Geldersheim

Ein zweites Leben für alte Friedhofsmauern

Nach der Modernisierung: Die Aussegnungshalle in Geldersheim gibt es nun quasi doppelt.
Foto: Uwe Eichler | Nach der Modernisierung: Die Aussegnungshalle in Geldersheim gibt es nun quasi doppelt.

Der "gute Ort" wird der Gottesacker im Judentum auch genannt: Das Ende gehört zu jedem Dasein unweigerlich dazu, ebenso die Erwartung, dass das Leben danach immer wieder von Neuem aufblühen wird. Aussegnungshallen haben allerdings ein etwas tragisches Schicksal. Egal wie ansprechend und ästhetisch ein solches Gebäude auch gestaltet wird, niemand will so wirklich hinein oder sich daran erfreuen.

Die neue Halle in Geldersheim ist auf jeden Fall ein guter Ort, um persönliche Trauer zu bewältigen. Schon Anfang des Jahres wurde der sanierte und quasi verdoppelte Bestandsbau auf dem Geldersheimer Friedhof seiner Bestimmung zugeführt. Das Zelt, in dem provisorische Trauerfeiern stattgefunden haben, wurde wieder abgebaut. Hinter großen Glasfenstern herrscht nun eine helle, freundliche, fast schon gelöste Stimmung in einer geräumigen, H-förmigen Anlage.

Auch ein neues Kreuz ließ die Gemeinde anfertigen

Nun nahmen Bürgermeister Thomas Hemmerich und Geschäftsleiter Hans-Jörg Rustler auch noch das mobile Kreuz entgegen, das von der Kunstwerkstatt der Abtei Münsterschwarzach angefertigt worden ist. Das Projekt war in der Entstehungsgeschichte seit 2018 allerdings nicht nur gesegnet. Das betagte Gebäude aus den 1950er-Jahren hatte Probleme mit der Fundamentierung und dem Dachstuhl, die Bausubstanz erwies sich maroder als gedacht. Eine zeitlang stand sogar ein Komplett-Neubau zur Debatte.

Auch das Kreuz ist neu: Bürgermeister Thomas Hemmerich (links) und Geschäftsleiter Hans-Jörg Rustler in der modernisierten Halle.
Foto: Uwe Eichler | Auch das Kreuz ist neu: Bürgermeister Thomas Hemmerich (links) und Geschäftsleiter Hans-Jörg Rustler in der modernisierten Halle.

Die neue Doppelhalle hat 1,1 Millionen Euro gekostet, wobei der Umgriff schon mitgezählt ist, inklusive Muldenbereich für Friedhofsabfälle, Pflasterung und Leitungsverlegung auch im Außenbereich. Dafür gibt es vier Nebenräume, inklusive zweier Aufbahrungsbereiche, eine moderne Innenbeleuchtung, zeitgemäße Tontechnik mit Akkustikdecke sowie einen im Sommer wie Winter wohltemperierten Hauptraum mit Platz für rund 100 Gäste.

Auch ein behindertengerechtes WC gibt es jetzt

Ein bisschen Design darf sein, nicht nur bei den Deckenlampen. Selbst die Spender für Desinfektionsmittel, die in der Coronazeit angebracht worden sind, glänzen in dezentem Schwarz. Es gibt ein behindertengerechtes, von außen erreichbares WC mit eigenem Schlüssel und Notruffunktion. Die Steckdosen haben einen Störungsmelder, auch die Brandalarmierung wurde nachgerüstet. Die Rückwand Richtung Brunnhöhe soll demnächst noch bepflanzt werden. Stolz zeigt Geschäftsleiter Hans-Jörg Rustler einen der neuen Wasserhähne an der Außenwand, mit Frostschutz.   

"Es ist ein Gebäude, das Altes und Neues verbindet", sagen die Verantwortlichen und verweisen auf die natürliche Einbindung ins Dorfleben, gleich neben Schule und Kindergarten. Nicht zuletzt wurde der Dachreiter mit Glocke renoviert, um das gewohnte Gesamtbild zu erhalten. Auch die Kreuzweg-Platten, die jetzt im Eingangsbereich hängen, bewahren die Geldersheimer Tradition.

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