Schweinfurt

Corona-Krise: Volkshochschulen fühlen sich im Stich gelassen

Seit Mitte März darf an den Volkshochschulen in Bayern kein Unterricht mehr stattfinden. Auch die Einrichtungen in Unterfranken stehen deshalb vor großen Herausforderungen.
Wie an allen bayerischen Volkshochschulen findet auch an der vhs in Würzburg seit Mitte März kein Präsenzunterricht mehr statt.
Wie an allen bayerischen Volkshochschulen findet auch an der vhs in Würzburg seit Mitte März kein Präsenzunterricht mehr statt. Foto: Patty Varasano

Die Corona-Pandemie hat vieles zum Stillstand gebracht. Doch während es etwa für Gastronomen, Einzelhändler und Schulen allmählich wieder bergauf geht, liegt für die Volkshochschulen (vhs) in Bayern jede Normalität immer noch in weiter Ferne. Präsenzveranstaltungen sind dort seit Mitte März nicht mehr möglich. Anders als in anderen Bundesländern gibt es in Bayern bisher auch weder die Erlaubnis, den Betrieb unter besonderen Maßnahmen wieder aufzunehmen, noch steht ein Datum fest, an dem Lockerungen in Kraft treten sollen. Stattdessen warten bayernweit knapp 200 Volkshochschulen auf ein Signal aus der Politik.

"Die Verärgerung über diesen Zustand ist enorm", schreibt die Präsidentin des Bayerischen Volkshochschulverbands und frühere Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) in einen Brief an Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Auch in Unterfranken ist die Lage angespannt.

Volkshochschulen hängen in der Luft

"Wir fühlen uns im Regen stehen gelassen", sagt Renate Knaut, Bezirksvorsitzende der unterfränkischen Volkshochschulen. In den Debatten im Landtag über das weitere Vorgehen in der Corona-Situation werde die Erwachsenenbildung vollständig außer Acht gelassen, kritisiert Knaut. Es gehe nicht darum, die Volkshochschulen möglichst schnell wieder zu öffnen. Allerdings brauche jede vhs eine zeitliche Perspektive, fordert Knaut, die selbst als Pädagogische Leitung an der vhs Rhön und Grabfeld tätig ist. "Langfristiger zu planen ist aktuell nicht möglich."

Wie die Volkshochschulen mit der Unterbrechung der Kurse umgehen, unterscheidet sich deshalb auch in der Region von Einrichtung zu Einrichtung. Während etwa an der vhs Würzburg und Umgebung der Unterricht bisher nur pausiert, wird das laufende Semester an der vhs Kitzingen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht fortgesetzt werden können. "Das ist zwar schade, aber wahrscheinlich wird es nicht anders möglich sein", sagt Leiterin Cornelia Rauh. Denn viele Räume wären gar nicht groß genug, um dort Kurse unter Einhaltung größerer Abstände durchzuführen. Außerdem seien die Mitarbeiter der Einrichtung selbst von Kurzarbeit betroffen und deshalb mit der Erstellung des Herbstprogramms voll ausgelastet.

Online-Kurse sind kein Ersatz

Um die Zeit ohne Präsenzunterricht zu überbrücken, bieten einige Volkshochschulen Online-Kurse an. In Schweinfurt etwa können so für 170 Teilnehmer Integrationskurse, die unter anderem die deutsche Sprache vermitteln sollen, digital weiterlaufen. Dafür komme ein Lernportal des Deutschen Volkshochschulverbandes zum Einsatz, sagt Leiterin Jutta Cize. Außerdem sei geplant, einige Inhalte im kommenden Semester über die sogenannte vhs-Cloud – eine Art virtuelles Klassenzimmer – zu vermitteln. Zusätzlich gibt es mit "vhs.daheim" ein übergreifendes Programm aller bayerischen Volkshochschulen, das ebenfalls Vorträge und Kurseinheiten über das Internet verfügbar macht. Ein vollwertiger Ersatz seien Online-Angebote jedoch nicht, sagt Bezirksvorsitzende Renate Knaut.

Mit einem Lernportal können die Teilnehmer der Integrationskurse an der vhs Schweinfurt an ihrem Smartphone lernen.
Mit einem Lernportal können die Teilnehmer der Integrationskurse an der vhs Schweinfurt an ihrem Smartphone lernen. Foto: vhs-Verband

Das bestätigt Stefan Moos, Leiter der vhs Würzburg und Umgebung: "Unser Know-How ist seit über 100 Jahren der Präsenzunterricht, und den vermissen die Menschen auch." Zwar bietet auch die Würzburger Volkshochschule einige Online-Kurse an, ein Ausweg aus der Krise seien diese aber nicht, sagt Moos: "Das Problem ist: Kein Mensch zahlt für Online-Angebote."

Dabei sind die Volkshochschulen auf diese Einnahmen durchaus angewiesen. Nach Angaben des Bayerischen Volkshochschulverbands finanzieren sich die Einrichtungen im Schnitt zu 40 Prozent aus den Kursgebühren. An der vhs Würzburg und Umgebung sind es sogar 80 Prozent. Was die weggefallenden Einnahmen durch das Betriebsverbot genau bedeuten, kann Leiter Stefan Moos jetzt noch nicht sagen, aber auch er spricht von einer "schwierigen Situation". Ohne staatliche Unterstützung könnte die aktuelle Krise viele – insbesondere privatrechtlich organisierte – Volkshochschulen in finanzielle Schieflage bringen, warnt Knaut. 

Unterstützung für Dozenten gefordert

Eine finanzielle Belastung bedeutet die Corona-Krise auch für die Dozenten, deren Honorare aktuell komplett wegfallen. Wer hauptberuflich an einer Volkshochschule unterrichtet, hat mittlerweile seit Monaten keine Einnahmen. Deshalb fordert Knaut auch für die Kursleiter Unterstützung von Seiten des Staates: "Es ist wichtig, dass die Dozenten nicht nur auf die Grundsicherung verwiesen werden." Ansonsten könnten die Volkshochschulen viele Kursleiter für die Zukunft verlieren, befürchtet sie. "Der Politik muss einfach klar sein, dass im Bereich der Erwachsenenbildung ganz wichtige Strukturen komplett wegbrechen könnten, wenn die Volkshochschulen jetzt vernachlässigt werden."

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Schweinfurt
  • Kitzingen
  • Würzburg
  • Anna-Lena Behnke
  • Barbara Stamm
  • CSU
  • Cornelia Rauh
  • Coronavirus
  • Debatten
  • Deutsche Sprache
  • Dozenten
  • Grundsicherung
  • Honorare
  • Jutta Cize
  • Krisen
  • Markus Söder
  • Mitarbeiter und Personal
  • Staatliche Unterstützung und Förderung
  • Unterfranken
  • Volkshochschulen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!