Unterspiesheim

Kein Platz für Extremisten

Protest bei Kaffee und Kuchen: Kolitzheims 2. Bürgermeister Martin Mack rief in der Hauptstraße von Unterspiesheim zum Widerstand gegen Fremdenfeindlichkeit und Extremismus auf.
Foto: Rainer Ullrich | Protest bei Kaffee und Kuchen: Kolitzheims 2. Bürgermeister Martin Mack rief in der Hauptstraße von Unterspiesheim zum Widerstand gegen Fremdenfeindlichkeit und Extremismus auf.

Ein von der rechtsgerichteten Splitterpartei „Die Rechte“ in der Unterspiesheimer Hauptstraße geplanter Info-Stand hat am Freitagnachmittag rund 200 Gegendemonstrationen auf den Plan gerufen. Von den Rechten ließ sich aber niemand sehen.

„Die Rechte“ wollte eigentlich zwischen 14 und 16 Uhr Informationsmaterial verteilen und hatte dazu im Vorfeld bei der Gemeinde Kolitzheim einen entsprechenden Antrag eingereicht. Dieser Antrag genügte allerdings nicht den formalen Mindestanforderungen, wie der Bürgermeister der Großgemeinde Kolitzheim, Horst Herbert, der Main-Post bestätigte. Der auffälligste formale Mangel: Der Antrag war nicht unterschrieben. Man habe die Partei auf den Formfehler hingewiesen, so Herbert. Spätestens bis Freitagmittag, 12 Uhr, hätte für die Antragsteller noch die Möglichkeit bestanden, direkt in der Gemeindeverwaltung den Formfehler zu heilen und den Bescheid dann gleich abzuholen. „Doch es kam niemand.“

Somit zeichnete sich schon ab, dass die „Rechte“ wohl auf ihren Info-Stand verzichten würde. Trotzdem versammelten sich um 14 Uhr rund 200 Gegendemonstranten in der Hauptstraße, darunter Vertreter der Kirchen, der großen Parteien und der Gewerkschaften. Das Aktionsbündnis „Stammheim ist bunt“ hatte dazu aufgerufen und sich die Versammlung auch genehmigen lassen.

2. Bürgermeister Martin Mack aus Unterspiesheim zeigte sich erfreut, dass so viele Leute zu der spontan organisierten Versammlung gekommen waren. Extremisten würden keinen Platz haben in der Gemeinde, nationalsozialistisches Gedankengut werde keinen Nährboden finden. „Wir sind gegen die Ausgrenzung von Menschen anderer Hautfarben, Nationalität und Religionen“, sagte Martin Mack.

Pfarrer Thomas Amrehn betonte, auch im Namen seines ebenfalls anwesenden evangelischen Amtsbruders Georg Salzbrenner aus Zeilitzheim, „Parolen, Vorurteile, Hass und Revanchismus“ hätten hier nichts verloren. Amrehn überbrachte auch die Grüße des Generalvikars der Diözese Würzburg, Thomas Kessler. Der Generalvikar habe extra angerufen und die spontane Versammlung ausdrücklich gutgeheißen sowie sich ausdrücklich bei allen Gegendemonstrationen für ihren Einsatz bedankt.

Man müsse aber auch in der Zukunft weiter für den Widerstand gegen Rechtsradikale gerüstet sein, betonte der Pfarrer. Man werde einen langen Atem brauchen. „Denn es wird länger dauern.“ In dem Umstand, dass die „Rechte“ einen Informationsstand beantrage und dann nicht erscheine, sieht Amrehn eine Art von „Provokationstaktik“, um den bürgerlichen Widerstand mit der Zeit zu ermüden.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Kathi Petersen sagte: „Es ist toll, dass sich in so kurzer Zeit so viele versammelt haben.“ Es sei außerordentlich wichtig, gerade jetzt, wo so viele Menschen auf der Flucht nach Deutschland kommen, gegen Rechtsradikale aufzutreten.

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