GEROLZHOFEN

Diagnose: krippaler Infekt

Der leidenschaftliche Krippen-Sammler Bruno Steger lädt ein in sein Kripperles-Stübla.

  Wenn man sieht, mit welch großer Begeisterung und mit welch leuchtenden Augen Bruno Steger über seine große Privatsammlung von Krippen aus aller Welt spricht, dann fällt die Diagnose leicht. Ganz klar: Dieser Mann hat sich mit dem Krippe-Virus infiziert.

Nun hat sich der pensionierte Berufsschullehrer, vielen bekannt als früherer Darsteller der Gerolzhöfer Symbolfigur Markgraf Gerold, einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Nachdem seine Kinder von daheim ausgezogen sind und eigene Familien gegründet haben, hat er in drei freien Zimmern in seinem Wohnhaus in der Saarstraße 7 ein Kripperles Stübla eingerichtet, ein schmuckes Privatmuseum, in dem rund 30 große und kleine Weihnachtskrippen unterschiedlichster Herkunft gezeigt werden. Ein Besuch lohnt sich.

Wenn man gemeinhin von Krippen spricht, meint man in der Regel die klassische Weihnachtskrippe, die szenische Darstellung der bekannten Geschichte rund um den Stall von Bethlehem. Doch dies greift zu kurz. Es gibt auch Krippen, die schon bei der Verkündigung des Engels an Maria beginnen oder bei der Herbergssuche von Josef und der schwangeren Gottesmutter. Andere Krippendarstellungen haben gar die Leidensgeschichte zum Thema, es gibt Osterkrippen oder Darstellungen mit Motiven aus den Erzählungen des Alten Testaments.

Seinen Sammel-Schwerpunkt hat Bruno Steger auf die Weihnachtskrippen gelegt. Als kleiner Bub hat er erlebt, wie sein Vater eine Krippe gebaut hat. Das hat ihn angesteckt, ihn regelrecht infiziert. Zwischenzeitlich galt seine Liebhaberei zwar einige Jahre dem Bau von Modelleisenbahnen, ehe der alte krippale Infekt in ihm wieder ausbrach. Bruno Steger besuchte mit seiner Frau Gisela damals den Bamberger Krippenweg und da war ihm klar: „So was kann ich auch bauen.“

Immer auf der Pirsch

Mehrere hundert Krippen aus aller Herren Länder besitzt er inzwischen. „Die genaue Zahl kenne ich selbst nicht“, schmunzelt er. Bei Flohmärkten, Wohnungsauflösungen, bei Internetauktionen oder bei Fachtagungen von Krippenfreunden aus Bamberg und ganz Bayern – immer ist der leidenschaftliche Sammler auf der Pirsch nach einzelnen Figuren oder kompletten Darstellungen. Im Laufe der Jahre hat er in seinem Fundus die unterschiedlichsten Krippen zusammengetragen, von der Miniaturkrippe in der Nussschale bis hin zur Darstellung des Weihnachtsgeschehens in großen, selbst gebauten Dioramen mit Motiven aus der Gerolzhöfer Altstadt.

Diese beeindruckenden Dioramen bilden das Herzstück der neuen Dauerausstellung. Stegers Schwiegersohn ist Schreiner, einer, der sein Fach versteht. Er hat dem Schwiegervater mehrere große Vitrinen in die Ausstellungszimmer auf den Millimeter genau eingebaut. Im Lichte moderner LED-Beleuchtung kommen nun die von Bruno Steger geschaffenen Prunkstücke in den leicht abgedunkelten Räumen bestens zur Geltung. Es ist eine regelrechte Krippen-Inszenierung.

Zu sehen ist beispielsweise eine Krippe, die in eine aus Deruta (Umbrien) mitgebrachte Amphore eingebaut ist. Oder eine große, aus Wurzeln gestaltete Landschaft, in der sich die unterschiedlichsten Krippenfiguren auf mehreren Ebenen zeigen. Eine besonders hübsche Idee: In einem Guckkasten können Kinder neun verschiedene gefaltete Krippen entdecken, wenn sie an einem Rad drehen.

Krippen mit Stuckrahmen

Mehreren bunte Papierkrippen hat Steger im wahrsten Sinn des Wortes einen neuen Rahmen gegeben: Auf Flohmärkten hat er ausrangierte Stuckrahmen von Gemälden erworben, sie restauriert und dann flachen Schaukästen vorgeblendet, in denen sich nun das Geschehen abspielt.

