Schweinfurt

Die Fachkräfte von morgen basteln am Formel-1-Auto

Manchmal muss Martin Hausner, der Trainer von Autodesk, helfend eingreifen, wenn es mit der Konstruktion des Rennwagens nicht mehr weitergeht.
Foto: Ursula Lux | Manchmal muss Martin Hausner, der Trainer von Autodesk, helfend eingreifen, wenn es mit der Konstruktion des Rennwagens nicht mehr weitergeht.

Es ist heiß im Computerraum des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums. Und das liegt nicht nur an den über 20 Computern, die da seit acht Stunden laufen. Auch bei den Jugendlichen zwischen 16 und 18 raucht so mancher Kopf. „Wir konstruieren ein Formel-1-Auto“, erklärt Yvonne (16). Die Karosserie ist bereits fertig, jetzt wird das Dach geformt.

„Symmetrie ist wichtig“, mahnt Martin Hausner, der Trainer von Autodesk, einem Software-Unternehmen für digitales 2D- und 3D-Design, der die Jugendlichen bei der Konstruktion anleitet.

Die Gründer des Projekts kommen aus der Wirtschaft

„Das sind die Fachkräfte von morgen“, erklärt Johannes Brattke. Er betreut die Schüler, die aus ganz Deutschland kommen, während des zweitägigen MINT-EC-Camps zum Thema Formel 1. MINT-EC ist das nationale Excellence-Netzwerk von Schulen mit Sekundarstufe II und ausgeprägtem Profil in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Es wurde im Jahr 2000 von den Arbeitgebern gegründet und arbeitet eng mit deren regionalen Bildungsinitiativen zusammen. „Definitiv lässt sich feststellen, dass Schüler, die bei solchen Projekten mitmachen, auch später beruflich in den MINT-Bereich gehen“, weiß Brattke.

Anna (16) ist eine davon, sie hat sich für das MINT-Zertifikat angemeldet, eine Auszeichnung, die Abiturienten verliehen wird, die sich über ihre gesamte Schullaufbahn hinweg über den Unterricht hinaus im MINT-Bereich engagiert haben. 40 Punkte muss sie dafür erreichen, das Camp bringt ihr fünf davon. Das Zertifikat wird von der Kultusministerkonferenz anerkannt und ist eine zusätzliche Qualifikation. „Ich hoffe halt, es nützt“, sagt Anna, die einmal Medizin studieren will. Sie meint: „Ist ja jetzt nicht so viel Aufwand, da mach ich halt mit.“

Bundesweit sind 266 Schulen im Netzwerk

Im Netzwerk MINT-EC sind derzeit bundesweit 266 Schulen mit rund 287 000 Jugendlichen und 22 500 Lehrkräften. Die treibende Kraft im Alexander-von-Humboldt-Gymnasium ist Oberstudienrat Frank Baier. Nach zwei Jahren Anwartschaft ist die Schule seit 2015 Vollmitglied bei MINT-EC. „Wir haben eine lange Wettbewerbstradition bei ,Jugend forscht‘ und die einzige ,Junior-Ingenieur-Akademie‘, außerdem wählen 85 Prozent unserer Gymnasiasten den naturwissenschaftlich-technischen Zweig“, erklärt Baier. Eine Steilvorlage also für das Label MINT-EC-Schule.

Vor einem Jahr beim MINT 100 kam dann die Idee auf, im AvH-Gymnasium ein solches Camp zu veranstalten. „Es gibt ohnehin zu wenig Camps und wir haben hier ja alles vor Ort“, begründet Baier, und in der Stadt der Automobilzulieferer liegt ja auch nichts näher, als ein solches Automobil in Angriff zu nehmen. Und so sitzen nun 20 Jugendliche, männlich und weiblich paritätisch besetzt, im Computerraum, konstruieren ein Rennauto, testen es in einem virtuellen Windkanal und drucken Fahrzeugbauteile mit einer 3D-Software aus.

Formel 1 ist am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium fast schon so etwas wie Alltag

Das Thema Formel 1 ist für die Schule nicht neu. Schülerteams des Gymnasiums nehmen regelmäßig erfolgreich am Wettbewerb „Formel 1 in der Schule“ teil. In diesem Jahr wurde die Fast Tech Crew der Schule sogar Deutscher Meister und im Augenblick fiebert die ganze Schulfamilie dem Ergebnis des internationalen Wettbewerbs entgegen, denn ein Team der Schule kämpft in den USA um den Weltmeistertitel.

Bei ZF Friedrichshafen besuchen Jugendliche die Werkstatt des weltweit drittgrößten Automobilzulieferers. Dort werden Kolben, Bodenventile und Dämpfer von Fahrzeugen in Originalgröße montiert und getestet. Außerdem werden die Schüler über ein mögliches duales Studium bei der ZF Friedrichshafen informiert.

Zum Höhepunkt des Tages geht es auf die Rennbahn

Die Ergebnisse ihrer unterschiedlichen Workshops dokumentieren die Schüler, um sie dann mit den Mitgliedern des „Formular Student-Teams“ der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt zu diskutieren. Die Studenten zeigen auch ihre selbstkonstruierten Rennwagen und informieren über ihre Studiengänge.

„Es macht Spaß“, sagt Miriam (18), obwohl sie auch ein bisschen Bauchweh hat. Im Mai macht sie Abitur und „verpasst jetzt doch viel“. Aber sie wird's brauchen können, wenn sie Mathe und Physik fürs Lehramt studiert.

Der Höhepunkt des ersten Tages am AvH-Gymnasium: Die Campteilnehmer durften auf der schuleigenen Rennbahn die bereits fertigen Fahrzeuge der Fast Tech Crew testen und selbst ins Rennen schicken. Dabei war vor allem die Reaktionsgeschwindigkeit gefragt und nach acht Stunden Konstruktionsarbeit kamen auch der Spaß und das Spielerische wieder zum Zug.

Mit bis zu 80 Stundenkilometer rasen die kleinen Formel-1-Flitzer über die schuleigene Rennbahn. Für die Campteilnehmer geht es jetzt um Reaktionsgeschwindigkeit.
Foto: Ursula Lux | Mit bis zu 80 Stundenkilometer rasen die kleinen Formel-1-Flitzer über die schuleigene Rennbahn. Für die Campteilnehmer geht es jetzt um Reaktionsgeschwindigkeit.
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