Schweinfurt

Die Tütchen mit Haschisch standen auf der Theke

Ehemaliger Gastwirt besserte mit Rauschgift-Geschäften seinen Umsatz auf und finanzierte die eigene Sucht.
Bewährung für einen ehemaligen Gastwirt, der Umsatzeinbußen nach dem Abzug der Amerikaner mit Rauschgift-Geschäften über die Theke ausgleichen wollte.
Bewährung für einen ehemaligen Gastwirt, der Umsatzeinbußen nach dem Abzug der Amerikaner mit Rauschgift-Geschäften über die Theke ausgleichen wollte. Foto: Oliver Berg

Umsatzeinbußen nach dem Abzug amerikanischer Soldaten aus den Ledward  Barracks hat  ein ehemaliger Gastwirt (56) mit Rauschgift-Geschäften über die Theke ausgeglichen. Er kam jetzt, Jahre später, mit einem blauen Auge davon: Die  1. Große Strafkammer des Landgerichts verurteilte ihn  unter anderem wegen bewaffnetem Handel  mit Betäubungsmitteln zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Die wird allerdings für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, weil sich  inzwischen im Leben des Ex-Wirts – so die Vorsitzende Richterin Dr. Angelika Drescher – viel geändert hat.

Tatort war eine Gastwirtschaft, aber keine, so ein Prozessbeteiligter, die der brave Schweinfurter am Sonntag mit Frau und Kindern zum Mittagessen aufgesucht hätte.  Der Verteidiger des Angeklagten, der Würzburger Anwalt Stefan Wagner, in Schweinfurt aufgewachsen, versicherte, dass er nie drinnen war. Die Gäste rekrutierten sich lange Zeit überwiegend aus US-Soldaten, das Geschäft lief vor allem  in der Nacht.  Bei  einer Razzia im Juli 2017 mussten die Polizeibeamten nicht lange suchen, denn auf der Theke stand für jeden Gast sichtbar, ein Behälter mit 15 Tütchen. Der Inhalt war nicht Ketchup oder scharfer Senf, sondern Haschisch und zwar genau ein Gramm im Druckknopf-Tütchen. In Reichweite griffbereit Waffen hinter der Theke:  ein Samurai-Schwert, ein Ein-Hand-Messer und ein Teleskop-Schlagstock  vermittelten den Eindruck,  dass hier recht professionell "gearbeitet" wird.

Gericht: Samurai-Schwert  war mehr als nur ein Wandschmuck

Warum das Schwert  mit scharfer Spitze an der Theke angelehnt dastand,  konnte der Angeklagte  sich vor Gericht angeblich auch nicht mehr erklären, denn eigentlich sei es zur Dekoration an der Wand angebracht gewesen. Das Messer und den Schlagstock habe er mal nach einer Schlägerei vor dem Lokal eingesammelt und  im Thekenbereich abgelegt. Für den Tatbestand des bewaffneten Handelns mit Betäubungsmitteln hat das Gericht von der Anklage abweichend nur das Samurai-Schwert herangezogen. Man könne nicht ausschließen, dass das Ein-Hand-Messer zu gastronomischen Zwecken verwendet wurde und  der Teleskop-Schlagstock  habe sich nicht mehr zusammenschieben lassen.

Sprachliche Missverständnisse waren angeblich der Grund dafür, dass  zum Rauschgift-Handel recht widersprüchliche Angaben gemacht wurden: Er  habe Verluste aus der Kneipe ausgleichen, später, er habe seinen privaten Drogenkonsum damit finanzieren wollen, sagte der Angeklagte. Einmal schätzte er seinen Kundenkreis beim Drogenhandel auf 15 bis 20 Leute, später bestritt er den Handel und sagte, er habe nur Stoff fürs Zusammensitzen mit guten Bekannten besorgt. Abhängig sei er geworden, weil er sich mit Amphetamin in der Kneipe nachts wach hielt und später Haschisch benötigte, "um wieder runter zu kommen" und schlafen zu können.

Bei der Durchsuchung waren in der Gastwirtschaft neben den Haschisch-Tütchen auf der Theke auch über 100 Gramm Marihuana und kleinere Mengen Amphetamin sichergestellt worden, einige Monate später nochmal eine größere Menge Amphetamin. Berücksichtigt hat das Gericht, dass der Angeklagte aus eigener Kraft aus dem Drogenkonsum ausgestiegen und seit knapp zwei Jahren, durch Untersuchungen belegt, "sauber" ist. Damit das so bleibt, wird er während der Bewährungszeit sechsmal im Jahr kurzfristig, auf seine Kosten, zur Urinprobe vorgeladen.

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