Schweinfurt

Gipfeltreffen mit DanceWorks und Bundesjungendballett

Tanztheater aus den USA & Deutschland brachten das Bundesjugendballett und „DanceWorks Chicago“ im Schweinfurter Theater zusammen.
Foto: Quinn Wharton | Tanztheater aus den USA & Deutschland brachten das Bundesjugendballett und „DanceWorks Chicago“ im Schweinfurter Theater zusammen.

Seit Frühjahr 2015 treffen sich die acht Tänzerinnen und Tänzer des von John Neumeier gegründeten Bundesjugendballetts mit der jungen Compagnie „DanceWorks Chicago“ in größeren Abständen zu einer kreativen Arbeitswoche. Auch die Choreografien dieses Abends sind dabei entstanden.

Die jungen Tänzerinnen und Tänzer sind von ihrer Profession begeistert und wollen für die Kunstform Tanz begeistern. Man spürt ihre Motivation, ihren Enthusiasmus bei jedem ihrer Stücke, denen sie mit Ernsthaftigkeit und zugleich Spaß Ausstrahlung und Wirkung verleihen. Die Tänzer des Bundesjugendballetts, beheimatet im Ballettzentrum Hamburg, John Neumeier, haben ihre klassisch-akademische Ausbildung abgeschlossen, ergänzt durch Unterricht in moderner Tanztechnik und in Tanz-Komposition.

Die nur sechs-köpfige Formation DanceWorks Chicago hat sich speziell dem zeitgenössischen Tanz verschrieben. Großartig ihr „Love hurts – Petrushka“ 2010 hier im Theater. „Durch diese Zusammenarbeit werden neue Energien und Ideen freigesetzt. Wir sind dankbar, ein Teil dieser jungen dynamischen Gemeinschaft zu sein, die den Tanz darstellt“, sagt Julie Nakagawa, künstlerische Leiterin von DanceWorks.

Verbeugung vor John Neumeier

Die ersten beiden der 13 kurzen Choreografien oder Auszügen sind eine Verbeugung vor dem großen Tänzer, Choreografen und jetzigen Ballettintendanten der Hamburger Staatsoper John Neumeier. Er hat die von dem amerikanischen Komponisten Aaron Copland bearbeiteten „Old American Songs“ in eine einfache Bewegungssprache umgesetzt, die von dem deutsch-amerikanischen Ensemble voller Anmut präsentiert wird.

Noch ohne Titel ist eine Neumeier „Work in progress“-Choreografie, die zu den Klängen der Cavantina aus Beethovens Streichquartett D-Dur eine seltsame Beziehung von zwei Männern und einer Frau zum Thema hat. Ungewöhnlich auch „Tangos“ von Masa Kolar. Hier begnügen sich ein Mann und eine Frau mit verliebten Blicken aus der Ferne, ohne zusammenzufinden – sie tanzen ihren Tango solo.

„Ride“ und „Paradigm“ aus dem Chicago-Repertoire ähneln sich: Sechs Tänzer versuchen, den Drive, die Kraft, die Rhythmen und Breaks von Schlagzeug- und Percussions-Klängen in Bewegung umzuformen. Während ein sanftes Klingeln eines Schlagzeugbeckens nur ein Fußzittern auslöst, wächst mit steigendem Tempo und mit höherer Lautstärke auch die Intensität der Bewegungsmuster der Tänzer.

Sechs-Minuten-Solo

Ein Höhepunkt ist die Choreografie „Totilas – der Ritt“ des Tänzers Paul Hess. Sie bezieht sich auf die Dressurkür des Wunderhengstes Totilas, die letztlich auch durch vorher eingesetzte unerlaubte Zähmungsmethoden scheiterte. Der junge Tänzer Tilman Patzak aus Hamburg gestaltet daraus ein spannendes Sechs-Minuten-Solo: Mit erstaunlicher Genauigkeit hat er die Gangarten eines Dressurpferdes studiert: Er durchmisst als Totilas die Bühne im Gang, Trab, Galopp, dreht Pirouetten, kommt kurz ins Stolpern, fängt sich wieder, um am Schluss zusammenzubrechen.

„Thais“, mit der Musik aus Massenets Oper „Thais“, ist ein klassischer Pas de deux, den Teresa Silva Dias und Christian Lever ausdrucksvoll interpretieren. Er gibt der jungen Tänzerin auch Gelegenheit, ihre schon vorzügliche Spitzentanz-Kunst zu zeigen.

Wenn die Romanze den Bach runtergeht

Im Text des Gershwin-Songs „Let's call the whole thing off“ befürchten Zwei, dass ihre Romanze den Bach runtergeht. Daraus hat Harrison McEldowney eine vergnügliche Choreografie aus drei Szenen entworfen: Immer Swing-Musik im Hintergrund, lässt erst der Mann seinen, dann die Frau ihren Frust ab, während der andere unbeteiligt umher tanzt. Dann in der dritten Episode gibt es doch ein Happy End und großen Applaus für Ginny Ngo und Jimi Loc Nguyen aus Chicago.

Als Finale der letzte Satz aus den „Old American Songs“ mit allen Mitwirkenden. Voller Anmut, fast andächtig zelebrieren die jungen Künstler diesen Tanz, der nach einem symbolträchtigen Rundreigen mit einer höfischen Verbeugung endet. Das Publikum schickt eine Woge der Begeisterung hinauf zur Bühne zu den strahlenden jungen Tänzerinnen und Tänzern: Jubel, Pfiffe, langer herzlicher Applaus.

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