WIESENTHEID

Die übliche Watschn blieb aus

Georg Fahrenschon (rechts), Präsident des Deutschen Sparkassenverbandes, beim politischen Aschermittwoch des CSU-Kreisverbandes in Wiesentheid mit Bürgermeister Werner Knaier.
Foto: Stöckinger | Georg Fahrenschon (rechts), Präsident des Deutschen Sparkassenverbandes, beim politischen Aschermittwoch des CSU-Kreisverbandes in Wiesentheid mit Bürgermeister Werner Knaier.

Sie sind meistens der Angriffspunkt, die Zielscheibe der CSU beim Politischen Aschermittwoch. Die Roten von der politisch anderen Seite. Diesmal, bei der Veranstaltung des Kreisverbandes in Wiesentheid, nahm sich Georg Fahrenschon erst ganz am Ende seines Besuchs in der Steigerwaldhalle die Roten vor. Der einstige bayerische Finanzminister und Hoffnungsträger der Christ-Sozialen holte allerdings nicht zur großen Attacke auf die SPD aus. Er verspeiste sie.

Genüsslich nahm der 45-jährige Oberbayer aus Neuried bei München, der seit zwei Jahren Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes ist, die kleinen roten Erdbeeren aus der Gemüsekiste. Diese hatte ihn der Kreisvorsitzende Otto Hünnerkopf als Präsent überreicht. Herzförmige Gurken und allerlei schmackhaftes Grünzeug befand sich in der Steige, die ihn an den Besuch im Wein- und Gartenbaulandkreis erinnern soll.

Zuvor hatte Fahrenschon gut eine Stunde zu den rund 400 Besuchern gesprochen. Dabei blieben die oft üblichen, deftigen verbalen Attacken an die Konkurrenz aus, obwohl ja das große Wahljahr 2013 bereits begonnen hat. In seiner Begrüßung hatte der Kreisvorsitzende Hünnerkopf bereits angekündigt, dass Fahrenschons Vortrag „eher für Sachlichkeit und weniger für Polarisation“ ausgelegt sei. Im Publikum saßen diesmal wohl mehr Vertreter der lokalen, wie regionalen Kreditinstituten, als sonst, die gespannt den Ausführungen des Finanzexperten lauschten.

Der Gast verneigte sich zunächst verbal vor dem im Publikum weilenden Ex-Wirtschaftsminister und CSU-Größe Michael Glos, den er als meinen „politischen Lehrmeister“ bezeichnete. Hinterher tauschten sich beide recht angeregt einige Zeit aus.

Zuvor hatte Fahrenschon zum Thema „Deutschland und der Euro - damit 2013 ein Erfolgsjahr wird“, einen optimistischen Ausblick auf die kommenden Monate geliefert, was vor allem die Wirtschaft im Land betrifft.

An drei Säulen machte Fahrenschon die Stärken Deutschlands fest. Als da wäre die Dezentralität, zu der er ein Bekenntnis ablegte. Er hob den Föderalismus hervor, die Vielfältigkeit des Landes. Föderalismus heiße, „dass wir unsere Gesellschaft dezentral organisieren“. Die Infrastruktur Deutschlands sei auch dadurch stabiler, man komme nicht so schnell ins Wanken, wie andere Nationen.

Zudem hielt er die Unterstützung des Mittelstandes und der Familienbetriebe, wie auch die funktionierende Kreditversorgung, für fundamental. Er, so Fahrenschon, sei „der festen Überzeugung“, dass 2013 besser werde für die Wirtschaft, weil die Ausgangsposition für den Mittelstand besser sei. Überhaupt brach er eine Lanze für die mittelständischen Betriebe, die dank einer gesunden Basis bald wieder investieren könnten.

Breiten Raum nahm weiter das Thema Europa in den Ausführungen des Wirtschaftsfachmanns ein. Europas Stärke sah er „in der Vielfalt, nicht in der Einheit“. Fahrenschon stellte außerdem die Rolle der Europäischen Zentralbank heraus, die gerade in den letzten drei Jahren viel zur Minderung und schnellen Überwindung der Staatsschulden beigetragen habe. Unabdingbar sei die Neutralität, sowie die Unabhängigkeit der Zentralbank, was er „als höchstes Gut“ bezeichnete, das von niemanden angeprangert werden dürfe.

Eine Kontrollfunktion hielt Fahrenschon in dem Zusammenhang für wichtig. Jemand müsse darauf achten, dass in Europa „niemand den anderen über den Tisch zieht. Wir brauchen neben dem Wettbewerbs-Kommissar auch einen Währungskommissar“. Dieser solle mit entsprechenden Rechten und Pflichten ausgestattet sein und die Einhaltung der Regeln auch durchziehen.

Für Europa wären bessere Mechanismen notwendig, um die 27 Nationen zu koordinieren. Mehr Demokratie, mehr Kontrolle und Transparenz, man müsse den Menschen „erklären, warum wir die Kompromisse haben“, wünschte sich jedenfalls Fahrenschon. Subsidiarität, Vernetzung im Kleinen, von Familien und Gemeinden bis zu Nationen, das hielt der Finanzfachmann neben einer starken Währung für die Erfolgsformel, die 2013 zu einem guten Jahr machen könne. Am Beifall war zu hören, dass die Worte des einstigen Ministers ankamen in der Steigerwaldhalle. Auch ohne verbale Watschen für die politischen Gegner.

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