Gerolzhofen

Diakonie: Digitale Hilfe gegen die Einsamkeit

Immer mehr ältere Menschen fühlen sich durch die zunehmende Digitalisierung beim Umgang mit den wichtigen Dingen des Lebens abgehängt. Ein Pilotprojekt geht das Problem an.
Hilfreiche Apps und passende Einstellungen im Smartphone machen den Alltag und die Bedienung des Geräts einfacher. Mit Smartphone können Ältere in sozialen Netzwerken surfen und so zum Beispiel mit Kindern und Enkeln kommunizieren. Die Diakonie will ein Projekt anschieben, damit die neue Technik gegen Einsamkeit helfen kann.
Foto: Christin Klose (dpa) | Hilfreiche Apps und passende Einstellungen im Smartphone machen den Alltag und die Bedienung des Geräts einfacher.

Die Diakonie plant, in der Region Gerolzhofen ein Pilotprojekt anzuschieben. Es geht um Hilfestellung für ältere Mitmenschen, die zwar noch in ihren eigenen vier Wänden wohnen, "die aber immer mehr abgehängt werden von den wichtigen Dingen des Lebens", wie es Pfarrer Jochen Keßler-Rosa von der Diakonie Schweinfurt umschreibt. "Wir haben eine Idee, die in Gerolzhofen verankert werden soll - gemeinsam mit den Partnern vor Ort." Mit Partnern meint Keßler-Rosa hier beispielsweise die Caritas, die Arbeiterwohlfahrt oder die örtlichen Nachbarschaftshilfen und betont die Absicht, gemeinsam das Ziel zu erreichen. "Wir wollen nicht als Konkurrent antreten." Man befinde sich allerdings noch in der frühen Entwicklungsphase, sagt der evangelische Pfarrer. Demnächst soll ein erstes Treffen mit Entscheidungsträgern aus der Region stattfinden. Auch die wissenschaftliche Begleitung des Projekts durch eine Hochschule ist angedacht.

Die Einsamkeit steigt

Zielgruppe der aktuellen Überlegungen sind nicht die Menschen, die bereits in Pflegeheimen wohnen, sondern quasi "die Stufe davor". Geholfen werden soll Menschen, die gerne noch in ihrem vertrauten Umfeld leben, aber vielleicht inzwischen alleinstehend sind und keine hilfsbereiten Verwandte oder Bekannte in der Nähe haben. Für solche älteren Mitbürger wird es immer schwieriger, ihren Alltag zu meistern, insbesondere weil die Digitalisierung im täglichen Leben immer mehr fortschreitet. Ein Beispiel: "Wenn die Bankfiliale vor Ort schließt, ist es für viele Senioren eine schwierige Frage, wie sie noch an Bargeld kommen können." Hinzu komme, dass gerade bei Menschen, die sich von modernen Entwicklungen abgehängt fühlen, die Einsamkeit steigt, sagt Keßler-Rosa.

Digitale Hilfestellungen

Ziel des Pilotprojekts, das den Arbeitstitel "Ambulant komplett" trägt, werde es deshalb unter anderem sein, erklärt Keßler-Rosa, den Senioren, die es sich nicht selbst zutrauen, die digitale Erneuerung zugänglich zu machen und entsprechende Hilfestellungen zu geben. "Denn nicht jeder hat ein Enkelkind, das bei Online-Sachen helfen kann." Gerade die Digitalisierung biete bei der Versorgung zu Hause, auch schon bevor die Pflegebedürftigkeit eingetreten ist, viele neue Möglichkeiten. Man habe in den Gemeinden der Mainbogen-Allianz schon erste Erfahrungen sammeln können, beispielsweise mit Whatsapp-Gruppen für Senioren, wo sich die Mitglieder jeden Morgen melden, um mitzuteilen, dass bei ihnen alles in Ordnung ist, berichtet Keßler-Rosa. Auch Online-Gymnastikkurse für Seniorinnen und Senioren seien denkbar. 

Ziel des Projektes ist es, modellhaft eine ganzheitliche Versorgung und Sicherheit für das Leben in der eigenen Wohnung zu entwickeln. Unter Nutzung neuer digitaler Technologien sollen die Angebote verschiedenster lokaler Partner gebündelt und koordiniert werden. Zu den Ideen der Diakonie gehört es, dass sich im Raum Gerolzhofen Interessenten zu einem Unterstützungsverein zusammenschließen und dass Räume angemietet werden, um hier einen Stützpunkt zu etablieren. Und schließlich soll auch eine eigene App entwickelt werden, mit der die verschiedenen lokal vorhandenen Dienstleistungen angesteuert werden können. "Aber, wie gesagt, wir sind erst in der Entwicklungsphase", macht Keßler-Rosa klar.

Anschubfinanzierung

Mit beachtlichen 300.000 Euro unterstützt der Freistaat Bayern das Diakonische Werk bei seinem Projektvorhaben. Die Stimmkreisabgeordnete Barbara Becker (CSU) hatte sich nach eigenen Angaben im Vorfeld mit Nachdruck dafür eingesetzt, dass das Projekt des diakonischen Werks im Raum Gerolzhofen tatsächlich realisiert werden kann. Becker bezeichnet das Vorhaben als "Vorzeigeprojekt". Das Geld des Staates ist als dreijährige Anschubfinanzierung gedacht. Damit sollen langfristig die technischen und organisatorischen Voraussetzungen geschaffen werden, damit dann am Ende ein bezahlbares und attraktives bedarfsgerechtes Angebot für die Nutzerinnen und Nutzer zur Verfügung steht. Jochen Keßler-Rosa zeigt sich positiv überrascht über die "Schnelligkeit der Geldzusage".

Bei der Förderzusage für das neue Projekt der Diakonie: (von links)  die CSU-Landtagsabgeordnete Barbara Becker, Pfarrer Jochen Keßler-Rosa, Helmtrud Hartmann und Uwe Kraus von der Diakonie Schweinfurt und der Gerolzhöfer Bürgermeister Thorsten Wozniak.
Foto: René Gold | Bei der Förderzusage für das neue Projekt der Diakonie: (von links)  die CSU-Landtagsabgeordnete Barbara Becker, Pfarrer Jochen Keßler-Rosa, Helmtrud Hartmann und Uwe Kraus von der Diakonie Schweinfurt und der ...

Die Landtagsabgeordnete Becker schreibt in einer Pressemitteilung: "Entscheidend und besonders wichtig ist mir der Koordinationsansatz der bestehenden Angebote. Wir haben in Gerolzhofen und Umgebung viele wunderbare Angebote verschiedenster Träger und Dienstleister. Mit dem Pilotprojekt werden diese gebündelt und übersichtlich dargestellt. Damit schaffen wir es nicht nur, dass Angebot und Bedarf besser zueinander finden, wir stärken im Idealfall auch unsere örtlichen Anbieter dauerhaft." 

Digital fundierte Versorgung

Mit dem neuartigen Konzept der Diakonie werde eine ganzheitliche, digital fundierte Versorgung und Sicherheit für das Leben zu Hause ermöglicht. "Ein wunderbarer Zugewinn für die pflegerische, zukunftsorientierte Versorgung im eigenen Zuhause", so die Abgeordnete. "In der Pflege müssen wir neue Wege gehen und mit ergänzenden Angeboten möglichst gut den Bedarf, die Möglichkeiten und die unterschiedlichen Wünsche nach Unterstützung darstellen. Besonders wichtig ist mir die digitale Komponente des Projekts. Neue Technologien bieten neue Möglichkeiten. Diese sollten wir nutzen."

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