Wer Zeit und Muße hat, kann besonders beim Betrachten der einzelnen Dioramen mit den Motiven aus Alt-Gerolzhofen viele liebevoll gestaltete Details erkennen. Anhand alter Ansichtskarten und Fotografien hat Bruno Steger ganze Gebäudeensembles mit großem Bastler-Geschick nachgebaut. Die Türme der Stadtbefestigung – zum Beispiel der Bibraturm oder das längst abgerissene Spitaltor – bestehen aus einer hölzernen Unterkonstruktion, auf die Spachtelmasse aufgebracht wird. In die noch feuchte Masse werden dann die Steinfugen geritzt oder – wenn das Material schon trocken ist – mit einer kleinen Fräse herausgearbeitet. Dann wird Stein für Stein, Fuge für Fuge in stundenlanger Arbeit naturgetreu farblich gefasst. Die alten Hausfassaden haben tatsächlich Fachwerk aus Echtholz, die Gefache dazwischen sind mit speziellem Krippenmörtel verputzt.

Auch die Dacheindeckungen sehen den alten Biberschwanzziegeln täuschend ähnlich. Bruno Steger verwendet dafür die beiden Enden von Holzspateln, wie man sie von der Halsuntersuchung beim Hausarzt kennt („Sagen Sie mal aaah!“). Hunderte solcher Biberschwänze hat der Krippenbauer einzeln bemalt, ab und zu sogar den einen oder anderen absichtlich beschädigt. Schließlich sind die Dächer der Türme und Häuser im Original ja auch nicht makellos. Realistischer geht es kaum. Wahre Meisterwerke des Modellbaus. Die Szenen werden belebt durch Figuren, für deren Ausstaffierung und Bekleidung Stegers Ehefrau Gisela zuständig ist.

Krippen wurden gesegnet

Am vergangenen Freitag erteilten die Pfarrer Stefan Mai und Jean-Pierre Barraud dem Museum im Rahmen einer kleinen, aber sehr feierlichen Andacht den kirchlichen Segen. Stefan Mai sagte, die Menschen versuchten schon seit alters her, mit dem Aufbau von volkstümlichen Krippen das Geschehen aus dem fernen Heiligen Land heim in die gute Stube zu holen. So eine Krippe könne gerade heutzutage für Kinder eine große Orientierungshilfe sein in dem ganzen Weihnachtsspektakel mit seinen vielen rotgekleideten Fantasiefiguren.

Begeistert zeigte sich auch Bürgermeister Thorsten Wozniak. Leider würden heutzutage in vielen Familien frühere Weihnachtsbräuche verloren gehen. Früher sei es üblich gewesen, die Bescherung an Heiligabend mit einer gewissen Zeremonie zu verbinden: erst gemeinsames Liedersingen, dann das Vorlesen der Weihnachtsgeschichte, das Betrachten der Krippe und erst dann das Öffnen der Geschenke. Heutzutage sei es aber weit verbreitet, dass Kinder zuhause überhaupt keine Weihnachtskrippen mehr haben. Vielleicht, so hofft Wozniak, sorge Stegers Krippen-Ausstellung dafür, dass sich wieder mehr Leute auf diesen alten Brauch einlassen.

Besuche im Kripperles Stübla können vereinbart werden unter Tel. (0 93 82) 88 89 oder per Mail an bruno-steger@web.de

Fernsehübertragung: Am Montag, 2. Dezember, ist das Bayerische Fernsehen im Kripperles Stübla. In der Sendung „Frankenschau aktuell“ ist zwischen 17.30 und 18 Uhr eine siebenminütige Live-Schaltung nach Gerolzhofen geplant.

Geschichte der Krippendarstellung

Die älteste Krippendarstellung (Ochs, Esel und das Kind) stammt aus dem dritten Jahrhundert. Der heilige Franz von Assisi (1181-1226) zelebrierte erstmals im Jahr 1223 zu Weihnachten mit lebenden Tieren und Menschen eine Krippenfeier. In Frauenklöstern fand dann das so genannte Kindleinwiegen statt, ehe die Reformation diese Krippenspielerei verbot. Die Jesuiten sollen im Jahr 1562 im Zuge der Gegenreformation erstmals in Prag in der Kirche eine Krippe mit Figuren aufgesellt haben, bald folgten zum Beispiel München (seit 1570) und Altötting (erstmals im Jahr 1601).

In Gerolzhofen wird erstmals im Jahr 1671 eine Weihnachtskrippe in der Kirche schriftlich erwähnt: Der einheimische Schreiner Hans Berengloha und sein Sohn, die regelmäßig auch mit dem Auf- und Abbau des Heiligen Grabes in den Kartagen betraut werden, bauen in der Pfarrkirche die Krippe auf. Schon damals wird auf der Einnahmenseite der entsprechenden Gotteshausrechnung das „Opfergeld in das Krippelein“ verbucht. Es gab also – so wie heute auch noch – ein kleines Opferkästchen neben der Krippe. (kv)

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