Euerbach

Euerbach liest: Sommernacht im Rhythmus der Worte

Im idyllischen Ambiente der Unteren Mühle in Euerbach trugen die Vorleser ihre Buchauszüge vor. Hier beeindruckt Aurelia Scheuring mit ihren selbst geschriebenen Poetry Slam-Texten.
Foto: Silvia Eidel | Im idyllischen Ambiente der Unteren Mühle in Euerbach trugen die Vorleser ihre Buchauszüge vor. Hier beeindruckt Aurelia Scheuring mit ihren selbst geschriebenen Poetry Slam-Texten.

Poetry Slam-Texte über Tod und Leben, ein Schweinfurt-Krimi, beeindruckende Frauenporträts, ein Sachbuch über das komplexe Ökosystem oder ein amüsantes Trostbuch für Alterspubertierende: Die Bandbreite der ausgesuchten Texte und Bücher beim Vorlese-Abend „Euerbach liest“ war erstaunlich und machte den Zuhörern Appetit auf mehr.

Im idyllischen Ambiente des Gartens der Unteren Mühle in Euerbach wartete am lauschigen Sommerabend weit mehr als der „Sommernachtstraum“-Krimi von Lothar Reichel. Ausgesucht hatte ihn Gemeindebürger Reiner Englert, der sich als Fan der sieben Schweinfurt-Krimis outete. Gleich drei Verbrechen hat der Autor darin verpackt, wie die Leseprobe verriet.

Autor Reichel schreibt nach Englerts Angaben derzeit seinen achten Krimi, den er exklusiv beim Euerbacher Adventsmarkt gemeinsam mit seinem Protagonisten Christian „Blacky“ Schwarz vorstellen wird.

Zum ersten Mal auch selbst geschriebene Texte

Eingeladen dazu wurde er von der Gemeindebücherei Euerbach und dem Verein Lesezeichen. Diese organisieren als Veranstalter auch jedes Jahr die „Euerbach liest“-Reihe, immer an einem anderen Ort und immer mit Einwohnern der drei Gemeindeteile, die ihre Lieblingsbücher vorstellen.

Diesmal erwarteten auch selbst geschriebene Texte die etwa 60 Besucher. Die erst 16-jährige Poetry-Slammerin Aurelia Scheuring faszinierte mit ihren außerordentlich reifen und ausdrucksstarken Beobachtungen zweier Nachbarinnen am Friedhof. Wie sie im Rhythmus der Worte und Reime die Gedanken von „Annegret“ und „Franziska“ über den Tod, ihre Männer, ihr Leben formulierte, war mehr als beeindruckend. Nicht minder fesselnd gelang ihr Vortrag über das Leben im Garten, über das Entstehen und Wachsen der Lebewesen.

Das komplizierte Miteinander in der Natur, speziell verschiedener Insektengruppen, beschäftigte auch Vorleserin Sylvia Hepp, die sich von Peter Wohllebens „Geheimes Netzwerk der Natur“ begeistern ließ. Ihr Kapitel über die Symbiose von Ameisen und Läusen beinhaltete nicht nur das Verständnis der Zusammenhänge. Es passte auch zum abendlichen Fest der Insekten im Mühlen-Garten.

Mehr als nur ein Buch

Wie sehr die ausgesuchten Bücher mit ihren Vorlesern harmonierten, verdeutlichte auch Armin Strohmeyrs „Abenteuer reisender Frauen“, die Kerstin Hetz vorstellte. Die Euerbacherin ist selbst immer wieder mit dem Fahrrad auf dem Globus unterwegs und dabei ganz nah dran an Ländern und Leuten. Genauso erlebte in ihrem Buch, das 15 bedeutende Frauen porträtiert, die Wiener Hausfrau Ida Pfeiffer die fremden Kulturen. Allerdings reiste diese vor 150 Jahren alleine durch die Welt, was damals gegen die Konventionen war und viel Aufmerksamkeit erregte. Ihr unverstellter Blick aber ermöglichte ihr authentische Reiseschilderungen, die in zahlreichen erfolgreichen Büchern mündeten.

Aus dem direkten Umfeld nimmt dagegen „Gast-Leserin“ Inge Schmidt aus Hambach ihre Ideen für eigene Geschichten. Die 70-Jährige, die seit knapp einem Jahr bei der Autorengruppe der „Main-Poeten“ Mitglied ist und schreibt, trug zur Erheiterung des Publikums einen Schmunzel-Text von „Suse und Strolchi“ vor.

Die Alterspubertierenden

Vollends die Lacher auf seiner Seite hatte der Sömmersdorfer Joachim Seemann, der mit „Es ist nur eine Phase, Hase“ gute Laune verbreitete. Mit schauspielerischem Talent las er gekonnt eine amüsante Geschichte des Autorenduos Maxim Leo und Jochen Gutsch vor, die selbstironisch die Welt der U- und Ü-50er, eben der Alterspubertierender, aufs Korn nehmen.

Dass Worte auch mit Musik harmonieren, zeigte der Ökumenische Chor Obbach unter der Leitung von Andrea Lettowsky. Sein „Kriminal-Tango“ war ebenso passend zum Abend wie der Kanon „Abendstille überall“.

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