SCHWEINFURT

Die sterbende Kunst des Scharfrichters

Hanns Peter Zwißler hat einen neuen Roman vorgelegt: „Die Kunst des Scharfrichters und der Nutzen des Schafotts“. Zentrale Figur ist David Samson, Scharfrichter in der französischen Provinz zur Zeit der Revolution. Samson entstammt einer alten Familie von Scharfrichtern. Noch sein Vater war „ein Meister der peinlichen Tortur, ein Herr der Fleischzangen und des siedenden Öls“.

Aber die Gerechtigkeit ist längst lau geworden. Samsons Job beschränkt sich mittlerweile auf das Wesentliche: Das saubere Abtrennen des Kopfes vom Körper. Das aber ist ein ehrbares Handwerk, das ausüben zu dürfen Samson stolz ist. Niemals würde er eine seiner Töchter etwa dem Sohn des Abdeckers zur Frau geben. Doch die Tage der Ständegesellschaft sind gezählt und mit ihnen die des Scharfrichter-Berufs. Nicht etwa, weil keine Todesurteile mehr verhängt würden, schließlich ist das Zeitalter der Vernunft angebrochen.

Aber „Vernunft“ kann auch etwas Eiskaltes sein, und so rollen in der Revolution die Köpfe schneller als jemals zuvor. Nur, dass dies nicht mehr der Scharfrichter mit dem Schwert besorgt, sondern die Guillotine, die Köpfmaschine, die jeder Dilettant bedienen kann. „Die Kunst des Scharfrichters“ handelt von der Auflösung von Gewissheiten, wie sie Umbrüche immer mit sich bringen. Die Geschichte hat durchaus etwas Parabelhaftes, Zwißler hatte anfangs eine ganz andere Revolution im Kopf: die des Digitaldrucks, die unzählige Berufe überflüssig gemacht hat.

Und so stellt er vor authentischem historischem Hintergrund, mit lebendig gezeichneten Figuren und nicht zuletzt mit liebevoll, sorgfältig und treffend eingesetzter Sprache Fragen nach Loyalität und Integrität, wie sie auch uns Heutige jederzeit treffen können.

Das Buch ist im Würzburger Verlag Königshausen & Neumann erschienen und kostet 18 Euro. Hanns Peter Zwißler liest daraus am 19. Oktober, 19.30 Uhr in der Buchhandlung Vogel in Schweinfurt.

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