Handthal

In Handthal: Große Worte statt leerer Worthülsen

Zwölf jeweils mit einem symbolischen Bild und mit Texten bedruckte Stelen: Die Ausstellung mit dem Titel „Was uns angeht - die großen Wörter des Christentums“ überrascht.
Ausstellungseröffnung von 'Was uns angeht' im Nachhaltigkeitszentrum Handthal:(von links) Stefan Mai, Landrat Florian Töpper, die Designer Jochen Tratz und Tina Westendorf, Dietmar Kretz und Bischof Franz Jung. 
Ausstellungseröffnung von "Was uns angeht" im Nachhaltigkeitszentrum Handthal:(von links) Stefan Mai, Landrat Florian Töpper, die Designer Jochen Tratz und Tina Westendorf, Dietmar Kretz und Bischof Franz Jung.  Foto: Klaus Vogt

Am Anfang stand die Idee, eine Wanderausstellung zum Glaubensbekenntnis zu konzipieren. In einer Zeit der "Verdunstung des Glaubenswissens", so Pfarrer Stefan Mai, sollen den Menschen von heute die Artikel des Glaubensbekenntnisses aufgeschlüsselt und nähergebracht werden. Was dabei herausgekommen ist, kann man derzeit im Nachhaltigkeitszentrum in Handthal besichtigen: zwölf verschiedenfarbige, jeweils mit einem symbolischen Bild und mit Texten bedruckte Stelen. Die Ausstellung mit dem Titel „Was uns angeht - die großen Wörter des Christentums“.

Interaktive Möglichkeiten

Es ist eine Annäherung an große Wörter des Christentums – und zwar im ganz wörtlichen Sinn: Bei der Wanderausstellung sind die Besucher eingeladen, insgesamt zwölf Schaumstoffstelen näher in den Blick zu nehmen. „Die Ausstellung lädt dazu ein, die Worte und Themen zu ergreifen und sich zu ihnen zu positionieren, also mit den Worten im wahrsten Sinn umzugehen“, erklärt Dr. Dietmar Kretz von der Domschule Würzburg, einer der Initiatoren neben Pfarrer Mai.  Die Objekte lassen sich zum Beispiel zusammenrücken, voneinander entfernen, zu einer Sitzgelegenheit, einem Tor oder auch einer Liege gruppieren. 

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"Was uns angeht"

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„Die Motivation für uns war der Eindruck, dass der Großteil der Glaubensinhalte dem Anschein nach für viele Menschen eine fremde Welt sind“, ergänzt Domkapitular Dr. Helmut Gabel, der Dritte im Bunde der Ausstellungsmacher. „Wir möchten mit diesem Angebot etwas dafür tun, dass die Leute entdecken können, was das Christentum mit ihrer Lebenswelt zu tun hat. Wir tun das bewusst in dieser Form und nicht in Form von belehrenden Texten“, heißt es in einer Pressemitteilung der Diözese Würzburg. Gabel hofft, mit den Wort-Stelen so manches Aha-Erlebnis auslösen zu können.

Große Worte

Zu finden sind große Worte wie Liebe, Gott, Schöpfung, Geheimnis, Tod oder Hoffnung. „Die Ausstellung greift diese Worte auf und möchte Anregungen geben, die Relevanz dieser Begriffe für das eigene Leben zu entdecken und sich damit auseinanderzusetzen“, sagte Pfarrer Stefan Mai am Freitagnachmittag bei der Eröffnung der Ausstellung, zu der auch Bischof Franz Jung gekommen war. "Uns ist es bei der Konzeption darum gegangen, große Wörter, Kernwörter des Christentums, die aus der Glaubensgeschichte nicht wegzudenken sind und wie selbstverständlich in kircheninternen Kreisen im Mund geführt werden, für viele Menschen heutzutage aber zu leeren Worthülsen geworden sind, herauszugreifen und uns zu fragen: Welche Bedeutung, welche Relevanz haben diese großen Wörter für mein Leben."

Die einzelnen Stelen der Ausstellung sind aus Schaumstoff und können nach eigenem Gusto platziert und zusammengestellt werden.
Die einzelnen Stelen der Ausstellung sind aus Schaumstoff und können nach eigenem Gusto platziert und zusammengestellt werden. Foto: Markus Hauck (POW)

Buntes Potpourri

Auf den verschiedenen Säulenseiten sind in einem bunten Potpourri Texte aus der Literatur, der Bibel, dem kirchlichen Liedgut und zum Herunterladen über QR-Codes auch Songs weltlicher Interpreten zu finden. Daneben Hashtags, Sprichwörter, Gebete, Redensarten, Worte aus der Liturgie. Sie alle kreisen um das jeweilige große Wort auf der Säule, bringen immer wieder neue mögliche Bedeutungsfacetten ins Spiel. Sie haben nur ein Ziel: Besucher und Besucherinnen dieser Ausstellung zu einem persönlichen Suchweg und Nachdenkprozess einzuladen. Aus dem Gesehenen und Gelesenen vielleicht einen persönlichen Schlüssel dafür zu finden, welcher Schatz in diesen alten Wörtern verborgen ist - und welche Relevanz sie für mein Leben haben.

