Schweinfurt

Bürger beim Klimaschutz beteiligen

Konzept für den Klimaschutz: Die Stadt macht sich für die Umwelt stark und setzt auf Erneuerbare Energien.
Foto: Theresa Müller | Konzept für den Klimaschutz: Die Stadt macht sich für die Umwelt stark und setzt auf Erneuerbare Energien.

Nach jahrelangem Streit und Zank im Stadtrat hat sich im April 2014 doch noch eine klare Mehrheit für die Erstellung eines Klimaschutzkonzepts gefunden. Um 40 Prozent (gegenüber dem Referenzjahr 1990) soll der Kohlendioxidausstoß in Deutschland bis 2020 verringert werden. Die Stadt Schweinfurt macht dabei nun auch mit, nimmt dazu die seit 2008 mögliche Förderung im Rahmen der Klimaschutzinitiative der Bundesregierung in Anspruch. Rund 100 000 Euro kostet das Ganze, 65 Prozent beträgt die Förderung.

Weil ein solches Konzept aber nur Erfolg hat, wenn sehr viele mitmachen, hat die Stadt die Bevölkerung am Dienstagabend zur „Klimaschutz-Auftaktveranstaltung“ in die Rathausdiele eingeladen. Rein zahlenmäßig war der offizielle Startschuss mit nur rund 40 Teilnehmern eine Enttäuschung. Die Verwaltung und dreizehn Stadträte weggerechnet, waren die „normalen Bürger“ in der Minderzahl. Gleichwohl: Sie diskutierten eifrig mit, brachten sich an den drei „Thementischen“ mit vielen Vorschlägen erfreulich gut ein.

Am Tisch „Mobilität“ etwa wurde ein massiver Ausbau des Radwegenetzes gefordert und vorgeschlagen, die Auswirkungen eines generellen Tempo 30 im Stadtgebiet zu prüfen. Am Tisch „Strom und Licht“ lauteten die Anregungen: Kataster aller für Photovoltaik und Sonnenkollektoren geeigneten Hausdächer erstellen, LED-Straßenbeleuchtung intensivieren und den Brönnhof zur Arena für Erneuerbare Energien machen. Dritter Tisch „Wärme“: Hier war ein Vorschlag der Baumschutz mit der konkreten Forderung, die Baumschutzverordnung ernster nehmen.

Zur Einstimmung hatte die Stadt Johannes Paulus geladen. Der Professor lehrt seit 2003 an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Schweinfurt Energietechnik, Thermodynamik und Wärmeübertragung. Einer seiner Schwerpunkte sind regenerative Energiesysteme. Paulus machte in seinem Impulsreferat deutlich, dass Klimaschutz nur heißen kann, den Status quo zu erhalten: Durch die Einsparung von fossilen Energieträgern und den Umstieg auf regenerative Energieträger.

Paulus schilderte das enorme Potenzial von Solarenergie. Die noch gar nicht ausgeschöpften „Möglichkeiten sind gigantisch“. Deutschland habe weltweit mit über 100 Milliarden die Solar- und Windkraftnutzung angeschoben. In der Bundesrepublik selbst seien die Klimaschutzziele von 2020 „schon jetzt fast erreicht“.

FH engagiert sich

Der Professor riet auch mit Blick auf die Sicherung von Arbeitsplätzen dazu, sich auf die Kernkompetenz, die Entwicklung von Techniken, zu konzentrieren, statt „jedes Haus in Styropor zu verpacken“. Dass die FH gut dabei ist, zeigte er an mehreren Beispielen, unter anderem der Stromübertragung durch Kabel, die 30 Prozent mehr Stromdurchlauf verkraften und den Transport regenerativ erzeugten elektrischen Stroms über weite Strecken.

Jana Zapf vom damit beauftragten Planungsbüro Energievision Franken aus Bamberg stellte die Vorgehensweise beim geplanten Klimaschutzkonzept vor. Derzeit geht es um die Frage: „Wo steht Schweinfurt in Sachen Energieverbrauch und CO2-Ausstoß ?“ Dazu sind umfangreiche Recherchen nötig, schon vorhandene Zahlen, Daten und Pläne, wie der Verkehrsentwicklungsplan 2030, sind da hilfreich. Geplant sind auch Ortsbegehungen. Speziell befragt wird die viel Energie verbrauchende Schweinfurter Industrie.

In einem zweiten Schritt werden dann Szenarien entwickelt, wie man die gesteckten Ziele – zunächst bis 2030 – erreichen kann. Es wird beispielsweise eine so genannte Wärmedichtekarte erstellt, um den heutigen Energieverbrauch in den einzelnen Stadtteilen zu erfahren. Dabei spielt das Alter der Gebäude, die Bebauungsdichte und natürlich die Geschosszahl eine Rolle.

Workshops geplant

Erfasst werden auch alle schon eingesetzten Erneuerbaren Energien als Gradmesser dafür, „was noch möglich ist“ und „wohin in Schweinfurt die Reise geht“.

Das Konzept steht und fällt mit der „Akteursbeteiligung“, also dem Mitmachen auf möglichst allen Ebenen. „Klimaschutz ist keine Bürde und beinhaltet viele Chancen, geht aber nur gemeinsam“, sagte Jana Zapf von Energievision.

Das weitere Vorgehen: Es wird den Thementischen entsprechend mehrere Workshop mit Bürgerbeteiligung geben. Wer Interesse hat, meldet sich. Eine Steuergruppe (Stadtverantwortliche, Vertreter der Stadtwerke) sammelt Ideen.

Es gibt mehrere Expertenanhörungen und ein Konzept für die Öffentlichkeitsarbeit. Schon zu den Haushaltsberatungen im November sollen erste im – bis dahin weitgehend fertigen – Klimaschutzkonzept aufgelistete Projekte benannt und mit bereitzustellendem Geld schon 2016 umgesetzt werden, verriet Bauverwaltungsamtsleiter Werner Duske am Rand der Veranstaltung.

Weitere Artikel
Themen & Autoren
Schweinfurt
Hannes Helferich
Energiebedarf und Energieverbrauch
Klimaschutz
Sicherung von Arbeitsplätzen
Stadt Schweinfurt
Workshops
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen