Schweinfurt

Eine kurzweilige Oase der Kultur

Auch Renate Kirchner nimmt das Angebot „Fünf Minuten Kultur zum Zuhören“ der Kontaktstelle Ehrenamt sehr gerne in Anspruch.
Foto: Heide Wunder/Stadt | Auch Renate Kirchner nimmt das Angebot „Fünf Minuten Kultur zum Zuhören“ der Kontaktstelle Ehrenamt sehr gerne in Anspruch.

„Fünf Minuten Kultur zum Zuhören“, dieses Angebot von Heide Wunder von der Kontaktstelle Ehrenamt der Stadt und der Disharmonie kommt gerade zu Corona-Zeiten sehr gut an. Mittlerweile wurden schon über 100 Gespräche vermittelt, sowohl die beteiligten Künstler als auch die Angerufenen sind begeistert.

Beim Projekt „Fünf Minuten Kultur zum Zuhören“ überbringen Künstler all denjenigen, die Musik, Poesie, Erzählungen, Witz – eben Kultur – in der aktuellen Zeit vermissen, einen kulturellen Genuss durch das Telefon. Zu einem vereinbarten Termin an einem Mittwoch rufen die Künstler kulturbegeisterte Menschen persönlich an und lesen fünf Minuten eine Geschichte, ein Märchen oder Gedichte vor. Für Musikliebhaber gibt es fünf Minuten Musik oder Gesang am Telefon. Es können die Kategorien Gedichte, Lieder zum Mitsingen oder Zuhören, Geschichten, Märchen oder eigene Wünsche ausgewählt werden.

Heide Wunder ist sehr zufrieden damit, wie das Angebot bisher angenommen wurde: „Ich freue mich riesig, dass die Aktion bis heute so einen guten Anklang findet. Am Anfang wurde mir eher davon abgeraten, denn es hieß, die älteren Menschen könnten am Telefon nicht alles so gut hören. Doch darauf können die Künstler immer sehr gut reagieren, und ihre Stimme verändern.“ Außerdem gibt es nun die Möglichkeit, einen extra kulturellen Geburtstagswunsch gegen eine kleine Spende an die Disharmonie bei Wunder in Auftrag zu geben. So gibt es nicht nur mittwochs Anrufe: „Wir wollen den Menschen, die daheim sind, etwas Gutes tun“, sagt Wunder und erzählt immer wieder von Anrufen älterer Mitmenschen, die ganz gerührt sind und sich überschwänglich bedanken für die Idee, nachdem sie das erste Mal angerufen worden waren.

Dankbar ist die Koordinatorin der Kontaktstelle Ehrenamt für das Engagement der Disharmonie und der Künstler wie Hans Driesel, Manfred Manger oder Ingo Schäfer. Die Bürger rufen bei der Kontaktstelle an, teilen ihre Wünsche mit, die die Stadt dann an die Disharmonie weitergibt. Hans Driesel führt die Gespräche gerne: „Die Mittwoch-Gespräche über Literatur aller Schattierungen, von der Klassik bis zur Mundartdichtung, bereichern mich auch persönlich. Ebenso erstaunlich wie erfreulich ist das Interesse gerade betagter Personen an Gedichten und Geschichten. Oft schließen sich Erinnerungen an die Schulzeit an. Anrührend, wenn eine Frau sich ein Märchen erzählen lässt, weil in ihrer Kindheit keine Zeit dafür war, oder eine andere Hörerin nach dem Rezitieren einer Ballade sagt, es seien ihr die Tränen gekommen, weil das Gedicht sie an eine bestimmte Lebenssituation erinnert hat.“ Die Spanne der gewünschten Themen, so Driesel, sei weit: Von Walther von der Vogelweide als Dichter aus dem Mittelalter bis zur Moderne. Auch die Schweinfurter Volksdichter kamen zu Ehren. „Gelegentlich wird auch herzlich gelacht. Ich freue mich auf jeden Mittwoch“, so Driesel.

Musikerin Barbara Hennerfeind ist ebenso angetan: „Kultur erleben, in Zeiten von Corona schmerzlich vermisst von Künstlern und Publikum. Als Musikerin genieße ich die Kulturanrufe sehr und freue mich auf jeden Einzelnen. Die persönlichen Liederwünsche zu recherchieren und zu erfüllen sind kleine Oasen in dieser Zeit, in der mir die Bühne so sehr fehlt. Die Zuhörer am Telefon für ein paar Minuten mit Kultur zu erfreuen, ist auch für mich ein großes Geschenk.“ Ebenso wie für Li Langen: „Ich finde das Angebot so wunderbar, denn es umfasst so eine Bandbreite von Musik (schottisch, irisch, südamerikanisch, Kunstlieder) bis zu Gedichten und heiteren Texten.“ Auch Renate Kirchner freut sich: „Gerade in der heutigen Zeit kann man ja nirgendwo hingehen, Theater und die Disharmonie haben geschlossen. Da genieße ich die kulturellen Anrufe am Mittwoch besonders.“

Erika Viessmann freut, „dass ich meine kulturellen Wünsche selbst aussuchen darf. Zu den Gedichten bekomme ich auch immer noch Hintergrundwissen über die Autoren mitgeteilt. Früher konnte ich viele Gedichte auswendig. Jetzt im hohen Alter habe ich schon einiges vergessen, da fallen mir beim Rezitieren auch wieder die Zeilen ein.“

Fünf Minuten Kultur zum Zuhören: Anmeldung für das kostenlose Angebot und Terminvereinbarung bei der Kontaktstelle Ehrenamt der Stadt unter Tel.-Nr. (0 97 21) 51 68 60.

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