Schweinfurt

DGB fordert faire Löhne für alle Beschäftigten

In der Stadt Schweinfurt und im Landkreis mussten im Dezember 2019 zum Stichtag 622 Personen trotz einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zusätzlich aufstockende Leistungen vom Jobcenter in Anspruch nehmen, um über die Runden zu kommen – weil ihr Einkommen fürs Leben nicht ausreichte. Das geht aus einer Auswertung des DGB der Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor.

Jeder Vierte, der zusätzliche Leistungen erhielt, hatte sogar einen Vollzeitjob. „Vollzeit zu arbeiten und trotzdem zum Amt zu müssen, ist für viele Beschäftigte entwürdigend“, erklärt Frank Firsching, Regionsgeschäftsführer des DGB in Unterfranken in einer Pressemitteilung. „Der Staat wird dabei als Lückenbüßer für niedrige Löhne missbraucht“, so Firsching weiter.

Zunehmend gingen Arbeitgeber dazu über, Arbeitsplätze nur noch in Form von atypischer Beschäftigung anzubieten, also zum Beispiel in Teilzeit, Minijobs oder Leiharbeit. Dies erhöhe für die Arbeitgeber die betriebliche Flexibilität, führe aber dazu, dass noch mehr Beschäftigte nicht von ihrem Einkommen leben könnten und zu einem Anstieg derer, die auf Grund des Teilzeitjobs Hilfe durch das Jobcenter beantragen müssten.

371 Beschäftigte in Teilzeitjobs waren in Schweinfurt Stadt und im Landkreis am Ende des vergangenen Jahres davon betroffen, so der Gewerkschaftsbund. „Vor allem bei unfreiwilliger Teilzeit ist das für die Betroffenen bitter, sie wollen mehr arbeiten, dürfen aber nicht. Dieser Trend muss gestoppt werden“, wird Firsching zitiert.

Besonders hoch sei die Aufstockungsquote auch bei Minijobs als Hauptbeschäftigung. Es sei inzwischen nachgewiesen, dass Minijobs nicht geeignet seien als Brücke in existenzsichernde Vollzeitbeschäftigung. Sie bieten viele Fehlanreize, die verhinderten, dass Betroffene dauerhaft aus dem Hartz-IV-System herauskommen, heißt es in der Pressemitteilung. 378 Minijobber mussten aufstockende Leistungen in Anspruch nehmen, so der DGB.

„Das überholte Minijobmodell muss deswegen beendet werden. Spätestens in der nächsten Legislaturperiode muss dies auf die Agenda der Bundesregierung“, so Martin Schmidl, Vorsitzender des DGB-Kreisverbands Schweinfurt in der Pressemitteilung. Der DGB fordere deshalb: „Wer arbeitet, der soll auch sich und seine Familie davon versorgen können, und zwar jetzt und auch im Alter. Die Bundesregierung muss jetzt alles dafür tun, den Niedriglohnsumpf trocken zu legen. Das heißt, der Mindestlohn muss endlich rauf auf 12 Euro“, wird Schmidl zitiert. 

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