Werneck

Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl verabschiedet sich

Zwölf Jahre Bürgermeisteramt und 50 Jahre Arbeit im Rathaus: "Ich wollte die Menschen mitnehmen".
Eine gebastelte Amtskette mit Kinderwünschen hatte der Wernecker Kindergarten vor zwölf Jahren Edeltraud Baumgartl zu ihrem Amtsantritt geschenkt. Für die scheidende Bürgermeisterin ein besonderes Geschenk, das sie oft begleitet hat.
Eine gebastelte Amtskette mit Kinderwünschen hatte der Wernecker Kindergarten vor zwölf Jahren Edeltraud Baumgartl zu ihrem Amtsantritt geschenkt. Für die scheidende Bürgermeisterin ein besonderes Geschenk, das sie oft begleitet hat. Foto: Silvia Eidel

Nach zwölf Jahren als Bürgermeisterin der größten Gemeinde im Landkreis Schweinfurt hat Edeltraud Baumgartl ihren Platz für Nachfolger Sebastian Hauck geräumt. Zwölf Jahre voller Termine und Projekte liegen hinter ihr, unermüdlich unterwegs in der Flächengemeinde mit 13 Orten. "Ich wollte bei den Menschen sein, ich wollte sie mitnehmen", blickt die 65-jährige scheidende Bürgermeisterin zurück.

Ein offenes Ohr für die Anliegen ihrer Bürger: Das war ihr wichtig, das soll von ihr in Erinnerung bleiben, wünscht sie sich. Allein 475 Sitzungen – nur in Gemeinderat und Ausschüssen – hat sie in den zwölf Jahren geleitet, dazu –zig Besprechungen absolviert, ungezählte Feste besucht, Jubilare gratuliert oder Bürger geehrt. "Die vielen Termine habe ich nie als Druck empfunden, als zeitintensiv schon, aber ich wollte die Menschen erreichen."

Für Edeltraud Baumgartl ist der altersbedingte Abschied vom Bürgermeisteramt auch ein Abschied nach über 50 Jahren Arbeit im Rathaus. Denn dort hatte sie als junge Frau als Verwaltungsangestellte gelernt und war 2008 von ihrer Aufgabe als stellvertretende Geschäftsleiterin auf den Bürgermeistersessel gewählt worden. Diesen Wechsel von der Kollegin zur Chefin zu bewältigen, war schon "ein Spagat", gibt sie zu. Für ihre neue Aufgabe hat ihr die vorherige Funktion als Gleichstellungsbeauftragte geholfen. "Ich bin dadurch gereift", meint sie. Die Verwaltung habe sie gekannt, "ich wusste, dass ich mich auf das Team verlassen kann."

Zahlreiche Bauprojekte umgesetzt

Mit ihrer Verwaltung hat sie in den zwölf Jahren jede Menge Projekte bewältigt. Die wichtigsten? "Schwer zu sagen", meint Baumgartl, jedes Projekt hatte Gewicht: gleich zu Anfang der Kreisel an der A 70 als Einfahrt ins Gewerbegebiet, der Straßen- und Radwegebau, die vielen Dorfplätze, Kindergärtenanbauten und –sanierungen, die Bereitstellung von Bauplätzen und die Innenentwicklung, die Generalsanierung der Mittelschule und im letzten Sommer des Rathauses, das hell, offen und modern wurde. "So sollte sich eine Verwaltung aufstellen", nickt sie.

Dass sie manchmal als "Bau-Bürgermeisterin" tituliert wird, weiß Baumgartl und lächelt, weil das nur einen Teil der umfangreichen Arbeit widerspiegelt. "Man muss ausdauernd arbeiten, hartnäckig bleiben", sagt sie. "Manchmal hilft aber auch der Zufall." Sie weiß es zu schätzen, dass die Wirtschaft in den letzten Jahren gebrummt hat, dass die Gewerbesteuer floss. "Und es war möglich, für viele Projekte auch Fördergelder zu bekommen", erklärt sie. So gelang es auch, dass sie die Schulden der Gemeinde reduzieren und gleichzeitig viel investieren konnte.

Besonders hartnäckig hat sie um die aktuell laufenden Arbeiten am Wernecker Marktkrankenhaus gekämpft. "Wir wollten den Bestand sichern", unterstreicht sie. Wie wichtig auch kleine Krankenhäuser sind, zeige sich jetzt in Corona-Zeiten. "Die Politik wird umdenken müssen", hofft Baumgartl.

Thema Hausarztversorgung

Dass 2014 die Geburtshilfe-Abteilung geschlossen hat, war ein schwieriges Kapitel. Die scheidende Bürgermeisterin zollt noch im Nachhinein den Frauenärzten Kellermann und Hernas den größten Respekt: "365 Tage im Jahre haben die beiden die Geburtshilfe gesichert, das war eine starke Leistung." Mangels Nachfolge mussten sie ihren Einsatz beenden. Für die Gynäkologie hat sich jedoch eine Nachfolge gefunden. Allerdings weiß Baumgartl auch, dass die Hausarztversorgung in Zukunft schwierig wird. Eine Aufgabe, die ihrem Nachfolger bleibt.

Viele soziale und kulturelle Projekte wurden in ihrer Amtszeit forciert oder neu verwirklicht: Der Wernecker Kulturfrühling, die Installation als erste Fair-Trade-Gemeinde im Landkreis, der Seniorenbus, die Nachbarschaftshilfe. Baumgartl weiß, dass sie für vieles ehrenamtliche Helfer braucht. "Man muss sie direkt ansprechen, man muss auf die Menschen zugehen, das ist eine Grundvoraussetzung für einen Bürgermeister", sagt die 65-Jährige.

Ganz ins Private zurückziehen und eventuell noch einmal Klavier spielen lernen – ein uralter Wunsch – wird sie jetzt aber nicht. Denn die CSU-Politikerin hat erneut, wie seit 1996, einen Kreistagssitz geholt. Und auch sozial will sie sich in ihrer Gemeinde künftig "ein bisschen einbringen": Für die Sozialstation St. Michael hat sie den stellvertretenden Vorsitz übernommen, im Förderverein des Marktkrankenhauses ist sie ebenfalls zweite Vorsitzende und dem Förderverein der Mittelschule steht sie vor.

Auf ihre Amtszeit blickt die scheidende Bürgermeisterin zufrieden zurück. "Es ist ein schönes Amt, man kann vieles bewegen", fasst sie zusammen. "Es hat mir immer Freude gemacht."

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Werneck
  • Silvia Eidel
  • Bauprojekte
  • Bürger
  • Edeltraud Baumgartl
  • Frauenheilkunde
  • Fördervereine
  • Geburtshilfe
  • Generalsanierungen
  • Gynäkologinnen und Gynäkologen
  • Krankenhäuser und Kliniken
  • Nachbarschaftshilfe
  • Senioren
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!