Gerolzhofen

Kein Weinfest-Ausgleich für die Gerolzhöfer Vereine

Die CSU ist mit ihrer Idee gescheitert, den freigewordenen städtischen Weinfest-Zuschuss anteilig an Vereine weiterzugeben, die unter der Corona-Pandemie leiden.
Auch der Tennisclub Rot-Weiß gehört zu den Vereinen, die beim Gerolzhöfer Weinfest ausschenken. Die Einnahmen sind im Jahresetat fest eingeplant gewesen.
Auch der Tennisclub Rot-Weiß gehört zu den Vereinen, die beim Gerolzhöfer Weinfest ausschenken. Die Einnahmen sind im Jahresetat fest eingeplant gewesen. Foto: Archivbild Norbert Finster

Der Vorstoß der CSU-Stadtratsfraktion, den Gerolzhöfer Vereinen, die aufgrund der Corona-Pandemie mit finanziellen Einbußen zu kämpfen haben, eine finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen, ist gescheitert. Der von Christian Ach - im Stadtrat ist er der Referent für Sport und Vereine -  vorgetragene Antrag wurde mit deutlicher Mehrheit abgeschmettert.

Ach sagte, der Vorschlag sei auch als eine Würdigung der örtlichen Vereine zu sehen. Die zwei größten Gerolzhöfer Vereine, der TV und der FC,  hätten unter den Folgen der Pandemie finanziell zu leiden. Neben den ausgefallenen Zuschauereinnahmen bei den Spieltagen würden ihnen vor allem die fünfstelligen Einnahmen aus dem nicht stattfindenden Weinfest 2020 fehlen. Gleiches gelte auch für den Tennisclub Rot-Weiß. Aber auch zahlreiche andere Vereine in der Stadt hätten momentan zu kämpfen.

Höchstbetrag von 1000 Euro

Die CSU argumentierte so: Die Stadt Gerolzhofen bezuschusse das alljährliche Weinfest unter anderem auch deshalb, weil sie die Vereine, die dort durch Verkäufe und Ausschank ihre Kassen aufbessern, unterstützen will. Da die im Haushalt dafür eingeplanten Mittel wegen der Absage des Weinfests heuer nicht benötigt werden, sollte die finanzielle Unterstützung der am Weinfest beteiligten Vereine nach dem Willen der CSU nicht ersatzlos wegfallen, sondern vielmehr sogar auf alle Gerolzhöfer Vereine ausgedehnt werden. Das Hilfspaket sollte ein Volumen haben von 75 Prozent des Defizits, mit denen das Gerolzhöfer Weinfest im vergangenen Jahr den Stadthaushalt belastet hat.

Die Verteilung der Gelder sollte auf einen Höchstbetrag von 1000 Euro pro Verein begrenzt sein. Die CSU hatte mehrere Voraussetzungen an die Vergabe der Fördergelder geknüpft. Unter anderem hätten die Vereine schlüssig begründen sollen, welche Einnahmen aufgrund der Corona-Pandemie in der Vereinskasse fehlen, für welche Zwecke die Förderung ausgegeben werden soll und welche Möglichkeiten die Vereine sehen, durch "neue Wege" die ausgefallenen Einnahmen zumindest zum Teil selbst zu generieren.

Gegen ein Gießkannen-Prinzip

Eine pauschale Förderung nach dem Gießkannen-Prinzip sei der falsche Ansatz, hielt dem Günter Iff für die Fraktion der Freien Wähler entgegen. Förderung und Unterstützung müssten immer fallbezogen sein. Der Betrag von 1000 Euro als Höchstfördersatz gehe an der aktuellen Situation der Vereine vorbei. "Ein großer Verein mit eigenen Gebäuden oder Anlagen, die er selbst bewirtschaften und unterhalten muss, hat einen vielfach höheren Bedarf als ein kleiner Verein, der sich in einer Gaststätte trifft und seine Verbandsumlage nicht mehr bezahlen kann." Man müsste die Vereine unterstützen, die ein Ausgabenproblem haben und nicht die, denen die Einnahmen weggefallen sind.

Vier Tage lang schenkt normalerweise auch der FC Gerolzhofen beim Marktplatzweinfest aus. Diese Einnahmen fehlen in diesem Jahr.
Vier Tage lang schenkt normalerweise auch der FC Gerolzhofen beim Marktplatzweinfest aus. Diese Einnahmen fehlen in diesem Jahr. Foto: Archivbild Norbert Finster

Es sei außerdem falsch, die großen Vereine mit mehreren Unterabteilungen auf die gleiche Ebene zu stellen wie ein kleiner Verein ohne Unterabteilung. Ein großer Verein müsste seine maximal 1000 Euro auf vielleicht zehn Sparten aufteilen. "Das ist nicht sinnvoll und nicht zustimmungsfähig", so Iff. Außerdem sei die Stadt Gerolzhofen selbst von der Pandemie massiv betroffen und müsse Kredite aufnehmen. "Geld, das wir nicht haben, sollten wir besser nicht ausgeben, sondern einsparen."

Breite Ablehnung

Ablehnung für den CSU-Antrag kam auch von der Fraktion Geo-net. Thomas Vizl sagte, die Vereine seien sehr wichtig. Wenn sie in eine finanzielle Notlage gekommen seien, dann sollten sie sich an die Stadt wenden, wo man gemeinsam nach Wegen suchen könne, dem Verein zu helfen. Ein Gießkannen-Prinzip wie von der CSU vorgeschlagen, das müsse man aber ablehnen.

2. Bürgermeister Erich Servatius bezeichnete für die SPD-Fraktion den Antrag der Christsozialen zwar als "gut gemeint". Die Stadt solle aber nicht wegen fehlender Einnahmen helfen, sondern nur dann, wenn die laufenden Ausgaben nicht zu schultern sind.

Enttäuschte CSU

CSU-Fraktionsvorsitzender Arnulf Koch reagierte angesichts der breiten Ablehnung recht schmallippig. "Alle wollen gerne helfen, aber nicht wenn's an den Geldbeutel geht." Jeder Verein in Gerolzhofen habe massive Probleme, wisse er aus eigener Erfahrung. Natürlich sei die angedachte Hilfe nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber jede Hilfe sei wichtig und willkommen. Es sei zudem ein Zeichen, "der Stadtrat steht hinter euch". 

Bei der Abstimmung hoben dann allerdings nur die fünf anwesenden CSU-Stadträte und Bürgermeister Thorsten Wozniak die Hand für den CSU-Antrag. Alle anderen elf Damen und Herren des Gremiums stimmten dagegen.

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