Schweinfurt

Glosse: Warum die Stadträte neue Mikrofone brauchen

Der Schweinfurter Stadtrat diskutiert in den nächsten Wochen über den Haushalt 2021. Warum es interessante Debatten geben wird, über Mikrofone und Kindertoiletten in Schulen.
Die Mikrofonanlage im großen Sitzungssaal im Rathaus ist in die Jahre gekommen und muss saniert werden. Das Bild stammt von der Haushaltsberatung 2019. 
Foto: Oliver Schikora | Die Mikrofonanlage im großen Sitzungssaal im Rathaus ist in die Jahre gekommen und muss saniert werden. Das Bild stammt von der Haushaltsberatung 2019. 

Zehn Jahre ist sie nun schon alt, die sagenumwobene Mikrofonanlage im damals neu gestalteten großen Sitzungssaal im altehrwürdigen Rathaus. Und nun das: Es gibt keine Ersatzteile mehr. Während die Stadträte noch die schönen langen Mikrofone haben und diese auch des öfteren wüst hin und her biegen und schwenken, übt sich die Verwaltung in Bescheidenheit.

Das Protokollanten-Team hat überhaupt kein Mikro mehr, es diente als Ersatz für ein kaputtes. Und Stadtbaumeister Markus Sauer fällt schon seit längerem auf seinem Platz, auf der linken Seite der Verwaltungsbank, mit einem krummen Rücken auf, wenn er spricht. Das liegt daran, dass er nur noch ein kurzes Mikro hat und sich deshalb vorbeugen muss.

Nun dachte sich die Verwaltung, Corona hin oder her, das mit der Mikrofonanlage geht nicht mehr so weiter, auch der Beamer ist in die Jahre gekommen, und überhaupt sind wir im 21. Jahrhundert. Ergo: 150 000 Euro sollen in den Haushalt 2021 eingestellt werden, um sich nächstes Jahr auf den neuesten Stand in Sachen Medientechnik zu bringen.

Die Grünen hatten da ein wenig Bauchschmerzen, ob man ein solches Zeichen an den Bürger senden sollte, angesichts der allgemeinen Sparwelle, die im Moment durch das Rathaus schwappt, weil das Corona-Virus nicht nur für unser aller Leben eine Nervenprobe ist, sondern vor allem für den städtischen Haushalt. Könnte man nicht noch warten mit der Investition?

Keine Ersatzteile mehr in ganz Deutschland

Nun ja, möglicherweise nicht, denn das kurze Mikro für den Herrn Stadtbaumeister war schon das letzte, das es gab. Wenn jetzt wieder eines kaputt gehen sollte, bei den Damen und Herren Stadträten, dann müsste an der Verwaltungsbank geknapst werden.

Oder, ein gar nicht so schlechter Vorschlag von SPD-Urgestein Marianne Prowald, "wer am meisten im Stadtrat sagt, bekommt sein Mikro abgenommen." Könnte ja sonst überlastet werden. Wir führen jetzt mal lieber keine Namensliste mit Vorschlägen in Sachen Redezeitverkürzung auf. Aber so grundsätzlich wäre es durchaus ganz angenehm, wenn Ausschusssitzungen wie zuletzt der Bauausschuss nicht fast fünf Stunden dauern würden.

Sponsoren für die Bahnhofsmission gesucht

Die Prowalds Marianne hatte sich in Sachen Haushalt im Sozialausschuss schon positiv hervor getan und aus ihrem sozialdemokratischen Herzen keine Mördergrube gemacht, als sie bei der Budgetkürzung für die Bahnhofsmission empört ausrief: "Dass Ihr Euch nicht schämt." Gemeint war die Sozialverwaltung, die die angeordnete Kürzung der Ausgaben um 20 Prozent nach der Rasenmähermethode umsetzte und dabei eben auch der Bahnhofsmission von deren kargen 1000 Euro Zuschuss noch mal 200 wegnahm. Wir sind gespannt, wie der Vorschlag von Bürgermeisterin Sorya Lippert ausgeht, man wolle nach Sponsoren suchen.

Die Bahnhofsmission ist ja nicht allein betroffen, auch die Schweinfurter Schüler müssen länger darauf warten, dass möglicherweise nicht ganz so moderne Toiletten saniert werden. Ein wenig mehr "Aufenthaltsqualität" wie das SPD-Rat Johannes Petersen ein wenig euphemistisch nannte, ist in dem einen oder anderen Schulgebäude durchaus angebracht. 

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