GELDERSHEIM

Der Buschen kam schon bis nach Blumenau

Tradition: Bei der 25. Galderschummer Kerwa gab es den Hammeltanz um Kirchweihschaf Lissy und Schäfer Winfried Huppmann.
Foto: Uwe Eichler | Tradition: Bei der 25. Galderschummer Kerwa gab es den Hammeltanz um Kirchweihschaf Lissy und Schäfer Winfried Huppmann.

Tradition ist nicht das Festhalten, sondern die Weitergabe des Buschens: Alles dreht sich ums Schaf, beim Hammeltanz, als sonntäglicher Höhepunkt der „Galderschummer Kerwa“ – übersetzt: Geldersheimer Kirchweih. Dabei wird der „Buschen“, ein blumengeschmückter Stab, von Tanzpaar zu Tanzpaar jeden Alters weitergereicht: Wer ihn in Händen hält, wenn auf dem Eimer ein Wecker schellt, ist neues Hammelkönigspaar.

Es herrscht also Spannung nach Eröffnung des Tanzbodens im Fränkischen Hof. „Mir sin sou garn in Galderschum und frään uns, dass ihr alle kummt“, schallt es über den Platz, auf dem die Kirchweihfichten aufgestellt durch die 15 Fichtenpäärli aufgestellt werden. Tags darauf gibt's den Wagenumzug.

Heuer wird 25 Jahre Rückkehr einer fast 250 Jahre alten Tradition gefeiert, was mit dem Jubiläumstreiben „1250 Jahre Geldersheim“ zusammenfällt. Etwas fescher als sonst schauen sie schon aus, die jungen Buam und Mädli, letztere mit Körres (Weste) und Kränzli, die Jungs mit Frack, Zylinder und weißen Handschuhen.

Christoph Hammer wiederholt zum Auftakt des Festes die Kirchweihrede, die schon im Gemeinderat über die Bühne ging. Tanzpartnerin Sina Lutz hält das Mikro. Das „Vivat“ mit dem Kerwa-Schoppen klingt ein bisschen heiser, sicher wegen dem Wetter.

Oliver Brust vom Verein für Heimat- und Brauchtumspflege führt durchs Programm, fast schon als Seele der Kerwa. Peter Kluge vom Trachtenverband ist da, die Abgeordnete Anja Weisgerber schließt sich mit Ehemann dem Reigen an, der Geldersheimer Musikverein steuert flotte Klänge bei, im Fränkischen Hof spielen die „Schlapperflicker“ Züpferli, am Vortag haben die „Körnier Ruckser“ für Walzer, Rheinländer und Dreher gesorgt.

Nur die Marktgesetze bereiten etwas Sorgen am Plua. Dass die „Bätzerli“, die Wollschäfchen, die mit den Lebkuchenherzen im Einkaufswagen angeboten werden, „made in China“ sind, ist das Geringste: „Die Endfertigung findet schon noch in Geldersheim statt“, betont Oliver Brust – die Papierherzen mit Kerwa-Logo werden am Biegenbach ans Schaf geheftet.

Vermisst wird 2013 allerdings der Rummel auf dem Marktplatz: Die Schausteller zieht es bereits zu den Weihnachtsmärkten. 2000 Besucher müssten schon geboten sein, damit es sich lohne, hieß es – was aber ungefähr der Geldersheimer Einwohnerzahl entspräche. Dabei gehörten Schiffsschaukel und Kinderbelustigung von Anfang an dazu: ebenso der umtanzte Hammel in der Mitte, wie ein Foto aus den Zwanzigern beweist.

Heute spielt diese Rolle Lissy, Vorzeigeschaf von Kirchweihschaffer Winfried Huppmann, die selbst zehnjähriges Jubiläum feiert – nur 2005 taucht in den Chroniken ein Kerwaschaf Max auf. Hier zeichnet sich doch ein Generationswechsel ab. Allerdings, Lissy ist ein echtes Gemütstier, ein ähnlich geduldiger Nachfolger wird schwer zu finden sein.

Auf jeden Fall kommt die Galderschummer Kerwa längst international daher: Seit 2009 gibt es auch einen Hammeltanz in Blumenau, Santa Catarina, von befreundeten brasilianischen Trachtlern.

Der Wecker klingelt: Katja und Dieter Lauerbach sind neues Hammelkönigspaar, erhalten Zepter und Reichsapfel. Am Abend dann der romantische Fackelumzug des halben Dorfs zum Königshof in der „Straßgass“. Am dritten und letzten Tag der Kirchweih folgt der Tanz bei Kerzenschein in den Kehraus und am Freitag dann das Hammelessen: Auch 2013 ohne Beteiligung von Lissy.

Getanzt wurde bei der Geldersheimer Kirchweih.
| Getanzt wurde bei der Geldersheimer Kirchweih.
Fesch herausgeputzt waren die Mädli und Buam.
| Fesch herausgeputzt waren die Mädli und Buam.
Lustig ging's beim Kirmesspruch zu.
| Lustig ging's beim Kirmesspruch zu.
Weitergereicht wird der Buschen von Paar zu Paar.
| Weitergereicht wird der Buschen von Paar zu Paar.
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