und die Mülllagerung werden uns noch Jahrzehnte beschäftigen.“ Beim Brönnhof setzte man sich für eine Überführung der naturnahen, bundeseigenen Flächen ins Nationale Naturerbe ein. Er erinnerte daran, dass es sich vorwiegend um ein Flora-Fauna-Habitat handele, mit strengen Auflagen.

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