EBRACH

Der „Ebracher Götze“ kehrt heim

Geheimnisumwittert: Der nach Bamberg „ausgewanderte“, so genannte „Ebracher Götze“ ist wieder in den Steigerwaldort zurückgekehrt.
| Geheimnisumwittert: Der nach Bamberg „ausgewanderte“, so genannte „Ebracher Götze“ ist wieder in den Steigerwaldort zurückgekehrt.

Der geheimnisumwitterte und mysteriöse „Ebracher Götze“ ist wieder „daheim“, wie aus einer Mitteilung der Marktgemeinde hervorgeht. Anton Drausnick war auf die wuchtig und grobgliedrig wirkende Sandsteinfigur 1918 bei Rodungsarbeiten für die Erweiterung seines Hof gestoßen. Sie steckte kopfüber im Boden. Seit 1939 stand der Bildstein im Historischen Museum in Bamberg. Aus der Domstadt ist er jetzt 72 Jahre später in seine Heimat im Steigerwald zurückgekehrt, allerdings nur als Leihgabe.

Der Hof der Drausnicks liegt nahe am Wald an einer Stelle, von der mehrere Schleifwege vom sumpfigen Tal auf die trockene Höhe in Richtung Schmerb führten. Es könnte deshalb gut sein, dass in der Frühzeit dieser Bildstein als eine Art Schutzheiliger für die gefährlichen Fahrten vom Berg ins Tal oder umgekehrt gedient haben mag.

Wie alt der Bildstein ist und was er zu bedeuten hat, darüber sind sich die Forscher nicht einig. Es ist eine Bandbreite von 1000 Jahren vor Christus oder auch 1000 Jahre nach Christus möglich und auch die Zuordnung als „Irischer Kriegsgott“, „Iroschottischer Missionsbischof“, „Anthropomorpher Grenzstein“, „Slawisches Kultbild“ oder auch „Heiliger Leonhard“ ist bei Fachleuten nachzulesen. Die Bandbreite ist also groß.

Tatsache ist, dass der Stein beim damaligen Gefängnisleiter Otto Leypold im Jahre 1931/32 Gefallen fand. Der befreundete Anton Drausnick stimmte schließlich zu, den Stein zur Ausschmückung des Otto-Leypold-Rings zu verwenden. Dort stand er dann „angelehnt“ an eine kleine Flurkapelle in Friedhofsnähe.

Ostern 1938 wurde der Nürnberger Heimatforscher Fritz Röll auf den Bildstein aufmerksam und ordnete die Skulptur als bedeutendes und schützenswertes Kulturgut ein.

1939 wurde der Bildstein daraufhin „gesichert“ und in das Historische Museum nach Bamberg gebracht, wo er sich zu den drei „Bamberger Götzen“ gesellte.

Im Jahre 2006 begannen die Ebracher Bemühungen um die Rückgabe, zumindest aber um einen Abguss, um den „Ebracher Götzen“ im eigenen Museum ausstellen zu können. Fünf ganze Jahre sollten sich die Verhandlungen aber noch hinziehen und erst als der Wunsch auf Rückgabe auf die „politische Schiene“ gebracht wurde, hat es geklappt.

Mittels eines Leihvertrages ist der „Ebracher Bildstein“, wie die Fachleute sagen, oder der „Ebracher Götze", wie die Bevölkerung ihn nennt, nach Ebrach zurückgekehrt, wenn auch zunächst nur begrenzt auf einen Zeitraum von fünf Jahren.

Bei einem kleinen Festakt im Museum erfolgte die Übergabe durch den Bamberger Bürgermeister und Kulturreferenten Werner Hipelius sowie die Leiterin der Bamberger Museen, Regina Hanemann, an die Verantwortlichen in Ebrach.

Bürgermeister Max Dieter Schneider und Museumsverwalter Viktor Fieger bedankten sich für die glückliche Heimkehr ihres ältesten, andererseits nun auch wiederum jüngsten Bürgers in seine angestammte Heimat.

Dem Übergabeakt wohnten auch Pater Franziskus, der Vorsitzende des Forschungskreises Ebrach, und Anton Drausnick, ein Enkel des Finders, bei. Bei den Drausnicks handelt es sich übrigens noch um die einzige und letzte Familie, die seit der Säkularisation in Ebrach ansässig ist.

Der „Ebracher Götze“ ist ab 3. April bis einschließlich Oktober täglich von 14 bis 16 Uhr im Museum der Geschichte Ebrachs im Klosterbau zu besichtigen.

Herzlicher Empfang für den „Götzen“: Es freuen sich (von links) Bambergs Bürgermeister und Kulturreferent Werner Hipelius, Ebrachs Bürgermeister Max Dieter Schneider, die Chefin der Bamberger Museen, Regina Hanemann, und der Leiter des Ebracher Museums, Viktor Fieger.
Foto: Fotos (2): Markt Ebrach | Herzlicher Empfang für den „Götzen“: Es freuen sich (von links) Bambergs Bürgermeister und Kulturreferent Werner Hipelius, Ebrachs Bürgermeister Max Dieter Schneider, die Chefin der Bamberger Museen, ...
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