Schweinfurt

Cannabishandel vor Gericht: "Willst du ein bisschen Geld mit Drogendealen verdienen?"

Ein 22-jähriger verkaufte in Bad Kissingen Marihuana im größeren Stil – bis die Polizei dazwischen kam. Jetzt musste er sich vor Gericht verantworten.
Symbolbild Gericht
Foto: Horst Breunig | Symbolbild Gericht

Das Geld vom Vater hat dem 22-Jährigen aus dem Landkreis Bad Kissingen nicht gereicht, offenbar auch nicht, was er selbst seit Herbst 2019 bei einer Leihfirma verdiente. Da erschloss er sich eine weitere Einkommensquelle. "Willst du ein bisschen Geld mit Drogendealen verdienen?", sei er von Freunden gefragt worden. Er ist drauf eingegangen – jetzt sitzt er vor dem Landgericht Schweinfurt und muss sich wegen Rauschgifthandels verantworten.

Knapp zwei Kilogramm Marihuana bezog der junge Mann im Herbst letzten Jahres von einem Lieferanten aus Nordrhein-Westfalen. Das brachte er unter die Kundschaft im Raum Bad Kissingen, teils auch auch in Kleinstportionen an Minderjährige. Einen Teil davon will der Migrant selbst konsumiert haben. So erzählt er es jedenfalls vor der Großen Strafkammer. Auch Alkohol habe er in dieser Zeit in großen Mengen getrunken. Für beides sieht der psychiatrische Sachverständige allerdings keine Anhaltspunkte. Von Entzugserscheinungen bei seiner Einlieferung in die U-Haft sei jedenfalls nichts bekannt.

Dass er die ersten beiden „Gras“-Lieferungen von dem Dealer in Neuss (Nordrhein-Westfalen) bezogen hat, räumt der Angeklagte ein. Das dritte Kilogramm Rauschgift, das er sich in Frankfurt am Main besorgt hatte, nahm ihm die Polizei ab. Sie stoppte den Leihwagen, mit dem er unterwegs war, am 11. Januar in Bad Kissingen. Die Droge lag im Kofferraum. Zuvor hatten die Beamten von einem anderen bekannten Rauschgifthändler erfahren, dass dieser seine Ware von dem Angeklagten erhielt.

Schreckschusspistole, Einhand- und Scheckkartenmesser

Seither sitzt der 22-Jährige in Untersuchungshaft. Am ersten Verhandlungstag räumt er die Anklage der Staatsanwaltschaft vollständig ein, auch dass ihm die Schreckschusspistole, das Einhand- und das Scheckkartenmesser gehörten, die bei ihm gefunden wurden. Ein Polizeizeuge sagt aus, ein stadtbekannter Kleindealer im Zentralparkhaus von Bad Kissingen habe den Angeklagten als seinen Hauptlieferanten bezeichnet.

Hat etwaiger Alkohol- und Marihuanakonsum des Angeklagten möglicherweise Auswirkungen auf seine Schuldfähigkeit? Seine strafrechtliche Verantwortlichkeit sei  in keiner Weise dadurch beeinträchtigt gewesen, sagt der Gutachter. Ohnehin gebe es für derlei übermäßigen Konsum nur die widersprüchlichen Angaben des Angeklagten, die zwischen erheblichem, regelmäßigem Rauchen und Trinken und keinerlei Konsum schwankten. Auch Gründe für eine Unterbringung zur Suchttherapie, um künftige Straftaten zu verhindern, sieht der Gutachter eher nicht.

Demnach steht wohl eher eine mehrjährige Haftstrafe für das Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge im Raum. Gelohnt hat sich die Dealerei für den Angeklagten jedenfalls nicht. Er habe noch knapp 3000 Euro Schulden bei Kumpels, um den Stoff überhaupt zu beschaffen. Der Prozess wird am heutigen Mittwoch fortgesetzt.  

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