Schweinfurt

Dieb wollte Polizisten mit Lügen reinreiten

"Falsche Verdächtigung" nennt sich eine Lüge, die jemandem schaden soll. Die hat ein chronischer Rechtsbrecher gegen mehrere Polizisten vorgebracht. Mit wenig Erfolg.
Ein Dieb beschuldigte Polizisten, ihn geschlagen zu haben. 'Erstunken und erlogen', wie sich herausstellte. Dafür wurde seine schon bestehende Haftstrafe nun aufgestockt.
Foto: Oliver Berg | Ein Dieb beschuldigte Polizisten, ihn geschlagen zu haben. "Erstunken und erlogen", wie sich herausstellte. Dafür wurde seine schon bestehende Haftstrafe nun aufgestockt.

Ende Oktober 2018: Die Wernecker Autobahnpolizei kümmert sich um einen Pannen-Pkw, der auf der A 71 liegen geblieben ist. Wegen Benzinmangel, sagt der Fahrer, ein 44-jähriger tschechischer Kfz-Mechaniker. Den Polizisten kommt schnell einiges spanisch vor. Der Mann hat keinen Ausweis dabei, hat Schweißausbrüche und scheint unter Drogeneinfluss zu stehen. Und: Das Motorrad auf der Ladefläche des Pkw ist gestohlen, wie sich herausstellt.

Verfahren gegen die Beamten 

Die Beamten nehmen den Mann mit zur Wache. Einen freiwilligen Urintest lehnt er ab. Also wird eine Blutentnahme angeordnet, die ein Arzt auch durchführt. Er erinnert sich, dass der Mann dabei "kooperativ" war. Was der 44-Jährige am Tag darauf bei der Ermittlungsrichterin und später bei einer ausführlichen Vernehmung behauptet, hat erhebliche Folgen für die beteiligten Polizisten. Mitten in der Nacht seien fünf Polizisten in seine Zelle gekommen, hätten ihn festgehalten und gewaltsam Blut abgenommen. Am Morgen sei er auf einen Plastikstuhl gesetzt worden, einer der Beamten habe gesagt, er werde "auch Urin aus ihm prügeln". Und: Er habe zwei, drei Ohrfeigen bekommen, sei vom Stuhl gefallen, und ein Polizist habe ihm mit dem Fuß gegen die Schulter getreten.   

Die Folge: Gegen die Beschuldigten wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt eingeleitet. Gegenüber einer Beamtin des LKA, die in dem Verfahren gegen die Kollegen ermittelte, wiederholte der 44-Jährige die Vorwürfe, wie sie nun als Zeugin vor dem Schöffengericht Schweinfurt sagt. Der Mann – wegen Diebstahlverdachts in Untersuchungshaft –  habe sich aber gewundert, dass seinen Anschuldigungen überhaupt nachgegangen wird. Klares Ergebnis der Ermittlungen: Die Vorwürfe des 44-Jährigen sind falsch. Die Ermittlungen werden im Mai letzten Jahres mangels begründeten Verdachts eingestellt. Jetzt hat allerdings er ein Verfahren wegen falscher Verdächtigung am Hals – ein weiteres.

In der Heimat 20 Vorstrafen

Wegen vier Einbruchdiebstählen in Deutschland wurde der gelernte Mechaniker bereits zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten verurteilt, plus Unterbringung in einer Entziehungsanstalt wegen seiner Drogensucht. Doch die Therapie hat er längst abgebrochen, weil er nicht wunschgemäß in eine Einrichtung näher an seiner tschechischen Heimat verlegt wurde. "Eine Therapie ist kein Wunschkonzert", sagt ihm der Vorsitzende Richter.

In Tschechien hat der Mann ein Vorstrafenregister mit 20 Einträgen, die meisten wegen Einbrüchen, Diebstählen, Drogendelikten und vielem mehr. Gewaltanwendung gegen Amtspersonen brachte ihm allein elf Jahre Knast ein, aber auch Behinderung der Justiz und falsche Zeugenaussagen sind darunter. In diesem Jahrtausend war der Angeklagte öfter hinter Gittern als auf freiem Fuß.

"Erstunken und erlogen"

"Erstunken und erlogen" habe der Angeklagte die Körperverletzungsvorwürfe gegen die Polizisten, sagt der Staatsanwalt. Sein Geständnis habe erhebliche "Anschubhilfe" durch seinen Verteidiger erfordert. Der Staatsanwalt fordert unter Einbeziehung der Haftstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten für die vier schweren Diebstähle eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren.  Der Pflichtverteidiger hält zwei Jahre und sieben Monate für angemessen.

Zwei Jahre und elf Monate lautet das Urteil des Schöffengerichts. Diesmal ohne Unterbringung zur Therapie, weil der Mann ja schon angekündigt hatte, dass er eine solche in Werneck verweigern werde. Also wird er von zwei Polizisten dorthin zurückgebracht, von wo sie ihn vorgeführt hatten: die JVA Würzburg. Gegen das Urteil sind Rechtsmittel möglich. 

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