Schweinfurt

Dealer hatte eine Armbrust in der Wohnung

Der Vorwurf des bewaffneten  "Handeltreibens mit Betäubungsmitteln" war recht schnell vom Tisch. Warum die Polizei gleichzeitig mit der Mutter des Angeklagten kam.
Das Landgericht in Schweinfurt. 
Das Landgericht in Schweinfurt.  Foto: Horst Breunig

Die Wohnung eines Pärchens im Landkreis Schweinfurt war vorübergehend eine "gute Adresse" für Kunden aus der Drogenszene mit dem breiten Angebot eines "Gemischtwarenladens".  Nach einer Durchsuchung im Oktober 2019 sprachen die Ermittler von einem schwunghaften Handel mit Schwerpunkt Marihuana, Haschisch und Amphetaminen, in dieser Woche wurde am Landgericht Schweinfurt "abgerechnet".

Ein 31 Jahre alter gelernter Einzelhandelskaufmann,  selbst drogenabhängig,  wurde zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren  verurteilt  und seine Unterbringung "zum Entzug" in einer Klinik angeordnet. Nach erfolgreicher Therapie kann dann die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Sieben Vorstrafen, überwiegend verhängt vom Amtsgericht Bad Kissingen, standen meist im Zusammenhang mit Besitz von und Handel mit kleineren Rauschgiftmengen und führten zu entsprechend niedrigen Strafen: Die Festnahme nach der Durchsuchung seiner Wohnung brachte den Mann zum ersten Mal hinter Gitter.

Armbrust mit drei Pfeilen keine "griffbereite" Waffe

Die  vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts verlesene Anklageschrift  hörte sich noch an, als wär der Angeklagte einer der ganz gefährlichen im heimischen  Drogenhandel:  Unter anderem ging es um "bewaffnetes Handeltreiben", "griffbereit" in der Wohnung  verteilte Waffen  für den Fall, dass Kundengespräche "aus dem Ruder laufen" oder dass einer nicht zahlen kann. Aufgelistet waren eine kleine Axt im Schlafzimmer unterm Bett,  eine  Armbrust mit drei Pfeilen, ein Luftgewehr ohne Munition  und drei Pfeffersprays in einem Beutel.

Doch am Ende der Beweisaufnahme war einiges aus der Anklageschrift "eingedampft", Urteilsverkündung bereits am frühen Nachmittag des ersten Verhandlungstages,  auf einen eingeplanten zweiten konnte man verzichten . Dass er dealte,  um seinen Eigenkonsum zu finanzieren,  hat man dem Angeklagten abgenommen.

Der Vorwurf des bewaffneten  "Handeltreibens mit Betäubungsmitteln" war recht schnell "vom Tisch".  Nach den Angaben des Angeklagten war die Armbrust ein Geschenk,  einmal sei er damit zum Schießen bei Bogenschützen gegangen,  dann nicht mehr.  Das Luftgewehr gehöre einem Bekannten, der auf Therapie ging, keine Wohnung mehr hatte,  es sollte eigentlich von einem anderen Bekannten abgeholt werden. Bei der kleinen Axt handle es sich um ein in jedem outdoor-Laden angebotenen Zubehör fürs Angeln,  das hat ein Ermittler bestätigt, auch,  dass der Angeklagte gern zum Angeln ging. Zu den Pfeffersprays berichtete der Angeklagte,  dass wiederholt ein Mann seiner Freundin nachstellte.  Aus Angst habe die daraufhin ihre Handtasche "aufgerüstet".   Warum die Sprays eines Tages in einer Kommode im Flur lagen, wisse er auch nicht.

Amphetamin im Eierfach und 1380 Euro in einer Schachtel

Bei der Wohnungsdurchsuchung  sind zwei Polizeibeamte in jedem Zimmer "fündig" geworden bis zu Amphetamin im Eierfach des Kühlschranks. Sie fanden über drei Kilogramm Marihuana, Haschischplatten , Ecstasy-Tabletten, LSD-Trips und Reste, die auf vorangegangenen Drogenkonsum hinwiesen. Weitere Fundsachen bestätigten das vermutete Handeltreiben:  Fein-Waagen, Druckverschluss-Tütchen und weiteres Verpackungsmaterial, ein Vakuumiergerät und auf dem Kühlschrank eine Schachtel mit 1380 Euro. Das sei die Urlaubskasse gewesen, für ihn und die Freundin, sagte der Angeklagte und war damit einverstanden, dass dieses Geld mit den Prozesskosten verrechnet wird.  

Reiner Zufall war,  dass die Mutter des Angeklagten bei der Durchsuchung dabei war. Sie wollte wieder mal nach dem Sohn schauen. Die beiden gleichzeitig ankommenden Polizeibeamten gingen mit ihr rein. Der Angeklagte soll beim Aufwachen nach einem Nachmittags-Nickerchen  sehr überrascht darüber gewesen sein, dass die Mutter Polizisten mitgebracht hatte.

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