Gerolzhofen

Gelassen bleiben angesichts der unverrückbaren Todesmauer

An der Andacht mit Gräbersegnung nahmen deutlich weniger Menschen teil als sonst. Mit großer Disziplin wurden die Hygiene-Vorgaben eingehalten.
Allerheiligen in Corona-Zeiten: An der Andacht mit Gräbersegnung nahmen deutlich weniger Menschen teil als sonst. Mit großer Disziplin wurden die Hygiene-Vorgaben eingehalten.
Foto: Klaus Vogt | Allerheiligen in Corona-Zeiten: An der Andacht mit Gräbersegnung nahmen deutlich weniger Menschen teil als sonst. Mit großer Disziplin wurden die Hygiene-Vorgaben eingehalten.

Deutlich weniger Gläubige als in den Vorjahren nahmen am Sonntagnachmittag an der Allerheiligen-Andacht auf dem Gerolzhöfer Friedhof teil. Die Vorschriften und Empfehlungen wegen der Corona-Pandemie wurden konsequent eingehalten.

Bereits im Vorfeld hatte Pfarrer Stefan Mai gerade der älteren Generation und den Risikogruppen geraten, wegen der besonderen Situation in diesem Jahr lieber nicht an der gemeinsamen Andacht teilzunehmen und dafür den traditionellen Friedhofsgang an Allerheiligen lieber auf einen Zeitpunkt zu verlegen, wenn weniger Menschen auf dem Friedhof unterwegs sind. Für das persönliche Innehalten am Grab hatte der Pfarrer extra einen Flyer mit kleinen Gebeten herausgebracht, optisch aufgewertet mit Fotos von Waldemar Wiederer. 

Keine Prozession zum Friedhof

Wegen Corona waren in diesem Jahr auch die nachmittägliche Andacht im Steigerwalddom und die anschließende Prozession hinaus zum Gottesacker abgesagt worden. Statt dessen fand an der Leichenhalle nur eine 25-minütige ökumenische Andacht mit Gräbersegnung statt. An den Eingängen zum Friedhof standen während der Andacht Mitglieder des katholischen Pfarrgemeinderats und der Kirchenverwaltung als Ordnungsdienst, um die Namen und Telefonnummern der Teilnehmer zu erfassen. Letztlich kamen nur gut einhundert Besucher zur Andacht, die sich auch an die Vorgabe hielten, dass an einem Familiengrab maximal zwei Menschen, an einem Urnengrab nur eine Person stehen sollten.

In den corona-freien Vorjahren waren es stets deutlich über 500 Besucher gewesen, die am Nachmittag an der Andacht teilgenommen hatten. Und danach hatte man gerne die Gelegenheit zu einem Plausch mit alten Bekannten oder ehemaligen Gerolzhöfern genutzt, die anlässlich des Feiertags wieder einmal ihre Heimatstadt besuchten. In diesem Jahr war all dies nicht möglich. 

Ökumenische Andacht

Die kurze Andacht, bei der diesmal auch das traditionelle Verlesen der Verstorbenen des vergangenen Jahres entfiel, stand unter dem Leitwort "Ich lebe und Ihr sollt auch leben". Der evangelische Pfarrer Reiner Apel dankte bei der Begrüßung der katholischen Kirchengemeinde für die umfangreiche Organisationsarbeit, für den Ordnungsdienst und für das Erstellen der Handreichung zum persönlichen Gebet.

Die Pfarrer Stefan Mai und Reiner Apel gestalteten am Sonntagnachmittag gemeinsam die ökumenische Andacht auf dem Gerolzhöfer Friedhof.
Foto: Klaus Vogt | Die Pfarrer Stefan Mai und Reiner Apel gestalteten am Sonntagnachmittag gemeinsam die ökumenische Andacht auf dem Gerolzhöfer Friedhof.

Pfarrer Stefan Mai stellte das Ballett "Out of Breath" (außer Atem) des schwedischen Tänzers und Choreographen Johan Inger in den Mittelpunkt seiner Meditation. In dem Stück steht in der Mitte der Bühne eine leicht oval gebogene Mauer, Sinnbild der Todesgrenze. Vor ihr und um sie herum bewegen sich Tänzer und Tänzerinnen in hohem Tempo, außer Atem. Die einen machen einen großen Bogen um sie, die anderen rennen gegen sie an und scheitern beim Versuch, über die Mauer zu klettern, auch wenn sie sich gegenseitig dazu helfen. Wieder andere wollen von ihr weglaufen, werden festgehalten und versuchen, ihren Fluchtversuch mit hektischen Schritten in der Luft fortzusetzen. Manche stemmen sich mit Macht gegen diese Mauer und wollen sie wegschieben - vergeblich.

Der unverrückbare Tod

Trotz aller atemberaubenden Anstrengungen, den Tod aus dem Leben zu verdrängen: Die Mauer bleibt unverrückbar. Nur eine Tanzfigur steht im Kontrast zu dem unruhigen Treiben auf der Bühne: Hinter der Mauer wird ab und zu eine Tänzerin in die Luft geworfen. Einen kurzen Augenblick scheint sie zu schweben, bevor ihr Partner sie sanft wieder auffängt.

"In diesem Bild entdecke ich meine Zuversicht, dass Gott mir einmal über die Mauer des Todes hilft", sagte Pfarrer Stefan Mai. "In diesem Bild entdecke ich meine Sehnsucht nach einer Leichtigkeit des Seins, die alle Erdenschwere hinter sich lässt. In dem Partner, der die Tänzerin sanft wieder auffängt, sehe ich das Bild eines Gottes, der mein Leben nicht in das Nichts fallen lässt, sondern mit seinen Händen auffängt und birgt." Dieser Glaube helfe, angesichts der unverrückbaren Todesmauer die Schritte im Leben ruhiger, gelassener und bewusster zu setzen.

Die Andacht wurde musikalisch sehr ansprechend umrahmt von einem Bläser-Ensemble unter der Leitung von Horst Hohner.

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