Sennfeld

Eine eigene Kantate für Sennfelds Friedenfest

"Eine Entdeckung von unschätzbarem Wert" nennt ein Gutachten die Sammlung von Kantaten, also Singstücken, die bislang verborgen im Gemeindearchiv Sennfeld lagerten. Handelt es sich dabei doch um über 200 Jahre alte originale Kompositionen des ehemaligen Lehrers Leonhardt Ludwig nach dem Vorbild von Johann Sebastian Bach. Darunter befinden sich sogar Werke, die er eigens für das Friedensfest im freien Reichsdorf geschrieben hat.
"Auf, preise mit Danken dem Herren. Auf, sing dem Beschützer zu Ehren", schrieb Sennfelds Lehrer Leonhardt Ludwig 1795 auf das Titelblatt seiner Kantate zum Friedensfest. Der Notenfund wird als einzigartig eingestuft.
"Auf, preise mit Danken dem Herren. Auf, sing dem Beschützer zu Ehren", schrieb Sennfelds Lehrer Leonhardt Ludwig 1795 auf das Titelblatt seiner Kantate zum Friedensfest. Der Notenfund wird als einzigartig eingestuft. Foto: Gemeinde Sennfeld

"Eine Entdeckung von unschätzbarem Wert" nennt ein Gutachten die Sammlung von Kantaten, also Singstücken, die bislang verborgen im Gemeindearchiv Sennfeld lagerten. Handelt es sich dabei doch um über 200 Jahre alte originale Kompositionen des ehemaligen Lehrers Leonhardt Ludwig nach dem Vorbild von Johann Sebastian Bach. Darunter befinden sich sogar Werke, die er eigens für das Friedensfest im freien Reichsdorf geschrieben hat.

Von dem "für Sennfeld und die Region wohl einzigartigen Fund", so das Gutachten, wurde der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung unterrichtet. Die ab 1795 geschriebenen Noten waren bereits im vergangenen Jahr wiederentdeckt worden. Im Mai 2019 hatte Sennfelds evangelischer Pfarrer Stefan Stauch den Bad Kissinger Kirchenmusikdirektor Jörg Wöltche gebeten, die Kompositionen zu sichten und zu begutachten. Diese lagern im Gemeindearchiv, wohin sie 2011 aufgrund der besseren Aufbewahrung von der evangelischen Kirchengemeinde übergeben worden waren.

Musik der Frühklassik

Geradezu euphorisch äußert sich der Fachmann in seinem Gutachten. Bei den Noten handele es sich um Musik der Frühklassik, was schon an den Instrumenten sichtbar sei, wo beispielsweise Klarinetten statt Oboen eingesetzt werden. In der musikalischen Form von Kantaten des Spätbarock weisen die Singstücke nach dem Vorbild von Johann Sebastian Bach einen groß besetzten Eingangschor auf, sie beinhalten Arien und Choral.

Auch aus der Unterschrift "Soli Deo Gloria" – Gott allein sei die Ehre – und der Art, wie die Kantaten angelegt sind, bis hin zur Schreibweise und der Anlage der Partituren sowie der Einzelstimmen folgert Wöltche, dass der Sennfelder Lehrer Bachs Kompositionen gekannt haben muss.

Der Komponist wurde nur 43 Jahre alt

Die gefundenen Werke des als Professor Johann Leonhardt Ludwig titulierten Komponisten stammen aus den Jahren ab 1795. Damals war der gebürtige Gochsheimer schon fünf Jahre lang Lehrer in Sennfeld, wo er 1812 im Alter von 43 Jahren starb.

Seine Stücke seien in und für Sennfeld, für ein "freies Reichsdorf", komponiert worden, urteilt der Kirchenmusikdirektor. Was bedeutsam sei, zumal ansonsten solche Musik meist an den Fürstenhöfen und dort von einem eigens zuständigen Musiker entstand.

Für die Gemeinde sei besonders bedeutend, dass darunter Kantaten sind, die speziell für das jährliche Friedensfest, das 1649 nach dem 30jährigen Krieg ins Leben gerufen worden war, komponiert sind. Zum Fest im Jahr 1795 verfasste Ludwig die Kantate "Auf, preiset mit Danken dem Herren".

Aufführung wird vorbereitet

Dass solch ein Notenfund unbedingt weiter untersucht, aber auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte, fordert Wöltche in seinem Gutachten. Er selbst kümmerte sich bereits darum: Er bereitete die Friedensfest-Kantate für eine Chor-Aufführung in der Erlöserkirche Bad Kissingen vor, die Partitur umfasst circa 50 Seiten. Aber die Corona-Einschränkungen verhinderten den geplanten Gottesdienst am 28. Juni im Rahmen des "Kissinger Sommers", der nun ins nächste Jahr auf den 27. Juni verschoben ist. Vorgesehen war auch eine Zweitaufführung in Sennfeld, die ebenfalls dem Sars-Virus zum Opfer fiel.

Nach Auffassung des Kirchenmusikdirektors sollten für eine Wiederaufführung von Ludwigs Kompositionen auch die Sennfelder Chöre eingebunden werden, zumal es sich "um kirchliche, auch für Laienchöre darstellbare Musikwerke handelt".

Um noch mehr über die Person des Komponisten zu erfahren, wird Sennfelds Heimatforscher Douglas Dashwood-Howard weitere Anstrengungen übernehmen.

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