SCHWEINFURT

Klänge in der Nacht: Wenn sich Himmel und Erde berühren

Nachtwandeln in einer dunklen Kirche kann eine spannende Sache sein: Hinter so mancher Säule warten Überraschungen. Das Team um den Citypfarrer Heiko Kuschel hatte zum wiederholten Mal einen Rundgang durch die Kirche zusammengestellt. Biblische und literarische Texte, Gedanken und Musik vereinigten sich zu einer meditativen Stunde. Bei den Klängen in der Nacht in der Citykirche war Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen und den eigenen Blick neu auszurichten: auf Dinge in der Umgebung und auf sich selbst.

Moses fing an zu sprechen. Mehr als 300 Mal habe er die Geschichte von dem Kind gehört, habe er erlebt, wie das Unscheinbare die Welt verändern könne. Der Engel auf der Kanzeltreppe machte seine Rolle deutlich. Keinesfalls nur Deko sei er, sondern Himmelswesen und Bote Gottes. Aus dem Dunkel hoben farbige Strahler Einzelheiten heraus, richteten die Konzentration auf Kunstwerke, an denen man in der Geschäftigkeit des Tages achtlos vorübergegangen wäre. Wer hatte schon das Wappen an der Decke über dem Eingangsbereich gesehen? Seine Herkunft ist nicht mehr erkennbar, im Laufe der Zeit wurde es zu einem Symbol für die eigene Vergänglichkeit. Der Blick hinauf zu den hoch aufstrebenden Gewölben ließ den Himmel herankommen, Himmel und Erde berührten sich an dieser Stelle. Das Maßwerk der Emporenbrüstung trat im Gegenlicht deutlich hervor.

Von draußen schien das Licht der Laternen durch die Butzenscheiben und zeichnete Schlieren auf die Sandsteinsäulen. Nächste Station war der Chorraum. Dort erstrahlte auf der einen Wand die Mutter Gottes mit dem Kind im gleißenden Gold. Sie hatte den Blick hinüber gerichtet, auf das Bildnis der Kreuzigung. „Weihnachten gibt es nicht ohne das Kreuz“, sprach sie, Geburt, Leben, Tod und ewiges Leben seien eine Einheit. Am Ende schließlich gab es die Rose am Stamm in der Krippenkapelle. „Brich an, du schönes Morgenlicht“ verhieß ein Leuchten am Morgen. Sandra und Klaus Fiedler und Heiko Kuschel ließen ein mehrstimmiges „Es ist ein Ros entsprungen“ erklingen, als letztes von musikalischen Momenten, die die drei Musiker in die Nacht hatten ertönen lassen. Vielleicht hatte der eine oder andere Besucher nach der Nachtwandlung, vorbei an den Stationen in der St. Johanniskirche, die eigene Einstellung gewandelt, zur Adventszeit und zu sich selbst.

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