Lülsfeld

Innenentwicklung: "Müssen schauen, dass die Besitzer selbst aktiv werden"

Thomas Heinrichs wurde im März zum neuen Bürgermeister der Gemeinde Lülsfeld gewählt. Im Interview mit der Main-Post spricht er über seine ersten Monate im Amt.
Lülsfelds Bürgermeister Thomas Heinrichs
Foto: Andreas Lösch | Lülsfelds Bürgermeister Thomas Heinrichs

Im März gewählt, im Mai vereidigt: Thomas Heinrichs ist der neue Bürgermeister von Lülsfeld und Schallfeld. Sein Vorgänger Wolfgang Anger war nicht mehr zur Wahl angetreten, Nachfolger Heinrichs ist zwar neu im Amt, kennt aber die Gemeinde aus 18 Jahren Gemeinderatsarbeit bestens. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit bekam er die Wucht der Medien zu spüren, als die Main-Post über die umstrittene Gemeinschaft "Go & Change" berichtete, die im ehemaligen Lülsfelder Kloster eingezogen ist. Abgesehen davon hatte es der Bürgermeister mit den klassischen Themen zu tun, die ländliche Kommunen nun mal so bewegen. Im Gespräch mit der Main-Post erklärt Thomas Heinrichs, wie es ihm in den vergangenen Monaten ergangen ist.

Frage: Herr Heinrichs, Sie sind seit dem 1. Mai Bürgermeister der Gemeinde Lülsfeld. Wie haben Sie sich eingelebt?

Thomas Heinrichs: Zunächst mal bin ich erschrocken, wie schnell die ersten paar Monate vorbeigegangen sind. Ich habe mich aber in dieser Zeit sehr gut eingelebt, was mir relativ leicht gefallen ist, da ich hier ja bereits 18 Jahre Gemeinderatserfahrung habe. Ich bin sehr gut in den Job reingekommen.

Im Hauptberuf sind Sie Projektmanager und müssen über Wochen, Monate, gar Jahre Prozesse begleiten, Konzepte erarbeiten, anpassen, Mitarbeiter führen, Entwicklungen im Blick behalten und am Ende bestimmte Ziele erreichen. Inwiefern kommt Ihnen Ihre Berufserfahrung bei der Aufgabe als Bürgermeister zugute?

Heinrichs: Die Kunst als Projektmanager ist es, Arbeit und Zeit gut einzuteilen. Auch ist es hilfreich, dass ich gut koordinieren und den Überblick behalten kann. Beides liegt mir. Wichtige Fragen sind zum Beispiel: Zu welchem Zeitpunkt wird etwas gebraucht in der Gemeinde, wie lässt es sich umsetzen?

Als Sie als Bürgermeisterkandidat antraten und erklärten, wie Sie Lülsfeld und Schallfeld voranbringen wollen, haben Sie „Innenentwicklung“ und „Dorfgestaltung“ als die wichtigsten Schlagworte genannt. Was konnten Sie hier bereits konkret anstoßen?

Heinrichs: Dadurch, dass viele Dörfer und Gemeinden neue Baugebiete ausweisen, kommt es dazu, dass die Innenentwicklung vernachlässigt wird oder der Dorfkern veraltet. Das soll jetzt meine Aufgabe sein die nächsten sechs Jahre, dass wir einfach auch die Ortskerne in Schallfeld und Lülsfeld verbessern. Da laufen gewisse Maßnahmen, etwa die Gehwegsanierung, die ich bei meinem Amtsantritt übernommen habe. Auch sollen gestalterische Elemente die Ortskerne aufwerten. Wir haben zwei Grünflächen angelegt und auch die Idee aus dem vergangenen Jahr zum „Liliendorf Lülsfeld“ umgesetzt, indem wir im Ort ein Lilienfeld gestaltet haben. Das soll auch in Schallfeld geschehen. Dort ist der Dorfplatz immer wieder mal in der Diskussion, das möchte ich auch zum Abschluss bringen.

Bei der Innentwicklung geht es vermutlich um Altbausanierung. Sie sagten aber auch, dass es in Lülsfeld ein Neubaugebiet geben soll. Steht sich das nicht im Weg?

