Schweinfurt

Ein schicksalhaftes Jahr für den Bürgerverein Altstadt

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr zum „Hundertsten“ kam die Corona-Pandemie. Die verantwortlichen beim Bürgerverein Altstadt sind dennoch guten Mutes.
Wenigstens einmal gemeinsam Anstoßen auf das 100. Jubiläum des Bürgervereins Altstadt, das wollten sich die Vorstandsmitglieder beim Fototermin am Kirchweih-Festplatz an der Stadtmauer nicht nehmen lassen (im Bild, von links): Schriftführer Martin Konior, Vorsitzende Edeltraud Konior, Kassier Uwe Speil, 2. Kassier Markus Lange und 2. Vorsitzende Hannelore Seith.
Wenigstens einmal gemeinsam Anstoßen auf das 100. Jubiläum des Bürgervereins Altstadt, das wollten sich die Vorstandsmitglieder beim Fototermin am Kirchweih-Festplatz an der Stadtmauer nicht nehmen lassen (im Bild, von links): Schriftführer Martin Konior, Vorsitzende Edeltraud Konior, Kassier Uwe Speil, 2. Kassier Markus Lange und 2. Vorsitzende Hannelore Seith. Foto: Stefan Pfister

Es ist ein schicksalhaftes Jahr für den Bürgerverein Altstadt: Ausgerechnet im Jubiläumsjahr zwingt ein Virus zur Absage aller Veranstaltungen. Die Verantwortlichen blicken dennoch zuversichtlich in die Zukunft.

"Eigentlich ist es uns nicht schwer gefallen, alles abzusagen", gesteht Vorsitzende Edeltraud Konior. Natürlich sei es sehr schade, dass weder die Kirchweih noch die Feier zum 100-jährigen Bestehen stattfinden können. "Aber die Vernunft hat uns gesagt: Es geht einfach nicht." Bereits im Mai hatten alle Schweinfurter Bürgervereine gemeinsam die Entscheidung getroffen, dass es 2020 keine einzige Stadtteilkirchweih geben wird.

Bis auf die Zeit im Zweiten Weltkrieg ist das Fest noch nie ausgefallen. Alljährlich Anfang, Mitte Juli wird gefeiert, auf der Platanen-Allee an der Stadtmauer am Unteren Wall. Seit 2017 richtet der Bürgerverein dort sein Traditionsfest aus. Der Umzug auf den neuen Festplatz, den die Stadt Schweinfurt dem Verein zur Verfügung stellt, war unausweichlich: Im Biergarten der Gastwirtschaft "Zur Hölle" im Höllental war es damals nicht länger möglich, nachdem das Lokal keinen Wirt mehr hatte und geschlossen blieb. Das auch als "Höllen-Kirchweih" bekannte Fest wurde seit 1921 hier veranstaltet. Nur im Gründungsjahr fand es auf der Bismarckshöhe, oberhalb der Weinberge an der Mainleite statt.

Eine wechselvolle Vereinsgeschichte

Es war bis zu den Coronavirus-Zwangsabsagen das vorerst letzte Kapitel einer wechselvollen Vereinsgeschichte, die nicht nur einen Umzug mit sich brachte. Allerdings war es immer der Wunsch nach Geselligkeit, der den Fortbestand der Altstadt sicherte. Und auch der Grund für die Vereinsgründung. So trafen sich 1920 einige der wenigen Anwohner, die am östlichen Stadtrand nahe der Peterstirn wohnten, am Stammtisch im "Brückenbräukeller" (heute Hirschkeller), um den Verein "Gemeinde Altstadt" aus der Taufe zu heben.

"Ihr Wunsch, zusammenzukommen, sich auszusprechen, war verständlich, war doch der Weg zur Stadt sehr beschwerlich, ohne Gehsteig und ohne Beleuchtung", schrieb der frühere Altstadt-Vorsitzende Max Bott in der Festschrift anlässlich des 50. Jubiläums. Zum ersten "Bürgermeister", wie die Vorsitzenden der Schweinfurter Bürgervereine genannt werden, wählten die Gründerväter Nikolaus Hauck.

Schnell gab es ein reges Vereinsleben, mit Kirchweih, Faschingsveranstaltungen und "Mostschenken". Nach dem Krieg kam ein Weinfest hinzu, auch Ausflugsfahrten standen lange auf dem Programm. Jahrzehntelang diente die "Hölle" als Vereinsheim. Weil es in den 1980er-Jahren schwieriger wurde, mit den Wirten eine Lösung zu finden, zog die Altstadt in ihr "Freizeitheim" um. Der damalige Stadtteilbürgermeister Louis Wohlfahrt ließ zu diesem Zweck eine Baracke in der Robert-Koch-Straße umbauen.

In der Hoch-Zeit rund 170 Mitglieder

Es war die Hoch-Zeit des Bürgervereins, mit rund 170 Mitgliedern. Als auf dem dortigen Grundstück die Kinder- und Jugendpsychiatrie 2009 gebaut wurde, war es nicht nur ein trauriger Moment für die Mitglieder, sondern es musste erneut Ersatz gefunden werden. Nur für kurze Zeit fündig wurde man in der Kantine im Ämtergebäude an der Alten Bahnhofstraße. Erst seit dem neuerlichen Umzug ins Gasthaus Weißes Röß’l von Uwe Speil, der als Kassier im Vorstand mitwirkt, hat die Altstadt endlich wieder eine feste Heimat für ihre Treffen gefunden.

Doch an gesellige Zusammenkünfte verschwendet derzeit niemand einen Gedanken, auch weil viele Mitglieder im stattlichen Alter sind und zu den Risikogruppen zählen, die durch den Virus besonders gefährdet sind. Für dieses Jahr sind alle Veranstaltungen abgesagt, auch der für Oktober geplante Jubiläumsfestabend. Das bedauert die 1. Vorsitzende. "Wir haben eigentlich ein reges Vereinsleben, immer sind 30 bis 40 Personen anwesend." Dabei zählt der Verein nur noch 100 Mitglieder.

Glücklicherweise sind einige Neumitglieder in jüngster Zeit hinzugekommen, so dass Konior und ihre Stellvertreterin Hannelore Seith optimistisch in die Zukunft blicken. Auch wenn sie sich mehr Nachwuchs wünschen würden. Bei den Festen hoffen sie ebenso auf Besserung der (Corona)-Lage. "Wir wollen die Jubiläumsfeier auf alle Fälle nachholen wollen, am Liebsten natürlich schon im nächsten Jahr. Aber alles hat nun einmal seine Zeit."

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