Schweinfurt

Keine Chance für rechte Hetzer

Am Schillerplatz demonstrierte die Gruppe Schweinfurt wehrt sich. Gegendemonstranten machten ihre Meinung deutlich.
Foto: Josef Lamber | Am Schillerplatz demonstrierte die Gruppe Schweinfurt wehrt sich. Gegendemonstranten machten ihre Meinung deutlich.
Symbolbild Schweinfurt ist bunt
Foto: Hannes Helferich | Symbolbild Schweinfurt ist bunt

Etwa 50 Rechte – die wenigsten aus Schweinfurt – haben am Samstag auf dem Schillerplatz gegen Flüchtlinge, das „Merkelregime“ und „Lügenmedien“ gewettert. Zehnmal so viele Menschen – nach Polizeiangaben rund 500 – demonstrierten auf dem Zeughausplatz für Toleranz, Mitmenschlichkeit und das Menschenrecht auf Asyl.

Mehrere Hundert von ihnen zeigten den Rechten dann am Schillerplatz mit „Nazis raus“-Rufen und fast durchgängigen Pfeifkonzerten, dass sie mit Flüchtlingsfeindlichkeit und ihren Hassparolen im weltoffenen Schweinfurt nichts verloren haben.

"Die Nazis agieren heute nicht nur mit Worten"

Marietta Eder wies bei der Demo von „Schweinfurt ist bunt“ darauf hin, dass die Betreiberin der Facebook-Seite „Schweinfurt wehrt sich“ und Anmelderin der rechten Kundgebung, Monique Schober, für ihren Aufruf die NPD-Adresse angab und selbst NPD-Mitglied sei. „Besorgte Bürger“ seien am Schillerplatz nicht zu erwarten.

Lesen Sie hier einen Kommentar von Stefan Sauer

„Die Nazis agieren heute ja nicht mehr nur mit Worten, sondern immer öfter mit Taten, indem sie Flüchtlinge angehen und Unterkünfte anzünden." Offiziell gehe es bei der Kundgebung der Rechten ja um die Zukunft unserer Kinder, so Eder. „Ich möchte nicht, dass unsere Kinder mit Hass, Rassismus und Intoleranz aufwachsen.“

Seit dem 1. Mai 2010, als sich 10 000 Menschen in Schweinfurt einem Neonazi-Aufmarsch entgegengestellt hatten, habe sich in der Region viel verändert, sagte Landrat Florian Töpper, auch durch den Zuzug von Asylbewerbern. Was sich aber nicht geändert habe, sei „eine Bürgerschaft, die bereit ist, Gesicht zu zeigen“ und ihre Herzen geöffnet habe für Menschen, die „aus erlebter Not und begründeter Furcht den Weg zu uns gefunden haben“.

Töpper:"Es gibt kein Meinungsdiktat zum Thema Flüchtlinge"

 

Starker Auftritt von Landrat Florian Töpper bei der Demo "Schweinfurt ist bunt".

Posted by Mathias Wiedemann on Samstag, 12. März 2016

Töpper widersprach auch der Behauptung alter und neuer geistiger und tatsächlicher Brandstifter, es gebe zum Thema Flüchtlinge ein Meinungsdiktat. Er erlebe dazu einen regen und fairen Meinungsaustausch, der aber von der Überzeugung getragen sei, dass das Grundrecht des Asyls unangreifbar sei.

Firsching: "Wir sind froh, dass wir ihnen Schutz bieten können"

„Die Menschen, die in der Erstaufnahmeeinrichtung wohnen, sind froh, dass sie nach langen Martyrien hier Schutz gefunden haben“, sagte Bündnissprecher Frank Firsching. „Wir heißen sie willkommen und sind froh, dass wir ihnen diesen Schutz bieten können“, ergänzte er unter großem Beifall. Auch Gewerkschafter dieses Landes hätten vor 85 Jahren Krieg, Verfolgung und den Verlust der Freiheit erfahren, auch weil sie sich nicht einig waren.

"Ich habe als Gewerkschafter in diesem Land die Pflicht, zu verhindern, dass es jemals wieder so weit kommt.“

Es gibt hier keine "Schmutzeleien" gegen Flüchtlinge

Es gebe Bedenkenträger wegen der Zuwanderung, die keine Nazis seien. Mit diesen lohne es zu diskutieren, so Firsching. Er persönlich sei sehr froh darüber, dass es weder im Stadtrat noch im Kreistag „Schmutzeleien gegen Flüchtlinge“ gebe. Das sei ein gutes und starkes Zeichen. Eder erinnerte an das laufende NPD-Verbotsverfahren, das notwendig sei, denn die „Nazis wollen diesen Staat zu Fall bringen“. „Ja nicht AfD wählen“, sagte sie, „egal in welcher Form Rassismus auftritt, er darf in Deutschland keine Rolle spielen.“

Dekan: "Das Asylrecht ist ein heiliges Recht"

„Das Asylrecht ist nicht nur ein unhinterfragbares Menschenrecht, es ist ein heiliges Recht“, sagte der katholische Dekan Stefan Redelberger mit Bezug auf die Bibel. Realistische Möglichkeiten, dieses umzusetzen, seien gesucht und Überforderungen müssten vermieden werden. Aber: „Barmherzigkeit kennt keine Grenzen, deswegen wehren wir uns gegen die Hasstiraden, die heute ein paar Straßen weiter gepredigt werden“, so der Dekan. Er forderte die 500 Zuhörer auf, weiterhin mutig und mitmenschlich zu sein.

Am Schillerplatz bewiesen die Rechtsextremisten selbst einmal mehr, wie wenig „Schweinfurt“ sich gegen den von ihnen behaupteten „Asylmissbrauch“ wehrt.

Zwei von vier Transparenten der Rechten aus Thüringen

Es standen nämlich kaum Schweinfurter auf ihrer Seite, und von den wenigen, die in der Wagenburg aus Polizeiautos und Absperrbändern standen, waren viele von auswärts. Vier Transparente hielten sie vor sich her – zwei davon mit Parolen aus Thüringen.

Ein Münchner Stadtrat keilt gegen Flüchtlinge, Merkel, Altparteien, "Lügenmedien"

Die Redner waren – bis auf Monique Schober, Betreiberin der „Schweinfurt wehrt sich“-Facebook-Seite (Firsching nennt die Seite einen „Hetzbetrieb“) – importiert. Insbesondere der plärrende Stadtrat aus München schwang die ganz große verbale Keule. Er beleidigte die Flüchtlinge als „Invasoren“ und „Sozialschmarotzer“, die Gegendemonstranten als „Faschisten der Neuzeit“.



Er sprach vom „Merkelregime“ und den „Altparteien“ – offenbar alle außer NPD und AfD – die durch die Bank gegen die Interessen des deutschen Volkes agierten und dereinst zur Verantwortung gezogen würden. Und: Den „Lügenmedien“ werde man „auf breiter Front ihr dreckiges Maul stopfen, wenn das Merkelregime einmal abgewickelt ist“.

Genau so hatte es der Dekan Redelberger eine gute Stunde davor prophezeit: Diese „Hasstiraden, die heute ein paar Straßen weiter gepredigt werden“. So kam es. Nach zwei Stunden war der Spuk vorüber. Zwei der vier Transparente für „Schweinfurt wehrt sich“ konnten ihre Rückreise nach Thüringen antreten.

 

Schweinfurt ist bunt setzt sich gegen Fremdenfeindlichkeit ein. Vor der Demo haben wir uns mit Sprecher Frank Firsching unterhalten. Video: Susanne Wiedemann

Posted by Schweinfurter Tagblatt on Samstag, 12. März 2016
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