GELDERSHEIM

Gau-Trachtenfest: Kleider machen Heimat

Gau-Trachtenfest in Geldersheim: Tracht, das ist mehr als nur besondere Kleidung und Brauchtum. Tracht ist eine Einstellung.
Fleißig mittendrin im Festzug: Gerade die Kinder haben sichtlich Spaß daran, sich in ihrer Tracht am Umzug zu beteiligen.
Foto: Guido ChuleCk | Fleißig mittendrin im Festzug: Gerade die Kinder haben sichtlich Spaß daran, sich in ihrer Tracht am Umzug zu beteiligen.

Als sich am Sonntag um Punkt 13.30 Uhr der Festzug in Marsch setzte, tauchten immer mal wieder kleine Wolken am ansonsten blauen Himmel auf und spendeten den gut 1300 Teilnehmern in 54 Gruppen des Zuges und den wohl doppelt so vielen Zuschauern an den Straßen des kleinen Ortes den erhofften Schatten.

Zum Glück für so manche Trägerin einer Tracht war es aber nicht zu heiß beim Gau-Trachtenfest. Manche Trachten, vor allem für die Frauen, bestehen aus mehreren Schichten Kleidung, und oft genug ist die eigentliche Tracht in dunklem Stoff gehalten, vorzugsweise rot oder schwarz. „Das war heute noch einigermaßen erträglich“, so eine vermeintlich dick eingepackte Teilnehmerin des Festzuges, „da habe ich schon ganz andere Temperaturen erlebt“.

Die dürfte die Gruppe aus Brasilien, genauer gesagt aus Blumenau, öfter erleben. Die 29-köpfige Delegation des kleinen Ortes in Südamerika hatte natürlich die weiteste Anreise von allen 54 Gruppen. Einer von ihnen ist Stefan Ziel, in München geboren und vor mehreren Jahren nach Brasilien ausgewandert. Blumenau wurde 1850 vom Apotheker Hermann Blumenau gegründet. „Wir pflegen nach wie vor die deutsche Kultur“, berichtet Ziel, „neben der Folklore feiern wir auch immer unser eigenes Oktoberfest“. Und das ist mittlerweile, nach dem „Karneval in Rio“, mit gut 600 000 Besuchern das zweitgrößte Volksfest in Brasilien. Schon seit vielen Jahren gibt es den Kontakt zwischen Blumenau und Geldersheim, genauer gesagt mit Oliver Brust, dem Vorsitzenden des Trachtenverbandes Unterfranken, Tanzleiter des Heimatvereins Geldersheim und Sohn vom Vorsitzenden des Vereins, Wilfried Brust.

Der Besuch zum Gau-Trachtenfest in Geldersheim ist einer der vielen Gegenbesuche der Brasilianer in Deutschland. „Wir haben den Geldersheimern sehr viel zu verdanken“, so Ziel, „sie haben auch geholfen, dass wir unsere Trachten der unterfränkischen Tracht anpassen“.

In der Tat sind die Brasilianer schon so weit, dass sie im Festzug nicht als Exoten auffallen, sondern sich harmonisch ins Gesamtbild einfügen. Im Festzug selbst marschieren Gruppen aus ganz Deutschland mit, unter anderem auch aus Leipzig und aus Kirchseeon (am Chiemsee in Oberbayern).

Von einem Balkon aus in der Altstadt moderiert Wilfried Brust den Festzug, und immer wieder gehen seine Worte im jubelnden Beifall der knapp 2500 Zuschauer und der Musik der vielen Blaskapellen unter. Im Zug selbst marschieren die Kinder fleißig mit, aber gerade die Jüngsten erleben das Ende des gut einstündigen Marsches oft genug auf den Schultern der Eltern mit.

Aus Lettland ist eine Gruppe von ehemaligen Theater-Schauspielerinnen angereist. Beim Kommersabend am Samstag und vor dem Umzug am Sonntag singen sie lettische Volkslieder. Ihre Männer sind daheim geblieben und dürfen jetzt die Arbeit erledigen, die sonst sie machen, erklären sie süffisant: „Die Männer müssen jetzt die Kühe melken, die Katzen füttern und das Unkraut jäten.“ Sie selbst sind zehn Tage unterwegs und nutzen die Zeit auch für Besichtigungen, etwa von Weimar oder Bamberg.

Beim Fest am Wochenende sind gleich mehrere Jubiläen zu feiern. Der Verein für Heimat- und Brauchtumspflege Geldersheim feiert das 25-jährige Bestehen und ehrt Gründungsmitglieder. Es ist das fünfte unterfränkische Gau-Trachtenfest und die sechsten unterfränkischen Heimatkulturtage, und der Andrang ist groß. Ein eigener Markt für Trachtenkleidung zieht nicht nur die Mitglieder der einzelnen Vereine an. Ganze Radlergruppen legen im Festzelt eine Pause ein, gönnen sich ein Mittagessen und bewundern die vielen unterschiedlichen Trachten. Die Vereine selbst knüpfen viele weitere Kontakte, und die beiden Brusts sind ständig gefragte Gesprächspartner.

Am Abend füllte der Kabarettist Chris Boettcher das Festzelt, und am heutigen Montag sind „Die Stammheimer“ an der Reihe. Am Freitag hatten „Die Partyvögel“ für reichlich Partystimmung gesorgt.


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