Wipfeld

Diskussionen über Trenching und Barrierefreiheit im Wipfelder Rathaus

Die Digitalisierung Wipfelds stand diesmal im Fokus der Gemeinderatssitzung – mit Diskussionspotential, wie sich zeigte.

Zum Auftakt ging es um die nächsten Verfahrensschritte bei der Breitbandversorgung nach der Bayerischen Gigabitrichtlinie: Die Markterkundung in interkommunaler Zusammenarbeit mit Waigolshausen und Schwanfeld ist abgeschlossen und wurde im Gremium bereits diskutiert. Die derzeit 177 förderfähigen Anschlüsse sind ermittelt und werden je nach Ausbaugebiet in ein beziehungsweise mehrere Lose zusammengefasst.

Im nächsten Schritt wird nun der Netzbetreiber in einem wettbewerblichen Verfahren ausgewählt. Das Problem: Verfügen im Ausbaugebiet weder Gemeinde noch ein am Auswahlverfahren teilnehmender Netzbetreiber über eine nutzbare Infrastruktur (Leerrohre/Speedpipes), werden umfangreiche Tiefbauarbeiten erforderlich. Und das ist teuer. Deshalb werden oft Baumaßnahmen für einen regulären Leitungsverlauf in der Tiefe gerne mit ohnehin anstehenden Sanierungsmaßnahmen kombiniert.

Höhere Folgekosten?

Steht eine solche Maßnahme nicht an, kommt immer häufiger das alternative Verfahren "Trenching" zum Einsatz, bei dem abhängig von der Technik (Nano-, Micro-, Mini- oder Makrotrenching) schmale Schlitze in die Straßenoberfläche gefräst werden, um Glasfaserkabel oder Leerrohre zu verlegen, wie Bautechniker Alexander Luft von der Verwaltungsgemeinschaft Schwanfeld erläuterte.

Im Vergleich zum klassischen Tiefbau wirbt dieses Verfahren mit günstigeren Baukosten und kürzeren Bauzeiten, kam aber bei den wenigsten Räten gut an. Udo Muckenschnabel befürchtete nämlich Schäden an der Straße und höhere Folgekosten, sollte dort später mal saniert werden. Zudem gibt es – trotz prinzipiell positiver Rückmeldungen aus anderen Landkreisgemeinden – keine Langzeiterfahrungen, wie Gabriele Brach wissen wollt. Und auch eine Kostenschätzung ist aktuell nicht möglich; die "Geschichte" laut Brach ein offenes Buch mit vielen Fragen.

Doch auch wenn das Trenching-Verfahren im Gremium für Diskussionspotential sorgte, kann sich eine Gemeinde, wie Luft erklärte, nicht gänzlich dagegen verschließen. Es könne jedoch bei den Auswahlkriterien – wie Stefan Volkmuth nachfragte – neben Wirtschaftlichkeitslücke und Endkundenpreisen auch das technische Konzept für bestimmte Verlegearten festgelegt und gewichtet werden.

Schrittweiser Ausbau denkbar

Laut Bürgermeister Tobias Blesch ermöglicht das Telekommunikationsgesetz (§ 68) grundsätzlich die Verlegung von Leitungen oder Leerrohrsysteme für Glasfaser in geringer Tiefe, auch abweichend von den allgemeinen Bestimmungen für die Benutzung von Straßen durch Leitungen und Telekommunikationslinien.

Möglich wäre es aber laut Bautechniker, schrittweise in Kombination aus Tiefbau und Trenching auszubauen; auch sind im Verfahrensverlauf noch Nachverhandlungen mit den Anbietern möglich. Und auch der Ausstieg aus dem Verfahren – die Hauptsorge im Gremium – ist mit vertraglich geregelter Festlegung zur maximalen Höhe der Wirtschaftlichkeitslücke bis zur Förderantragsstellung möglich.

Abschließend wurde die Gemeinde beauftragt, das Verfahren stufenweise unter Berücksichtigung von "festgelegten Schmerzgrenzen und Ausstiegsszenarien" weiter voranzutreiben und das Gremium regelmäßig über die Fortschritte zu informieren.

Barrierefreiheit im Rathaus

Kontroverse Diskussionen gab es auch bei der geplanten Glasfaseranbindung des Rathauses und der möglichen Schaffung einer barrierefreien, mit Muschelkalk befestigte Gehbahn in der Nikolaus-Müller-Straße.

Knackpunkt war hier die Frage: Lassen sich zwei der wichtigsten Aufgaben des Bürgermeisters (die Barrierefreiheit im Dorf und der Glaserfaserausbau) wirtschaftlich und förderfähig sinnvoll kombinieren? Wie Bürgermeister Tobias Blesch betonte, stelle eine Glasfaseranbindung an das Rathaus und im weiteren Verlauf ein sinnvolles Leerrohrkonzept zukünftige Weichen für die Digitalisierung Wipfelds.

Im Raum standen neben Glasfaseranschluss mit Leerrohrkonzept verschiedene Ausbauvarianten vom langen, barrierefreien Seitenstreifen zwischen Marktplatz und Kembachstraße bis hin zu einem kleinen barrierefrei ausgebauten Teilstück zwischen Rathaus und Unterstellhalle.

Zweigeteilte Abstimmung

So pluralistisch wie die Vorschläge waren auch die Meinungen im Rat und reichten von unwirtschaftlich (Berthold Braun) und Flickenteppich (Gabriele Brach) bis hin zu "lieber ein bisschen, als gar nichts" (Johannes Dittmann) oder Teilschritten mit Glasfaserausbau gleich und späterem Gesamtkonzept via Städtebauförderungsmaßnahme (Markus Schott).

In der abschließenden zweigeteilten Abstimmung wurde bei zwei Gegenstimmen erst der barrierefreie Ausbau eines kleinen Teilstücks der Gehfläche vom Rathaus bis zur Halle als exemplarisches Pilotprojekt beschlossen und diese Entscheidung dann mit einem Votum für den Glasfaserausbau des Verwaltungsgebäudes kombiniert.

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