Schweinfurt

Killt Corona die Festival-Wirtschaft?

Event-Veranstalter Ralf Hofmann, der das Honky-Tonk  miterfunden hat, sagt alle Veranstaltungen für dieses Jahr ab – Corona-bedingt. Was bedeutet das für die Zukunft?
Corona killt heuer sämtliche Honky-Tonk-Kneipenfestivals der Region - und auch alle anderen Events der Schweinfurter Agentur L19. Hier eine Szene vom Schweinfurter Honky-Tonk im Oktober 2019.
Corona killt heuer sämtliche Honky-Tonk-Kneipenfestivals der Region - und auch alle anderen Events der Schweinfurter Agentur L19. Hier eine Szene vom Schweinfurter Honky-Tonk im Oktober 2019. Foto: Josef Lamber

Ralf Hofmann ist zusammen mit Dominik Brähler der Erfinder des Honky-Tonk-Festivals. 1993 war Premiere. Schweinfurt ist die Wiege des Formats, für das sich die beiden die Rechte sicherten und das sie recht schnell auch in vielen anderen Städten des Landes erfolgreich anboten und umsetzen konnten. Mit den Jahren wurde immer wieder mal am Konzept gebastelt und manches verändert. Je nach Wetter war der Andrang in die Kneipen und zu den Freibühnen mal super und mal weniger. Eine zeitlang war das Festival eher Richtung Open-Air ausgerichtet, bis es die Veranstalter wieder zurück zur Wurzel führten – in die Kneipen. Stattgefunden hat es immer. 

Es rechnet sich nicht

Dieses Jahr aber ist alles anders – nicht nur für Honky-Tonk-Erfinder Ralf Hofmann, der mit seiner Agentur L19 GmbH fünf Honky-Tonks in der Region ausrichtet, sondern für die gesamte Veranstaltungsbranche. Corona macht ihr das Leben schwer, beziehungsweise bringt es regelrecht zum Stillstand. Gerade meldet Hofmann, dass er sämtliche im Herbst geplante Kneipenfestivals absagt: in Schweinfurt, Würzburg, Haßfurt, Lohr und Fulda finden diese heuer endgültig nicht statt, zum ersten Mal. Das gilt auch für das im September vorgesehene Wikingerfestival in Schonungen. 

Wirtschaftlich sei das Kneipenmusik-Format zurzeit gar nicht umsetzbar, erläutert L19-Geschäftsführer Ralf Hofmann und macht eine einfach Rechnung auf: Die Veranstaltungsbranche arbeite mit einem Kostendeckungsgrad von 70 bis zum Teil 90 Prozent: Bei einer Kapazität von beispielsweise 100 Personen müssten 70 bis 90 Personen kommen, alleine um die Kosten zu decken. Es sei leicht auszurechnen, dass bei einer zugelassenen Kapazität von vielleicht 25 Prozent sich solche Veranstaltungen niemals tragen könnten.

Überlebt die Branche Corona?

Andererseits seien  die Einschränkungen zur Eindämmung der Infektionen grundsätzlich richtig, wie Club-Öffnungen in Südkorea und der Schweiz sowie Indoor-Veranstaltungen mit vielen Menschen gezeigt hätten. Der Branche bleibe einstweilen nur die Hoffnung auf einen Impfstoff und wirksame Medikamente.

Für den L19-Geschäftsführer ist derzeit auch noch nicht abzusehen, ob nun im Frühjahr, im Sommer oder gar noch später ein wirtschaftlich funktionierender Veranstaltungsbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Davon unberührt sei die Frage, mit welchen Partnern und Dienstleistern dann überhaupt noch gearbeitet werden könne, so Hofmann weiter.

Keiner mehr da zum Partymachen?

Wie geht es Hofmanns Agentur L19 angesichts dieser coronabedingten Veranstaltungsabsagen? Gefährdet sei diese derzeit nicht, lautet die Antwort: "Wir haben in den letzten Jahren gut gewirtschaftet und eine hohe Bonität bei der Bank." Die derzeitige Situation sei in der Tat sehr belastend, "wir fahren auf Sicht", sagt Hofmann auf Anfrage dieser Redaktion. Gleichzeitig suche er auch neue Geschäftsfelder. Er berate jenseits eigener Veranstaltungen auch Firmen im strategischen Eventmanagement.

Die meisten Gastronomen sind nach Hofmanns Einschätzung "weit entfernt von einem wirtschaftlichen Betrieb". Vor allem bei Kneipen und Clubs, die zum Teil seit März geschlossen seien, sei die Lage dramatisch. Aber auch bei vielen Firmen aus der Veranstaltungsbranche ticke die Uhr. „Mit Krediten alleine wird die Branche nicht überleben“, sagt Hofmann. Auf politischer Ebene weise er auf die Nöte der Eventwirtschaft hin, "dass sie echte Hilfen braucht". Sein Horrorszenario: "Corona ist vorbei, aber keiner mehr da, um die Party noch zu veranstalten."

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