"Die Ausstellung möchte nicht unverrückbare Wahrheiten auf den Tisch legen oder gar von oben herab belehren. Sie möchte ermutigen, spielerisch mit diesen Stelen umzugehen, sich zu fragen, mit welchen Wörtern tue ich mir schwer, welche Wörter sind mir besonders wichtig. Welche sind Säulen für mich unverzichtbar im Leben?", sagte Pfarrer Stefan Mai in seiner Eröffnungsrede.

Gemeinsam ein Portal gebaut

Ein schönes Beispiel, wie man mit den Stelen umgehen kann, lieferten Bischof Franz Jung und Landrat Florian Töpper. Jung hatte sich die Stele "Jesus/Herausforderung" gewählt, Töpper die Stele mit "Freiheit/Erlösung". Um gemeinsam suchte man sich dann die Stele "Schuld/Verantwortung", um daraus ein Portal zu bauen.

Landrat Florian Töpper und Bischof Franz Jung bauten gemeinsam aus drei Stelen ein Portal.
Landrat Florian Töpper und Bischof Franz Jung bauten gemeinsam aus drei Stelen ein Portal. Foto: Klaus Vogt

Die Designer Tina Westendorf und Jochen Tratz (Büro Frankfurter 5) sagten, die Ausstellung solle bewusst nicht alltäglich sein. Ziel sei es, auch Kirchenferne anzusprechen. Die Besucher sollen sich selbst einbringen mit ihren eigenen Erfahrungen und Haltungen zu den vorgestellten großen Worten. Dabei sei es möglich, die Aussagen auf den einzelnen Schaumstoff-Stelen im wahrsten Sinne des Wortes zu "besetzen" und zu "belegen".

Die Kirche habe sich gerade jetzt in der Corona-Zeit viele Gedanken gemacht, wie man die Leute trotzdem erreichen könne, erklärte Bischof Franz Jung in seinem Grußwort. Man habe dies zum Beispiel mit dem Streamen von Gottesdiensten versucht. Doch bei der Frage, was letztlich effektiv sei, habe sich herauskristallisiert, dass nicht eine stundenlange Übertragung eines Gottesdienstes aus einer Kirche die Menschen anspreche, sondern eher die kleinen Video-Impulse von "draußen in der Umwelt, raus aus der Kirche." 

Besucher entscheidet selbst

Auch bei dieser interaktiven Schau "Was uns angeht" könne der Besucher selbst entscheiden, was für ihn relevant sei, so der Bischof. Der Betrachter selbst könne festlegen, mit welcher Tiefe er in die Texte eintauchen will oder mit welcher Oberflächlichkeit. Die Zeit des Katechismus-Unterrichts sei vorbei, die Glaubensvermittlung müsse heutzutage über die Lebenserfahrung gehen. 

Landrat Florian Töpper hatte, auch in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Trägervereins des Steigerwaldzentrums, eingangs die Gäste begrüßt. Der Oberschwarzacher Bürgermeister Manfred Schötz bat den Bischof und die Ehrengäste, sich ins Goldene Buch der Marktgemeinde einzutragen.

Die Ausstellung ist nun bis zum 13. September noch in Handthal zu sehen, ehe sie auf Wanderschaft geht. Sie wird dann auch in Gerolzhofen im großen Saal des Pfarrer-Hersam-Hauses Station machen.

Die Ausstellungsmacher

Dr. Dietmar Kretz ist Studienleiter der Domschule Würzburg und insbesondere in Gerolzhofen bekannt, weil der promovierter Theologe zum Kreativ-Team des großen Wandeltheaters "Luther, Echter - Du musst dran glauben" gehörte und dann als Organisationsleiter für den Spielort "Hexenverfolgung" in der Alten Amtsvogtei die Verantwortung für den reibungslosen Ablauf trug.
Domkapitular Dr. Helmut Gabel, ehemals Kaplan in Gerolzhofen, war von 1998 mit Ernennung zum Ordinariatsrat bis Januar 2020 mit Erreichen des 65. Lebensjahres der Leiter der Hauptabteilung "Außerschulische Bildung" im Bischöflichen Ordinariat Würzburg und Leiter des Burkardushauses. Gabel wirkt noch als Hochschulreferent.
Pfarrer Stefan Mai ist der Leiter der Pfarreiengemeinschaft St. Franziskus am Steigerwald und Initiator zahlreicher Ausstellungen und Projekte.
Quelle: kv

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