Gerolzhofen

"Eine Telefonumfrage mit erheblichen Schwächen"

Mit großem Interesse habe ich den Artikel von Henry Stern zur Veröffentlichung einer Umfrage der Landtagsfraktion der Grünen zu einem Nationalpark Steigerwald gelesen. Die PowerPoint-Präsentation der Firma Brand Support über das Ergebnis der Umfrage habe ich mir ebenfalls genau angesehen. Aus meiner Sicht hat diese Erhebung in ihrer Methodik erhebliche Schwächen. Ich sehe da drei Kritikpunkte:

1. Aus der Umfrage wird nicht klar, inwiefern die von einem Nationalpark betroffenen Bürger am Ergebnis beteiligt sind. Da werden in der Stichprobe 1001 Personen aus den Städten Bamberg und Schweinfurt, sowie aus den Landkreisen Bamberg, Hassberge und Schweinfurt befragt. Woher die befragten Personen innerhalb dieser Landkreise stammen, wird nicht aufgezeigt. Im Extremfall könnten also die 1001 Stichproben aus Gemeinden wie Heiligenstadt, Scheßlitz, Maroldsweisach, Ermershausen, Stadtlauringen und Wasserlosen sein. Das sind Gemeinden, die mit dem Steigerwald wenig bis nichts zu tun haben.

Folgt man dieser Logik, kann man genauso Umfragen in Auftrag geben, bei denen man zum Beispiel Fahrradfahrer nach einem Tempolimit für Pkw auf Autobahnen oder Veganer nach der Bewertung von Rinderhaltung befragt. Das Ergebnis wäre vermutlich mit dem Ergebnis der vorliegenden Umfrage zu einem Nationalpark Steigerwald vergleichbar.

2. Die Herkunft der Telefonnummern der befragten Personen: Neben der Herkunft der Personen aus der Stichprobe wird leider keine Aussage dazu gemacht, welche Telefonnummern man verwendet hat. Aus meiner Erfahrung nach stehen fast nur noch ältere Leute in den öffentlichen Telefonverzeichnissen. Welcher Personenkreis war für die Umfrage überhaupt erreichbar?

3. Die Fragestellung: Die Fragestellung der Umfrage war aus meiner Sicht nicht ergebnisoffen. Und damit das gewünschte Ergebnis für den Auftraggeber auch erreicht wird, wurden negative Aspekte nicht mit abgefragt. Bis auf ein paar wenige Fragen, ob man bestimmten Aussagen zustimmt, wurden kritische Folgen völlig von windelweichen Wohlfühlfragen überblendet. Vielleicht resultierte diese oberflächliche Umfrage auch ein Stück weit aus dem Hauptgeschäft der beauftragten Agentur Brand Support, welche hauptsächlich wohl für Radiosender arbeitet.

Im Ergebnis stellt das für mich keine gute Arbeit dar. Hätte ich als Student damals einem meiner Professoren eine solche Arbeit abgeliefert, hätte das Ärger gegeben.

Dipl. Wirtschaftsing. (FH) Hans-Walter Schmalzbauer
97497 Dingolshausen

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