Gerolzhofen

Gerolzhöfer Friseure: Warten auf staatliche Hilfe

Am 16. Dezember begann der zweite harte Lockdown in Deutschland. Auch die Friseure mussten wieder schließen. Wie es ihnen in der momentanen Situation geht.
Friseursalons in Deutschland müssen wegen des Lockdowns geschlossen bleiben.
Foto: Symbolbild: Sebastian Gollnow/dpa | Friseursalons in Deutschland müssen wegen des Lockdowns geschlossen bleiben.

Mitte Dezember trat in Deutschland der zweite harte Lockdown, der kürzlich bis Mitte Februar verlängert worden ist, in Kraft. Mit ihm mussten auch Friseure wieder schließen. Geschlossene Salons, keine Einnahmen und noch keine Zahlungen vom Staat - die Überbrückungshilfe III können sie noch nicht beantragen. Wir haben bei zwei Friseuren in Gerolzhofen nachgefragt, wie es ihnen mit dem Lockdown geht.

Wegfall des Trinkgelds nicht unterschätzen

"Es ist schon ein bisschen ein Gefühlschaos", sagt Susi Feser, die den Salon Eva in Gerolzhofen führt, in Anbetracht des Lockdowns. Doch sie sagt auch: "Ich sehe das schon ein, dass das notwendig ist". Staatliche Hilfe wegen der aktuellen Schließung hat sie noch nicht bekommen. Denn die Überbrückungshilfe III - die für sie in Frage kommt - kann sie "noch nicht mal beantragen". Das liege wohl daran, dass die Politik noch uneins sei, welche Kosten letztlich in die Überbrückungshilfe reinzählen sollen, erklärt sie.

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"Die ganze Maschinerie dauert länger, als beim letzten Mal", stellt Feser fest. Das falle ihr beim Kurzarbeitergeld auf: Der halbe Dezember war zu, die Zahlung des Kurzarbeitergelds müsse sie vorstrecken. Das Geld habe sie noch nicht wieder bekommen. Und nun stehe schon der Lohn für den Januar an.

Für die Mitarbeiter bringe die Kurzarbeit einen "horrenden Ausfall" mit sich. "Beim Friseur spielt ja auch das Trinkgeld eine große Rolle", gibt Feser zu bedenken. Dass das wegfalle, "darf man nicht unterschätzen".

Wegen Corona-Kontakt geschlossen

Corona hat die Friseur-Arbeit verändert. Vor dem zweiten Lockdown habe es in ihrem Salon verlängerte Öffnungszeiten gegeben. Auch am Montag - eigentlich der Ruhetag - hatte sie geöffnet. Durch die Reduzierung der maximal erlaubten Personenzahl im Salon sei man "massiv eingeschränkt" gewesen. Dennoch war das Terminbuch voll. In den Wochen vor dem zweiten Lockdown habe es allerdings "trotz allem viele Absagen gegeben" - sei es, weil die Kunden Erkältungssymptome hatten, weil sie mögliche Kontaktpersonen waren oder weil sie selbst in Quarantäne mussten. Dadurch seien "ganz schön viele Lücken" entstanden.

Feser selbst hatte ihren Salon zwischenzeitlich für zwei Tage komplett geschlossen, weil es einen Corona-Kontakt gegeben hatte. "Bevor wir irgendein Risiko eingehen, machen wir zu", sei ihre Devise gewesen. Sie und ihre Mitarbeiterinnen ließen sich sofort testen. Die Ergebnisse - alle negativ - seien glücklicherweise sehr schnell gekommen. Weil die Schließung des Salons eine freiwillige Sache gewesen sei, bekomme sie die Kosten dafür aber nicht erstattet.

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Wann sie wieder öffnen darf, kann sie schlecht einschätzen. Vielleicht nach Fasching? Vielleicht erst im März? "Wenn ich eine Glaskugel hätte, könnte ich es Ihnen sagen", sagt sie. Doch sie bleibt zuversichtlich: "Ich sehe positiv in die Zukunft und ich glaube, dass dann alles wieder klappt, wenn wir wieder aufmachen dürfen."

Nur Ausgaben, keine Einnahmen

Holger Dorsch, Inhaber des Friseursalons Dorsch, erklärt zum Lockdown: "Das ist wie Urlaub auf der einen Seite - das ist erholsam." Man habe Zeit für Dinge, zu denen man sonst nicht kommt. Doch auf der anderen Seite stehe die "große Problematik: Es kommt kein Geld rein."

"Auf der einen Seite akzeptiert man es", sagt Dorsch zu den Maßnahmen der Politik. Gerade im Hinblick auf die Virus-Mutationen, sei es "klar, dass sie das einbremsen wollen". Das Problem seiner Branche sei, dass sie weder to-go verkaufen könne - wie die Gastronomie - noch Click & Collect anbieten könne - wie der Einzelhandel. Sie haben nur Ausgaben, sagt er im Bezug auf Kosten, die trotz Schließung bleiben.

Auch Dorsch erklärt, dass bei der Überbrückungshilfe III noch nicht ganz klar sei, was überhaupt erstattet werde und wie genau das ablaufe. Besser als ein Ausgleich der Fixkosten wäre, "wenn es einen Ausgleich für die Umsatzverluste gebe", sagt er. Die Innungsmeisterin der Friseurinnung Main-Rhön sei bezüglich der staatlichen Hilfen im Gespräch mit der Politik: "Gucken wir mal, wie sich die Sache weiterentwickelt", sagt Dorsch.

Hoffen auf Öffnung Mitte Februar

Die Corona-Maßnahmen bei seiner Arbeit vor dem Lockdown - beispielsweise die räumliche Begrenzung und die Arbeit mit Trennwänden - seien nicht so dramatisch gewesen. "Mit ein bisschen Organisation kriegt man das schon hin", so seine Erfahrung. Für unterschiedliche Reaktionen bei seinen Kunden habe die Vorschrift gesorgt, dass die Friseure die Haare grundsätzlich waschen müssen. Dass sei "bei den Frauen jetzt nicht so das Problem" gewesen. Allerdings: "Nicht so gängig ist, dass die Männerwelt sich im Vorfeld die Haare waschen lässt". Das habe nicht bei jedem für Begeisterung gesorgt. 

Holger Dorsch im Mai 2020, nachdem die Friseure nach dem ersten Lockdown wieder öffnen durften. Nun befinden sie sich im zweiten Lockdown.
Foto:  Andreas Lösch | Holger Dorsch im Mai 2020, nachdem die Friseure nach dem ersten Lockdown wieder öffnen durften. Nun befinden sie sich im zweiten Lockdown.

Wenn die Friseur-Salons wieder öffnen dürfen, werde es mit den Maßnahmen so weitergehen -"nicht so viele Leute, lüften, desinfizieren", sagt Dorsch. Er hat die leise Hoffnung, dass es Mitte Februar weitergehen könne. Bis dahin seien es noch dreieinhalb Wochen und in der Region gingen die Zahlen derzeit nach unten. Dieser Rückgang der Zahlen sollte sich dann"spürbar zeigen". Es sei aber nicht auszuschließen, dass der Lockdown doch noch einmal verlängert werde. "Wundern würde es mich nicht", sagt Dorsch.

Was ihm besonders am Herzen liegt: Immer wieder sehe man Leute, die trotz Lockdown "mit frisch geschnittenen Haaren durch die Gegend laufen". Er wünscht sich, dass alle Friseur-Kunden darauf warten, dass die Friseure wieder aufmachen dürfen und der "Schwarzarbeit keinen Vorschub leisten". Auch die Politik sollte stärker dagegen vorgehen.

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