Vasbühl

Christus von Julian Walter: Tröster für die Trauernden

Eine Christusfigur des verstorbenen Vasbühler Bildhauers Julian Walter schmückt die Aussegnungshalle seines Heimatdorfes. Das ist seiner Witwe Brigitta Walter zu verdanken.
Über die Christusfigur des Künstlers Julian Walter an der Aussegnungshalle in Vasbühl freuen sich seine Witwe Brigitta Walter (rechts) und Wernecks Bürgermeister Sebastian Hauck (links).
Foto: Silvia Eidel | Über die Christusfigur des Künstlers Julian Walter an der Aussegnungshalle in Vasbühl freuen sich seine Witwe Brigitta Walter (rechts) und Wernecks Bürgermeister Sebastian Hauck (links).

Die Form war es stets, die den Vasbühler Bildhauer Julian Walter faszinierte, die er immer mehr reduzierte und perfektionierte. Zwei Jahre nach seinem Tod hängt nun ein neues Bronzekreuz von ihm an der Aussegnungshalle auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde: Eine Christusfigur, deren Form das Kreuz selbst ist. Brigitta Walter, die Witwe des Künstlers, schenkte der Gemeinde den Entwurf, den ihr verstorbener Mann angefertigt hatte, und die Bronzebarren dazu.

Figur ist ein Frühwerk 

Der 1,60 Meter große Gekreuzigte ist ein Frühwerk des 83-jährig verstorbenen freischaffenden Bildhauers. "Aus seiner Nürnberger Zeit, circa 1963", erklärt Brigitta Walter. Damals beendete Julian Walter gerade sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und ließ sich kurz darauf, 1964, als freischaffender Bildhauer in seinem Heimatort Vasbühl nieder.

Für die evangelische Kirche in Neuendettelsau hatte er ein Holzkreuz geschnitzt, das versilbert wurde. "Damals musste er einen Entwurf im Maßstab eins zu eins machen, um zu sehen, wie es wirken würde", erklärt seine Witwe. Das Gipsmodell dazu bewahrte er zeitlebens auf.

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Als Brigitta Walter nach dem Tod ihres Mannes sein Atelier aufräumte, fiel ihr der Entwurf auf. Weil sie wusste, dass am örtlichen Leichenhaus nur ein ganz einfaches Holzbalkenkreuz hing, bot sie der damaligen Wernecker Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl an, die Christus-Studie sowie die nötigen Bronze-Barren für ein neues Kreuz zur Verfügung zu stellen.

Der Wernecker Gemeinderat stimmte zu, den Guss-Vorgang zu zahlen, so dass Brigitta Walter das Modell in die Kunstgießerei Erhardt im hessischen Haiger-Oberroßbach brachte. "Mein Mann hatte viel mit der Gießerei zusammen gearbeitet und wusste, dass dort sehr gute Arbeit geleistet wird", erklärt seine Witwe.

Im aufwändigen Sandguss-Verfahren wurde der 76 Kilogramm schwere Bronze-Korpus erstellt. Der Gemeindebauhof Werneck brachte ihn vor kurzem an der Frontseite der Vasbühler Aussegnungshalle an.

Stimmig mit dem schlichten Gebäude hängt nun die Christusskulptur neben dem großen Portal und spendet den Trauernden Trost. Der ganze Körper ist ein Kreuz, die weit ausgebreiteten Arme bilden die Querbalken, Kopf, Körper und Beine den Längsbalken. Der Blick der Figur ist nach unten gesenkt, ruhend auf den Menschen, die sich dort bei einer Beisetzung versammeln.

Werk ist ein Unikat

"Das ist eine deutliche Aufwertung des Gebäudes", bestätigte Wernecks Bürgermeister Sebastian Hauck, der bei einem Ortstermin Brigitta Walter für die Schenkung im Namen der Gemeinde Dank sagte. "Es ist schön, wenn Vasbühl so ein Werk von Julian Walter hat". Dass es ein einmaliges bleibt, unterstreicht seine Witwe: Sie hat die Form nach dem Guss noch in der Gießerei vernichten lassen. "Diesen Christus gibt es nur einmal".

Er ist ein frühes Werk des Künstlers, was auch die Oberfläche der Bronzefigur zeigt: Sie ist rauh, zeigt bewusst die Spuren des Modellierens. "Mein Mann hat später immer mit glatten Flächen gearbeitet", weiß Brigitta Walter. "Ihm ging es um die eigentliche Form. Dann sieht man erst, ob die Idee zur Gestaltung funktioniert", erinnert sie sich an seinen bildhauerischen Schaffensdrang.

Christuskopf von Julian Walter mit gesenktem Blick.
Foto: Silvia Eidel | Christuskopf von Julian Walter mit gesenktem Blick.

Von diesem künden nicht nur im Schweinfurter Land, sondern weit darüber hinaus im öffentlichen und sakralen Raum seine Altäre, Gedenksteine, Brunnen und Skulpturen. In der restaurierten Vasbühler Kirche gestaltete Julian Walter Altar und Ambo. "Das war ihm wichtig, er war sehr gläubig", sagt seine Witwe. Auch im sanierten Wernecker Rathaus besticht im Foyer eine Figur von ihm, die große, rote "Erdenmutter" von 1987, ebenfalls eine Schenkung seiner Witwe an die Gemeinde.

Für 2021 hatte Brigitta Walter eigentlich eine Ausstellung mit den phantasievollen hölzernen, metallenen und steinernen Kunstwerken als Retrospektive des Schaffens ihres verstorbenen Mannes geplant. Corona machte das Vorhaben allerdings zunichte.

Weil Julian Walter so fleißig gearbeitet hatte, kann seine Witwe heute viele seiner Arbeiten in ihrem Anwesen immer um sich haben. "Dadurch ist er immer bei mir", weiß sie.

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