Heinrichs: Auch wir sind jetzt angehalten, ein Neubaugebiet zu erschließen. Ich werde natürlich schauen, dass das in einem gleichmäßigen Verhältnis geschieht, also dass Flächen im Außenbereich da sind für Neubaugebiete, aber vielleicht ist es auch möglich, Flächen zu schaffen im Innenort, was schwierig ist, weil viele Flächen in Privatbesitz sind. Da müssen wir schauen, dass die Besitzer innerorts selbst aktiv werden, etwa wenn es darum geht, Häuser zu sanieren oder - wenn Freiflächen da sind - dass diese zum Verkauf angeboten werden. Diese Entwicklung voranzubringen, dass schreibe ich mir auf die To-do-Liste, damit man mich dann auch messen kann in sechs Jahren.

Geht es darum, dass Lülsfeld wachsen kann, also mit Zuzug von außen?

Heinrichs: Es soll so sein, dass die Bevölkerung oder die jungen Leute, die in Lülsfeld aufgewachsen sind, auch in Lülsfeld die Möglichkeit haben, ein Haus zu bauen, eine Familie zu gründen. Egal, ob das jetzt im Altort ist oder im Neubaugebiet. Die Priorität liegt nicht auf Zuzügen von außen, wenngleich die selbstverständlich auch willkommen sind, aber zunächst geht es darum, dass Möglichkeiten da sind für die eigene Bevölkerung.

Sie sprachen vor Ihrer Wahl und angesichts des Klimawandels auch von dem Projekt „Wald mit Zukunft“. Wie kann eine Gemeinde dazu beitragen, ihren Wald fit zu machen für die Veränderungen, die der Klimawandel mit sich bringt?

Heinrichs: Wir haben vor einigen Wochen die letzten Fichten und Kiefern, zwei Baumarten, denen der Klimawandel in den vergangenen Jahren sehr zugesetzt hat, aus unserem Wald in Schallfeld herausgeholt, das waren 170 Festmeter ungefähr. Da ist jetzt eine Freifläche entstanden mitten im Wald. Da geht es darum, auf andere Baumarten umzusiedeln und wieder aufzuforsten. Das ist eine Möglichkeit, auf die Klimaveränderung zu reagieren. Dazu werde ich mir Fachinformationen einholen und das mit dem Gemeinderat besprechen. Wir haben zwei Wälder, einen in Lülsfeld von etwa 20 Hektar Größe und einen in Schallfeld mit einer Größe von 60 Hektar. Fichten und Kiefern hat die Trockenheit und damit einhergehend der Borkenkäfer sehr zugesetzt, Eichen und Buchen stehen momentan noch ganz gut da.

Der Gemeinderat hat sich ziemlich erneuert dieses Jahr: Es gibt fünf neue Mitglieder und Sie führen dieses Gremium als neuer Bürgermeister an. Wie wirkt sich dieser Umbau auf die Gemeindepolitik aus?

Heinrichs: Der Gemeinderat ist jünger geworden. Aber es ist eine gute Zusammenarbeit. Es gibt natürlich verschiedene Meinungen, aber am Ende des Tages haben wir bis jetzt immer gute Entscheidungen getroffen.

Gleich zu Beginn Ihrer Amtszeit ging es in die Vollen, zumindest aus medialer Sicht: Die Main-Post berichtete Ende Mai über die Gemeinschaft „Go & Change“, die das frühere Kloster „Maria Schnee“ in Lülsfeld gekauft und bezogen hat. Ehemalige Mitglieder erheben schwere Vorwürfe gegenüber „Go & Change“, sie sprechen von Psychodruck, Gehirnwäsche und sexualisierter Gewalt hinter den Klostermauern. Wie gingen Sie mit der medialen Aufmerksamkeit um und hatte Sie seitdem Kontakt mit den Klosterbewohnern?

Heinrichs: Einige Mitglieder von Go & Change sind in der Musikkapelle aktiv und im Sportheim sind auch immer mal ein bis zwei Personen. Es ist ein ganz normaler Austausch. Gespräche wie mit jedem anderen Bürger genauso.

Was halten Sie von der Gemeinschaft Go & Change?

Heinrichs: Wie gesagt, ich kenne einige der Klosterbewohner, weil sie am gemeinschaftlichen Leben teilnehmen. Wie die Lebensgemeinschaft konkret ihren Alltag im Kloster gestaltet, das weiß ich nicht. Das weiß man bei keinem privaten Gebäude, was hinter den Mauern passiert. Ansonsten weiß ich nur das, was ich in der Presse gelesen habe. Mehr ist auch nicht an mich herangetragen worden.

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