Grettstadt

Gut Deutschhof setzt auf Erbsen und auf Bio

Leguminosen wie Bohnen oder Erbsen geben dem Ackerboden etwas zurück. Das Gut Deutschhof schätzt die Erbse nicht nur als Bio-Gemüse sondern auch als Stickstoff-Spender.
Auch wenn Großmaschinen wie dieser Mähdrescher bei der Ernte zum Einsatz kommen, achtet der Landwirt darauf, dass der Boden möglichst wenig verdichtet wird, weshalb dieses Fahrzeug vorn mit Raupenlaufwerk ausgestattet ist.
Auch wenn Großmaschinen wie dieser Mähdrescher bei der Ernte zum Einsatz kommen, achtet der Landwirt darauf, dass der Boden möglichst wenig verdichtet wird, weshalb dieses Fahrzeug vorn mit Raupenlaufwerk ausgestattet ist. Foto: Peter Volz

Deutschhof ist nicht nur ein Stadtteil von Schweinfurt, sondern auch ein landwirtschaftliches Gut der Hospitalstiftung Schweinfurt im Landkreis. 2010 übernahm Martin Eltschka die Pachtung des Betriebes und stellt ihn derzeit auf Bio-Landbau um. Die zweijährige Umstellungsphase endet gerade und ab 2021 darf Eltschka seine landwirtschaftlichen Produkte als anerkannte Bio-A-Ware vermarkten.

Eine wichtige Pflanze des Deutschhofs ist die Felderbse, die auf 25 Hektar in Reinkultur angebaut wird. Hinzu kommt noch der Mischanbau mit Erbsen, Lupinen, Soja und Luzerne.  

Gründe für den verstärkten Erbsenanbau

Erbsen sind wie die Wicken, Lupinen, Soja und Bohnen Leguminosen, die mithilfe von Knöllchenbakterien an den Wurzeln Luftstickstoff binden und somit für eine Anreicherung des Bodens sorgen. Einen Teil nutzen sie selbst, den größten Teil aber hinterlassen sie für die nachfolgenden Pflanzen: zwischen 20 bis 40 Kilogramm Stickstoff je Hektar. Nicht selten wird deshalb die Felderbse auch als Zwischenfrucht ausgesät, um für eine bessere Bodenstruktur und Stickstoffspeicherung zu sorgen und dem Austrocken der Böden entgegen zu wirken.

Martin Eltschka freut sich über voraussichtlich gute Erträge bei den Sommer-Felderbsen, nachdem die Winterfrucht fast völlig ausgefallen ist.
Martin Eltschka freut sich über voraussichtlich gute Erträge bei den Sommer-Felderbsen, nachdem die Winterfrucht fast völlig ausgefallen ist. Foto: Peter Volz

Ein weiterer Grund ist die Erweiterung der Fruchtfolge. Während der konventionelle Landbau das Auftreten von pflanzlichen und tierischen Schädlingen durch entsprechende chemische Hilfsmittel verhindert, reduzieren Bio-Landwirte das Auftreten von Schädlingen durch die Erweiterung der Fruchtfolge auf fünf und mehr Jahre.

Ernte der Felderbsen

Früher konnte man Felderbsen nur auf möglichst steinfreien Ackerflächen anbauen, da sie sich oft nur 10-20 cm über den Boden erhoben und eine Ernte mit dem Mähdrescher sehr problematisch war. Neuzüchtungen tragen dazu bei, dass die Felderbse heute bis zu 70 cm hoch wächst und von daher viel besser geerntet werden kann. Martin Eltschka überlässt das Ernten seiner Felderbsen einer Fremdfirma, da sich die Anschaffung einer eigenen Erntemaschine nicht rechnet.

Eiweißreiche Tiernahrung und zertifiziertes Saatgut

Felderbsen sind neben Soja und Bohnen ein wichtiger Eiweißlieferant für die Viehhaltung. Deshalb verkauft der Deutschhof einen Teil der geernteten Erbsen an den Futtermittelhandel, der die Erbsen teils schrotet und mit anderen Futtermitteln mischt. Besonders Bio-Tierhaltungen setzen Erbsen sehr gerne ein. Das Gut verfügt über eine eigene Trockenanlage und entsprechende Lagerkapazitäten, wodurch Eltschka die Felderbsen ebenso wie zahlreiche andere Saatgüter trocknen und lagern kann. Abnehmer sind der Bioland-Konzern Berlin oder auch die Bayerische Futtersaatbau in Schwebheim.

Erbsen sind nicht wählerisch

Die Erbsen benötigen einerseits genügend Wasser, um keimen zu können, verhindern aber bei vollem Aufwuchs ein schnelles Austrocknen des Bodens. Wie die Lupinen besitzen Felderbsen ein gut entwickeltes Wurzelsystem und können so die Bodenschichten lockern und das Bodengefüge in den oberen Schichten verbessern. Sind die Pflanzen erst mal hochgewachsen, bevorzugen sie Wärme, um viel Stickstoff einlagern zu können. Als Ausgleich sind sie in der Keimphase mit wenig Wärme zufrieden, da genügen schon ein paar Grad knapp über Null.

Martin Eltschka führt das Gut Deutschhof seit 2010 und kann in diesem Jahr die Umstellung auf Bio-Anbau abschließen.
Martin Eltschka führt das Gut Deutschhof seit 2010 und kann in diesem Jahr die Umstellung auf Bio-Anbau abschließen. Foto: Peter Volz

Die Felderbse hat schon mal einen Boom erlebt, war dann aber etwas in Vergessenheit geraten. 2016 erreichte sie mit 16 417 Hektar einen neuen Höchststand und ist auch aktuell gut vertreten, besonders im Schweinfurter Land und beim Bio-Landbau. Laut Heinz-Dieter Hofmann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt waren es 2019 im Landkreis 625 Hektar mit Erbsen, 235 Hektar mit Ackerbohnen und 293 Hektar mit Sojabohnen.

Das Gut Deutschhof

1972 zog das Gut Deutschhof aus der Stadt Schweinfurt nach Grettstadt und baute dort zunächst eine Maschinenhalle, später auch ein Wohnhaus und verschiedene Nebengebäude. Zuvor hatte die Hospitalstiftung als Eigentümerin landwirtschaftliche Nutzflächen von über einhundert Hektar erworben, die im Zuge der damaligen Flurbereinigung zusammengelegt wurden. Lag die Verantwortung vor dem Umzug und bis 1986 in den Händen von Marlies Leiser, so pachtete Maximilian Schmailzl den Gutshof von 1986 bis 2010.

Das Saatgut für die Phazelia (Bienenweide) liefert der Deutschof an die Bayerische Futtersaatbau.
Das Saatgut für die Phazelia (Bienenweide) liefert der Deutschof an die Bayerische Futtersaatbau. Foto: Peter Volz

Damals gehörten konventionell bewirtschaftet Winterweizen, Wintergerste, Sommergerste, Winterraps und Sonnenblumen zur Produktpalette, Hauptabnehmer war die BayWa. Martin Eltschka, zunächst Mitarbeiter des Gutes, übernahm 2010 die Verantwortung für den inzwischen auf 250 Hektar angewachsenen Betrieb. Er pachtete weitere einhundert Hektar dazu und setzte immer stärker auf die Saatguterzeugung. Seit 2018 befindet sich der Gutshof in der Umstellungsphase zum Bio-Anbaubetrieb.

Mischkultur mit Felderbsen, anderen Leguminosen und Gerste.
Mischkultur mit Felderbsen, anderen Leguminosen und Gerste. Foto: Peter Volz

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