Schweinfurt

Glosse Zeug gibt's: Die Suche nach dem Schippi-Schörschle

Schweinfurt befindet sich im Corona-Lockdown wie ganz Deutschland. Zeit, nach einem ganz besonderen Kunstwerk zu suchen, das in diesem Jahr vielleicht noch gebraucht wird.
Das 'Schippi-Schörschle', zuletzt gesehen bei einem Baustellen-Einsatz 2016.
Foto: Stefan Sauer | Das "Schippi-Schörschle", zuletzt gesehen bei einem Baustellen-Einsatz 2016.

Heute müssen wir, zugegeben auch in Ermangelung von größeren Aufregern, unseren Blick kurz einmal gen Landkreis wenden. Da ereignet sich Wunderliches in Geldersheim, wo erstaunte Passanten bei ihrem Spaziergang an Heilig Drei König durch die Biegenbachgemeinde unterm örtlichen Weihnachtsbaum Folgendes erblickten: Statt Kaspar, Melchior und Balthasar im Dorf zu begegnen, deren Wirken das Coronavirus dieses Jahr unmöglich machte, sahen die Bürger ein braun-weißes Lamm. Ein ausgestopftes, wohlgemerkt.

Es handelt sich um die lokale Berühmtheit "Moritz", der 2011 nur drei Monaten nach seiner Geburt starb, später dann von einem Präparator aus Schnackenwerth für die Nachwelt erhalten wurde, als Zeichen für Überlebenswillen und Lebenszufriedenheit, auch in scheinbar aussichtsloser Lage. Eine schöne Idee, ihn nun zu Zeiten von Corona aufzustellen.

A propos aufstellen. Was in Geldersheim das Schaf, ist bekanntlich in Schweinfurt das Schwein. All überall stehen die 85 mindestens lebensgroße Schweinefiguren – vor 14 Jahren gefertigt, bemalt und in der Stadt aufgestellt. Als vor fünf Jahren die Stadt von Baustellen regelrecht überzogen war und seitens der Verkehrsteilnehmer darüber größerer Unmut befürchtet wurde, hielt das Stadtmarketing erfolgreich mit einem „Baustellenschwein“ dagegen. Damals ging's um die ziemlich gleichzeitige Sanierung der Max- und Ludwigsbrücke, neue Gasleitungen in der Spitalstraße, Breitbandausbau in der Rückertstraße, Gas-, Wasser- und Straßenbauarbeiten in der Mainberger Straße. Also wurde das legendäre Schweinfurter Baustellenschwein "Schippi Schörschle" erfunden und im Stil des klassischen Arbeiterdenkmals – Bauarbeiter, stehend, sich auf eine Schaufel stützend – von einem Künstler erschaffen.

Monatelang stand es, genervten Passanten angeblich Trost spendend, in der Spitalstraße im Eingangsbereich eines Geschäftes und rührte sich nicht vom Fleck, um echten Bauarbeitern nicht im Wege zu stehen. Wo ist denn das "Schippi Schörschle" jetzt, wo es so dringend wieder gebraucht würde? Seither ist nicht nur die damalige City-Managerin in den Bäderlandkreis entschwunden, sondern das „Schippi-Schörschle“ scheinbar ebenfalls spurlos weg. Vielleicht ist es in einem Bauhof-Depot untergekommen, wer weiß das schon.

Dem Fortschritt in Schweinfurt nicht im Weg stehen

In jedem Fall wäre es an der Zeit, das "Schippi-Schörschle" mal wieder heraus zu holen, denn die Stadt veröffentlichte kürzlich eine Pressemitteilung, in der alle Baustellen in diesem Jahr im Stadtgebiet aufgelistet werden. Mit einem herrlichen Satz, den selbst hochbezahlte Marketing-Experten nicht besser hätten formulieren können: "Und auch wenn eine Baustelle immer auch Einschränkungen zur Folge hat, bedeutet sie doch in erster Linie Fortschritt."

"Fortschritt" ist auch die Überschrift über die Termine des Oberbürgermeisters nächste Woche, wenn man so will: Erst wird der Vertrag für die Landesgartenschau 2026 unterschrieben, dann eröffnet er feierlich die Carus-Allee. Schade, dass "Schippi Schörschle" nicht während der Bauphase für den Grüngürtel in Ledward dabei war, wo dort doch angesichts des ständigen Bohrens, Hämmerns und Staubens sein natürliches Baustellen-Schweine-Habitat gewesen wäre.

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