SCHWEINFURT

Geheimnisse der Erde – entschlüsselt mit Laser und 3D-Drucker

Vermessung: Roman Schüßler scannt die unterirdischen Gangsysteme.
Foto: FH | Vermessung: Roman Schüßler scannt die unterirdischen Gangsysteme.

Ein außergewöhnliches Thema für eine Bachelorarbeit: Der Absolvent des Studiengangs Vermessung und Geoinformatik an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt, Roman Schüßler, hat die „Dokumentation eines Erdstalles mit terrestrischem Laserscanning“ behandelt. Seine interdisziplinäre Aufgabe war, den Erdstall im bayerischen Altnußberg zu erfassen, in einem 3D-Modell zu modellieren und die unterirdischen Gangsysteme optisch darzustellen. Bislang war dies nur mit herkömmlichen Methoden, wie einem Zollstock und dem Kompass, möglich.

„Erdställe“, so der junge Vermessungsingenieur, „sind von Menschenhand geschaffene unterirdische Gangsysteme, die zwischen dem zehnten und zwölften Jahrhundert errichtet wurden. Besondere Kennzeichen dieser Anlagen sind die Enge, die keine aufrechte Begehung und oft nur eine kriechende Erkundung zulassen, sowie die als Schlupfe bezeichneten Verbindungen der Kammern und Gänge in horizontaler oder vertikaler Richtung. Der Verwendungszweck dieser Anlagen ist nach wie vor ungeklärt.“

In Bayern sind bislang mehr als 300 Erdställe bekannt. Auch in Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Österreich, Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn gibt es ähnliche Erdställe. Nach heutigem Wissensstand wird angenommen, dass mit Beginn des 13. Jahrhunderts die Nutzung der Bauwerke eingestellt wurde. Die Zugänge wurden teils blockiert oder verschüttet.

1879 wurde der Erdstall in Altnußberg entdeckt. Erreichen kann man ihn über einen Zugang im Keller einer ehemaligen Scheune. Im November 2013 erfasste und scannte Schüßler zum ersten Mal wissenschaftlich, das gesamte System des Erdstalles. Um einen bildlich-räumlichen Eindruck über das Bauwerk zu gewinnen, wurde es per 3D-Drucker mit Kunststoff ausgedruckt. An der Hochschule in Schweinfurt kann man sich im virtuellen Labor durch die Räumlichkeiten bewegen, ohne durch enge Gänge zu kriechen oder Gummistiefel anzuziehen.

„Die gewählten Messverfahren“, so Schüßler, „sollen in Hinblick auf zukünftige Bestandsdokumentation weiterer unterirdischer Anlagen bewertet und die Ergebnisse dem Arbeitskreis für Erdstallforschung in geeigneter Weise zur Verfügung gestellt werden.“ Mit seiner 80 Seiten langen Bachelorarbeit hat der Hochschulabsolvent gezeigt, dass mit der Anwendung moderner Vermessungsmethoden und Auswerteprogrammen selbst kleine Innenräume und Details erfasst und anschaulich dargestellt werden können. Dies gilt zum Beispiel auch für Tropfsteinhöhlen oder historische Räume. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Erhebung sind beispielsweise über den Arbeitskreis für Erdstallforschung verfügbar und sind für alle, die Interesse haben, freizugänglich.

Weitere Informationen unter www.erdstall.de und www.lochstein.de/hrp/erdstall/D/altnuss/altnuss.htm

Aus dem 3D-Drucker: Das dreidimensionale Bild des Erdstalls Altnußberg.
Foto: FHWS | Aus dem 3D-Drucker: Das dreidimensionale Bild des Erdstalls Altnußberg.
Die Ausarbeitung: Mit einem 3D-Drucker wird der Erdstall dreidimensional aufgebaut.
Foto: FHWS | Die Ausarbeitung: Mit einem 3D-Drucker wird der Erdstall dreidimensional aufgebaut.
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