Schweinfurt

Depot als Versuchskanninchen

Der Depotraum für Handwerks- und Industriekultur der Museen und Galerien der Stadt Schweinfurt wurde zum Untersuchungsobjekt. Das Fraunhofer-Institut untersuchte den Luftaustausch.
Foto: Julian Rohr | Der Depotraum für Handwerks- und Industriekultur der Museen und Galerien der Stadt Schweinfurt wurde zum Untersuchungsobjekt. Das Fraunhofer-Institut untersuchte den Luftaustausch.

Normalerweise stehen im Depot für Handwerks- und Industriekultur der Museen und Galerien der Stadt Schweinfurt nur historische Gegenstände aus der städtischen Industrie- und Handwerksgeschichte. Nun wurde die Halle am Hainig zu einem provisorischen Labor umfunktioniert; Kristin Lengsfeld vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik ermittelt hier die Luftzirkulation innerhalb des Gebäudes, um Rückschlüsse auf die Isolierung des Depots ziehen zu können.

Durch den 135 Quadratmeter großen Depot-Vorraum, wo normalerweise Exponate vorbereitet und inventarisiert werden, verlaufen drei Schläuche, die mit einem Messgerät verbunden sind, das an einen EKG-Monitor erinnert. Über die Schläuche saugt das Gerät jede Minute die Luft im Raum ein, und misst die Konzentration eines Gases, das zuvor im Raum eingelassen wurde.

Nach drei Stunden Messung, zeigen sich erste Ergebnisse: Die Werte sind sehr niedrig, das heißt die Luft zirkuliert nur schwach. Laut Lengsfeld alles im erwarteten Bereich. Wäre der Konzentrationsabfall des Gases in der Luft jedoch stärker, könnte das bedeuten, dass das Depot nur schlecht isoliert wäre. Die Folge: Luftfeuchtigkeit und Temperatur verändern sich ständig.

Das verschwendet nicht nur Energie, sondern ist auch schlecht für die Exponate, wie Jürgen Benini, technischer Leiter des Depots, erklärt: „Es ist, als würde man das Depotgut ständig dehnen und wieder zusammenziehen – bis es irgendwann platzt oder reißt“.

Hinzu komme: Durch den Wechsel der Jahreszeiten und die verschiedenen Temperaturen im Tagesverlauf, schwinge das Raumklima ständig um – diese Schwankungen sollen ausgeglichen werden.

Benini spricht auch vom „gleitenden Klima“: „Eigentlich wird das Gebäude nicht beheizt, sondern temperiert“. Damit das möglichst energieeffizient und kostengünstig ablaufen kann, ist Lengsfeld da.

Die Untersuchungsmessung ist Teil des Forschungsprojektes „EnOB: Plusenergiedepot“, das vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird und bei dem einfache Strategien gesucht werden, um Exponate und Artefakte „in Zeiten ambitionierter Klimaziele und sinkender Kulturbudgets“ kostengünstig zu konservieren, wie es in der Projektbeschreibung heißt.

Durch die Untersuchungen sollen Einsparpotenziale erkannt werden. Das Ziel: Gut isolierte Archive und Depots sollen sich beispielsweise durch Erdwärme oder Solarenergie in Zukunft selbstständig versorgen können oder bestenfalls noch Überschüsse produzieren. Das Depot in Schweinfurt ist dabei eines von sieben in Deutschland, in denen an einer Musterlösung geforscht wird.

Temperatur ideal

Messdaten aus dem Jahr 2014 belegten bereits, dass die Durchschnittstemperatur für die Konservierung der Artefakte im Schweinfurter Depot ebenso ideal ist, wie die Luftfeuchtigkeit in den Räumen. Das liegt auch an der energetisch vorbildlichen Bauweise des 2009 errichteten Depots, wie die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik, die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg und die Hochschule Anhalt bereits im März herausgefunden haben.

Der 85 Zentimeter dicke Betonsockel ist innen gedämmt, die acht Zentimeter starken Stahlbleche als Außenhaut haben einen Kern aus PUR-Hartschaum.

Das Heizsystem im Depot ist an die Hypokausten-Heizung der Römer angelehnt. Dabei werden die Innenflächen des Gebäudes durch Kupferrohre beheizt, die großflächig an den Wänden entlangführen. Die Wände strahlen die Wärme ab, erhitzen die Exponate, die die Wärme ihrerseits wieder an die Wände abgeben.

Keine kalten Stellen

Durch dieses „Spiegel-Prinzip“ bleibe die Temperatur konstant und es gebe keine kalten Stellen. Klassische Heizkörper könnten die Luft hingegen nicht gleich im Raum verteilen – dadurch könnten sich Tau und Schimmel bilden.

Zudem würde die warme Luft aus der Heizung Staub auf die Exponate transportieren, während das jetzige Heizsystem die Wärme über Strahlung gleichmäßig verteilt.

Kristin Lengsfeld vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik.
Foto: Julian Rohr | Kristin Lengsfeld vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik.
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