SCHWEINFURT

„Kein Spiel mit Restrisiko“

Erinnerung an die Atomkatastrophe in Tschernobyl: In ganz Bayern haben die Bündnisgrünen Großflächenplakate aufgehängt, auf denen vor der Verharmlosung des Begriffs Restrisiko gewarnt wird. In Schweinfurt hängt es am Oberen Marienbach, im Bild (von links) von der Grünen Jugend Benjamin Warmuth, Michael Mühl und Jonathan Baumgärtner sowie MdL Simone Tolle.
Foto: Waltraud Fuchs-Mauder | Erinnerung an die Atomkatastrophe in Tschernobyl: In ganz Bayern haben die Bündnisgrünen Großflächenplakate aufgehängt, auf denen vor der Verharmlosung des Begriffs Restrisiko gewarnt wird.

Mit Großflächenplakaten erinnern die Bündnisgrünen in ganz Bayern an den 25. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Das Schweinfurter Protestplakat hängt an einer Werbewand zwischen Filmwelt und Rückert-Center an der Ringstraße Oberer Marienbach und wurde am Montag unter anderem von Landtagsabgeordneter Simone Tolle (Arnstein), Birgid Röder (Gerolzhofen) und den Aktiven der grünen Jugend Schweinfurt, Benjamin Warmuth, Jonathan Baumgärtner und Michael Mühl „enthüllt“. Das Grüne Nachwuchstrio hatte Strahlenschutzanzüge übergestreift.

Am 26. April 1986 ereignete sich im russischen Atomkraftwerk Tschernobyl der bis zu diesem Zeitpunkt folgenschwerste Unfall in der zivilen Nutzung der Kernenergie, erinnerte Tolle. Bis heute habe der GAU von Tschernobyl tausende von Todesopfern gefordert. Die Todeszone von Tschernobyl ist seither unbewohnbar.

Doch auch in Bayern seien noch heute Spätfolgen der radioaktiven Wolke vorhanden: Insbesondere Wildfleisch und Pilze sind auch 25 Jahre nach dem GAU „hochgradig mit atomaren Spaltprodukten wie Cäsium belastet“. Der Unfall im japanischen Fukushima werde mittlerweile auf der internationalen Bewertungsskala für Atomunfälle auf die gleiche Stufe gestellt wie die Katastrophe von Tschernobyl. „Wer jetzt noch glaubt, das Restrisiko sei eine vernachlässigbare Größe, handelt absolut verantwortungslos", sagte Simone Tolle.

Die grüne MdL warnte vor einem „Spiel mit dem Restrisiko“, das ein Gesicht habe: „Das sind wir, alle Bürger, die in der Nähe des KKW Grafenrheinfeld wohnen“. Wenn es einen nicht ausschließbaren Ernstfall gebe und „wir müssten evakuiert werden, würden wir alle unsere Heimat, unsere Wohnung und unsere Freunde verlieren", sagte Tolle.

„Das Restrisiko trägt nicht E.ON, das tragen wir und wir sind nicht bereit, es auf uns zu nehmen“. Vor allen Dingen nicht, weil es in den erneuerbaren Energien Alternativen gibt, „die es auszubauen gilt“.

Tolle forderte darüber hinaus ein sofortiges Flugverbot für Kampfjets über dem AKW Grafenrheinfeld. Außerdem sei es nötig, anlässlich der jetzt stattfindenden Revision eine unabhängige Prüfkommission ins KKW zu schicken, „die sich vor allen Dingen mit dem defekten Thermorohr beschäftigt“. Das wären erste Zeichen für uns, dass es die „Bundesregierung ernst meint.“

Das Plakat bleibt zehn Tage hängen. Tolle und Co. riefen beim Medientermin außerdem zur Teilnahme am Tschernobyl-Tag am Ostermontag in Bergrheinfeld auf.

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