Gerolzhofen

Gerolzhöfer Biergärten öffnen wieder: Was ist zu beachten?

Die Vorfreude ist groß: Ab Montag, 18. Mai, ist nach dem Corona-Lockdown wieder Außengastronomie erlaubt. Wir haben mit Wirten im Raum Gerolzhofen darüber gesprochen.
Gastwirtschaft "Tor zum Steigerwald" - Die Außengastronomie darf nach dem Corona-Lockdown ab 18. Mai wieder öffnen. Chefin Ruth Döpfner freut sich, dass wieder Gäste vor Ort bewirtet werden dürfen.
Gastwirtschaft "Tor zum Steigerwald" - Die Außengastronomie darf nach dem Corona-Lockdown ab 18. Mai wieder öffnen. Chefin Ruth Döpfner freut sich, dass wieder Gäste vor Ort bewirtet werden dürfen. Foto: Andreas Lösch

Für echte Franken waren die vergangenen Wochen die reinste Folter. Mal zwei, drei Monate nicht zum Friseur, nach Italien oder in die Sauna? Lässt sich gerade noch einrichten, auch wenn es insgesamt freilich nicht schön ist, wenn die gewohnte (Entscheidungs)freiheit stark eingeschränkt ist. Aber nicht in den Biergarten zu dürfen, wenn draußen die Sonne scheint, der Feierabend ruft und die Kumpels Zeit haben, das geht dem Franken an die Substanz. Nun hat das Warten ein Ende: Ab Montag, 18. Mai, dürfen Gastwirte wieder ihre Außenbereiche für Gäste öffnen (bis 20 Uhr), die Woche darauf folgen dann auch Speiselokale im Innenbereich (bis 22 Uhr). Doch die Auflagen sind streng.  

Grundsätzlich ist Ruth Döpfner erstmal froh, dass es wieder weiter geht. "Wir haben einen Außenbereich und werden auch öffnen", sagt sie. Seit dem strengen Corona-Lockdown im März war ihr Geschäftsbetrieb stark eingeschränkt. Kontakt zu den Kunden gab es in den vergangenen Wochen nur an der Türschwelle, da die Chefin des Hotel-Gasthofs "Tor zum Steigerwald" in Gerolzhofen einen Abholservice für Speisen und Getränke angeboten hatte. Das sei gut angenommen worden, sagt sie, aber freilich fehlte da etwas: Die Gäste wollen verweilen, sich hinsetzen, entspannen, reden, essen und trinken. Das ist jetzt bald wieder möglich. Mit Einschränkungen.

Mindestabstand als grundsätzliches Gebot

Döpfner zählt auf, was sie und ihr Personal sowie ihre Gäste grundsätzlich zu beachten haben. Da wäre zum einen der Mindestabstand, der unbedingt eingehalten werden muss. Der beträgt "1,5 Meter zwischen Personen (Gäste und Mitarbeiter) für alle Betriebsbereiche einschließlich der Außenbereiche", sofern keine geeigneten Trennvorrichtungen vorhanden sind, wie es der "Deutsche Hotel- und Gaststättenverband" (DEHOGA) Bayern in einem Schreiben an seine Mitglieder erklärt. Weiterhin gilt laut Döpfner Mundschutzpflicht, allerdings dürfen die Gäste die Gesichtsbedeckung  am Tisch abnehmen. Wer aufsteht und zum Beispiel zur Toilette geht, muss den Schutz wieder anlegen.

Weiterhin müssen laut Döpfner die Gäste Name und Telefonnummer angeben, zudem wird der Zeitraum des Besuchs notiert. Dies ist laut DEHOGA nötig, "um eine Kontaktpersonenermittlung im Falle eines nachträglich identifizierten Covid-19-Falles unter Gästen oder Personal zu ermöglichen". 

Zwei Hausstände gemeinsam an einem Tisch

Wer darf mit wem an einem Tisch sitzen? Familien dürfen grundsätzlich an einem Tisch Platz nehmen und müssen dabei auch die 1,5-Meter-Abstandsregel nicht einhalten. Das Gleiche gilt für Menschen, die in einem gemeinsamen Hausstand leben. Zusätzlich darf nach Angaben der bayerischen Staatsregierung ein weiterer Hausstand an dem Tisch mit Platz nehmen.

Ruth Döpfner könnte ihren Biergarten mit rund 60 Sitzplätzen bestuhlen, wird aber zunächst ihren Angaben zufolge mit weniger Plätzen arbeiten. Es fehlen ja noch die Erfahrungswerte: Wie wird das Angebot angenommen, funktionieren die Abläufe, wie viel Personal wird benötigt? Deswegen werde sie in der ersten Woche erstmal schauen, wie es läuft. Für Stammtische, die vor der Corona-Krise regelmäßig an einem Tisch gesessen haben, dürfte es mit den jetzigen Auflagen schwieriger werden, sofern sich der Stammtisch aus Personen aus mehr als zwei Hausständen zusammensetzt. Aber Döpfner will dann die Tische so stellen, dass der Mindestabstand eingehalten werden und man dennoch beieinander sitzen und sich unterhalten kann.

