SCHWEINFURT

Jung san ma, fesch san ma

Das Schwarzwaldmädel: Szene aus der Operettengala.
Foto: Operettenbühne Hellberg | Das Schwarzwaldmädel: Szene aus der Operettengala.

Die Handvoll nicht abgeholter Karten für Heinz Hellbergs neue Operetten-Gala „Wien, Wien nur du allein“ am Sonntag war heiß umkämpft. Operette ist in, besonders wenn der Tausendsassa Hellberg mit seiner Operettenbühne Wien zu Gast ist. Das kommt nicht von ungefähr. Hellberg hat sich – sagen wir es etwas pathetisch – während seines gesamten Berufslebens um die Operette verdient gemacht: Durch spritzige Produktionen und vorher als Sänger und Schauspieler an der Wiener Volksoper, immer hat er erfolgreich für dieses beliebte Genre der leichten Muse geworben.

Das Orchester hat auf der Bühne Platz genommen, und präsentiert sich gleich mit der Ouvertüre zu „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauss von seiner besten Seite. Vorzüglich die Holzbläser und das Oboensolo von Dimitar Markov. Dann übernimmt Dirigent Hellberg die Conférence – charmant und manchmal bissig, wenn er aus der Schule des Theaters plaudert. Seine Karikaturen verschiedener Dirigenten-Typen oder eines gelangweilten Theaterbesuchers sind treffsicher und amüsant.

Mit einer Szene aus Leon Jessels „Schwarzwaldmädel“ stellt sich das große Solisten-Ensemble vor, Auftakt eines funkelnden Feuerwerks aus 30 der schönsten Operettenmelodien, Sketchen, Parodien und Wiener Liedern mit einer Original Schrammelmusik. Das Publikum ist hellauf begeistert, die Stimmung steigt, die Künstler werden mit Beifall verwöhnt.

Zu Recht. Tenor Stefan Reichmann verfügt über eine hell strahlende Stimme mit mühelosen Höhen. Er ist „Der flotte Geist“ aus Johann Strauss' „Zigeunerbaron“, liebt den „Chiantiwein“ und die Frauen, egal „ob blond, ob braun“. Und er ist ein Romantiker. Zusammen mit der Sopranistin Susanne Hellberg schwärmt er „Es muss was Wunderbares sein“ und „Mein Liebeslied muss ein Walzer sein“.

Victor Schilowsky ist in Stimme und Spiel der gemütlich-polternde Schweinezüchter Zsupán, dem nur eines schwerfällt: „Ja, das Schreiben und das Lesen“. Verena te Best erhöht den Ruhepuls der Senioren mit ihrem koketten Geständnis „Meine Lippen die küssen so heiß“ – zusammen mit Russi Nikoff versinkt sie in Walzerseligkeit in „Lippen schweigen“. An die Vergänglichkeit allen Glücks erinnert Christian Müller mit seinem eindringlichen „Auf der Heide blühn die letzten Rosen“.

Mit Angela Wandrascheck betritt eine strahlende Sängerin die Bühne, sie meistert die gefürchtete Koloratur-Arie „Mein Herr Marquis“ aus der „Fledermaus“ mit makelloser Bravour. Später gewinnt sie mit einem schlicht gesungenen „Im Prater blüh‘n wieder die Bäume“. Damit sind wir im zweiten Teil mit den Wiener Liedern, in dem Hellberg in zwei Couplets sein großes komödiantisches Können beweist: Mit seinem ausgelassenem „Stiller Zecher“, aber vor allem mit einem nachdenklich-berührenden „Fiaker-Lied“. Und Susanne Fugger, pardon jetzt Hellberg, toppt das Ganze mit ihrem umwerfenden „Schwipserl Lied“.

Anita Tauber und Victor Schilowsky blasen mit „Jung sa ma, fesch sa ma“ zum Finale. Hatte das Publikum bei den Evergreens bisher nur gschamig mitgesummt - nun hat es sich eingesungen: Aus vielen hundert Kehlen erklingt „Jetzt trink'n ma noch a Flascherl Wein“ und „Sag beim Abschied leise Servus“. Riesenapplaus. Der erfahrene Entertainer Heinz Hellberg und seine vorzügliche Wiener Truppe haben wieder einmal gewonnen. Manfred Herker

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