SCHONUNGEN

Deutschlands Jüngster: Trubel um Wahlsieger Stefan Rottman

Verschnaufpause: Der Schonunger Wahlgewinner Stefan Rottmann liest bei seiner Siegesfeier die elektronisch eingegangenen Glückwünsche.
Foto: Josef Schäfer/Herbert Götz | Verschnaufpause: Der Schonunger Wahlgewinner Stefan Rottmann liest bei seiner Siegesfeier die elektronisch eingegangenen Glückwünsche.

Es ist schon zur vorgerückten Stunde am Sonntag, als Stefan Rottmann Zeit findet, sich hinzusetzen. Vor dem Plakat mit seinem Konterfei, auf dem schon ein „Danke“-Zettel klebt, wie er in den nächsten Tagen zu Hunderten in Schonungen zu sehen sein wird. Rottmann nimmt sich nach dem Wahlkrimi ein paar Minuten, um seine elektronischen Glückwunsch-Mitteilungen zu lesen: Es werden bis zum nächsten Morgen 100 Mails und 40 gesprochene Nachrichten sein. Die Anruffunktion seines Handys hat der künftige Bürgermeister von Schonungen längst schon ausgeschaltet. Zu viel Trubel.

Selbst Stunden nach dem überraschenden Wahlsieg mit drei Stimmen Vorsprung vor Martin Oßwald (CSU) verströmt Rottmann eine Mischung aus Freude und ungläubigem Staunen. Der Wahlkrimi hat sichtlich an den Nerven gezehrt und hat sich in „unbeschreibliche Freude“ aufgelöst: „Wahnsinn.“ Insgeheim hat er mit einer Niederlage gerechnet, auch wenn seine Anhänger bei der Siegesfeier in der proppenvollen FT-Halle davon sprechen, ein klarer Triumph wäre besser gewesen. In der Hand hält Rottmann eine Flasche Cola-Mix. „Ich hab' schon einen Schnaps getrunken, um herunterzukommen“, beschreibt er seinen Gemütszustand, der immer noch vom Adrenalin dominiert zu sein scheint. Und außerdem: Am Montagmorgen muss er wieder an seinem Schreibtisch in der VR-Bank sitzen; der Vorstand hat sich angekündigt.

Eine Menge Medienvertreter auch, denn die Nachricht vom jüngsten hauptamtlichen Rathauschef der Republik macht die Runde im Land und weckt Begehrlichkeiten. Der Montag wird nochmals ein anstrengender Tag voller Interviews und Posen vor Kameras. Im FT-Saal baut jemand einen Beamer und eine Leinwand auf: Das Fernsehteam, das den Siegesjubel im Rathaus aufgenommen hat, soll eine Sequenz für die ARD-Tagesthemen produziert haben. Das soll der Feier das Sahnehäubchen aufsetzen. Doch die Fernsehmacher haben Rottmann aus dem Programm gekickt.

Immerhin findet der Wahlsieger Zeit für eine Analyse. Ausschlaggebend war unbestritten, dass es dem 25-jährigen Sozialdemokraten gelungen ist, vier Ortsteile, die als konservativ gelten, auf seine Seite zu ziehen. „Das war überall dort, wo ich zuletzt noch Veranstaltungen gemacht habe“, sagt Rottmann in der Gewissheit, damit doch noch Unentschlossene von sich überzeugt zu haben. Er berichtet von einem Bürger, mit dem er sich vor wenigen Tagen eine Dreiviertelstunde in dessen Wohnzimmer unterhalten hat: „Er ist nach 30 Jahren erstmals wieder zur Wahl gegangen“, sagt Rottmann strahlend. Am Tisch nebenan singen alte SPD-Haudegen: „So ein Tag, so wunderschön wie heute.“

Das Kontrastprogramm hat zuvor im Sitzungssaal des Rathauses die lokale Führungsriege der CSU geliefert, die mitansehen musste, wie ihr Kandidat Oßwald während der Auszählung fast immer hinten lag und dann mit jenen drei Stimmen Unterschied verlor. „Das ist bitter“, sagt CSU-Kreischefin Anja Weisgerber. Jetzt werde der junge Bürgermeister beweisen müssen, was hinter seinen Ideen steckt. Während mancher CSU-Gemeinderat wie versteinert wirkt, behält der enttäuschte Martin Oßwald, dem Weisgerber einen äußerst engagierten Wahlkampf bescheinigt, an der Seite seiner Frau die Contenance. Sagt aber auch, dass er sich komplett aus der Politik zurückziehen will. „Ich habe jetzt viel Zeit für meine Familie und meinen Enkel.“

Im FT-Saal sind die Flaschen mit dem roten Rotkäppchensekt weitgehend geleert. Das Party-Publikum hält sich nun an Gerstensaft aus Hausen und deftige Brotzeit. Viele junge Leute sind zu sehen. Sie an die Wahlurnen gebracht zu haben, wertet Rottmann als sein Verdienst.

Zur gleichen Zeit flimmern in den Wohnstuben die Tatort-Stars Boerne und Thiel über die Mattscheibe. SPD-Landeschef Florian Pronold loggt sich bei Facebook ein und schreibt: „Der beste und schönste Krimi heute Abend. In der Hauptrolle: Stefan Rottmann. Drehort: Schonungen.“

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