"Vernünftig mit der Situation umgehen"

Laut Döpfner schränkt das alles den gewohnten Biergartenbetrieb natürlich stark ein, aber: "Man muss vernünftig mit der Situation umgehen", sagt sie. Die Hygienevorschriften findet sie sinnvoll, sagt aber auch, dass strenge Hygiene in einem gut geführten Gastronomiebetrieb auch vor Corona schon geboten war. Zusätzlich habe sie jetzt noch für die Gäste Desinfektionsmittel auf den Toilettenanlagen bereitgestellt, außerdem werden die Speisen durch eine Haube geschützt, die über die Teller gestülpt werden und erst am Tisch abgenommen werden.

Ab 18. Mai dürfen Biergärten wieder öffnen. Darauf weisen allerorts auch schon Schilder hin.
Ab 18. Mai dürfen Biergärten wieder öffnen. Darauf weisen allerorts auch schon Schilder hin. Foto: Andreas Lösch

Auch bei Markus Fischer vom Landgasthof "Goldener Adler" in Sulzheim überwiegt die Vorfreude auf die Wiedereröffnung, die strengen Vorschriften für Personal und Gäste hin oder her: "Wir finden es schön, dass es wieder los geht", sagt er. Die Einschränkungen nimmt er in Kauf, wenngleich manche Regelung zumindest hinterfragt werden darf: Warum werden Name und Telefonnummer sowie der Zeitraum des Aufenthaltes einer Person im Biergarten notiert, beim Einkaufen im Supermarkt aber nicht? "Das weiß keiner so genau", sagt Fischer. Aber natürlich werde er sich an die Vorschrift halten. Dabei vertraue er darauf, dass die Gäste das Ganze mittragen und die Angaben, die sie machen, auch stimmen. "Wir dürfen ja keine Ausweise kontrollieren", sagt er. Zwischen 60 und 80 Plätze könnte er im Freien anbieten, aber "wir müssen jetzt erst mal schauen, wie wir stellen", sagt er. "Es weiß ja keiner, wie es angenommen wird. Es muss sich erst ein bisschen einspielen."

Von Anfang an dabei sein

Darauf setzt auch Isolde Lenhard, die das "Gasthaus zum Zabelstein" in Altmannsdorf (Ortsteil von Michelau im Steigerwald) betreibt. Den Biergarten haben sie und ihr Team bereits bestuhlt, für Montag seien 22 und für Dienstag 26 Reservierungen eingegangen. Normalerweise hat das Gasthaus Montag und Dienstag Ruhetag, aber in der ersten Woche "wollten wir gleich von Anfang an dabei sein, dass man sich daran gewöhnt", sagt sie. Ab der kommenden Woche ist dann wieder Montag und Dienstag Ruhetag. Die strengen Auflagen nimmt Lenhard in Kauf, zu lang war die Durststrecke von März bis Mai. Dass jetzt wieder geöffnet werden darf, "das ist das Wichtigste".

Vermieter erlässt Pacht für zwei Monate

Zwar habe sie einen Abholservice während des Corona-Lockdowns betrieben, aber das sei mit Normalbetrieb natürlich nicht vergleichbar. Sie hatte aber das Glück, wie sie erklärt, dass ihr Vermieter ihr sehr entgegengekommen sei: Für zwei Monate habe sie keine Pacht bezahlen müssen. Nicht etwa gestundet seien die Beträge, sondern erlassen. Für diese Geste ist sie sehr dankbar, denn die monatlichen Umsätze waren zuletzt freilich gering. Nun geht es am Montag mit einer verkleinerten Karte weiter. Und: "Wir machen jetzt auf jeden Fall Spargel", kündigt sie an. 

"Froh, dass es wieder in die richtige Richtung geht"

Mirko Hauptig vom Gasthaus "Schlapp'n" in Gerolzhofen öffnet auch wieder, allerdings nicht am Montag, sondern erst am Mittwoch, wie er mitteilt: Er wolle das Wochenende sowie den Wochenbeginn noch nutzen, um alles vorzubereiten und die vielen Auflagen des Gaststättenverbandes erfüllen zu können. Zwar ist seine  Ansicht zu dem nach wie vor eingeschränkten Betrieb zweigeteilt, aber "natürlich kann man froh sein, dass es wieder in die richtige Richtung geht", erklärt er. Für ihn und viele weitere Gastwirte im Raum Gerolzhofen und darüber hinaus sei es ein Anfang, der Hoffnung macht, aber freilich keine Planungssicherheit gibt: Die kommenden Wochen würden zeigen, wie sich alles entwickelt: Geht alles gut und folgen weitere Lockerungen? Aber es besteht laut Hauptig auch die Gefahr, dass sich die Situation in der Corona-Pandemie wieder verschlechtert und dass gelockerte Maßnahmen wieder zurückgenommen werden. 

Anmerkung der Redaktion: Liebe Leser, bei den hier befragten Wirtsleuten und genannten Gastwirtschaften handelt es sich um einen kleinen Auszug aus dem weitläufigen gastronomischen Angebot im Raum Gerolzhofen. Die obigen Gasthäuser sind beispielhaft für diesen Artikel genannt und sollen nicht als bevorzugt oder redaktionelle Empfehlung betrachtet werden. Nutzen Sie bei Interesse die Gelegenheit und erkundigen Sie sich in Ihrer Umgebung bei den Gastronomiebetrieben Ihres Vertrauens und Fragen Sie nach Öffnungszeiten und Reservierungsmöglichkeiten. 

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