Sennfeld

Künstlertreff: Gedichte, Lachyoga und ein Didgeridoo im Chatroom 

Seit zwei Jahren gibt es den Künstlertreff Schweinfurt im Sennfelder Naturfreundehaus. Wegen Corona läuft der Austausch jetzt digital. Was neben Musik so alles geboten ist.
Zoom-Meeting mit dem Schweinfurter Künstlertreff: Hans-Peter Schwinn hat die Situation der Musiker in der Corona-Zeit künstlerisch verarbeitet. Weil sie ihre Instrumente nicht spielen dürfen, spielen sich die Instrumente selbst. 
Foto: Irene Spiegel | Zoom-Meeting mit dem Schweinfurter Künstlertreff: Hans-Peter Schwinn hat die Situation der Musiker in der Corona-Zeit künstlerisch verarbeitet.

Luigi ist drin, aber noch nicht zu hören. Ute ist zu hören, aber nicht zu sehen. Dorothea ist weder zu hören, noch zu sehen. Es hakt ein bisschen beim Zoom-Meeting des Schweinfurter Künstlertreffs. Heike weiß warum: "Es ist rückläufiger Merkur, da ist die Kommunikation komplett gestört." Sie hat sich schon mal ein Glas Rotwein eingeschenkt und prostet in die Kamera. Bei ihr hat das Einloggen geklappt, sie ist zu sehen und zu hören. 

Seit dem Lockdown hat der seit knapp zwei Jahren bestehende Schweinfurter Künstlertreff seine Treffen vom Sennfelder Naturfreundehaus in den Zoom-Chatroom des weltweiten Netzes verlegt. Jeden ersten Freitag im Monat gibt's ein gut zweistündiges Meeting. Wer will, darf sich künstlerisch einbringen. Diesmal sind eine Harfe und zwei Gitarren dabei. Und zum Schluss packt Moderatorin Esther Schneider noch ihr Didgeridoo aus. Dazwischen gibt's ein Gedicht, ein Märchen und ein Wortspiel sowie Kunst zum Anschauen. Und es wird "grundlos gelacht" mit Lachyoga-Trainerin Heike, die zum ersten Mal dabei ist.

Cool, die Perfomance von Esther Schneider am Didgeridoo.
Foto: Irene Spiegel | Cool, die Perfomance von Esther Schneider am Didgeridoo.

Es ist eine bunte Truppe von rund 40 kreativen Menschen, die sich da zusammengefunden hat: Hobbykünstler, Lebenskünstler, Wortkünstler, Kunstschaffende und Kunstinteressierte aus den Bereichen Fotografie, Malerei, Grafikdesign, Bildhauerei, Haarkunst, Dichtkunst, Literatur, Tanzen, Töpfern und natürlich Musik. Beheimatet sind sie zwischen Bad Kissingen und Würzburg, der Großteil kommt aus dem Landkreis Schweinfurt. Die regelmäßigen Treffen organisiert Esther Schneider, die sich als schamanische Wegbegleiterin bezeichnet, Klang-Workshops, Trommelkurse und Traumfängerbasteln anbietet. "Es geht um Austausch, Kennenlernen und gemeinsam Spaß haben", erklärt sie.  

Klangschalentherapeutin entdeckt Leidenschaft zu Gedichten

Nachdem die technischen Hürden überwunden sind und sich alle eingeloggt haben, kann's losgehen. Den ersten Beitrag darf Ulrike Szallay-Grasser einbringen. Die Klangschalentherapeutin aus Röthlein hat in der Corona-Zeit ihre Leidenschaft für Gedichte entdeckt. Die Kunstwerke einer befreundeten Holzkünstlerin haben sie zu dem Gedicht "Keimling" inspiriert: "... Ist ein Gedanke noch so unbedeutend klein, er wird für immer in uns sein. Ich möcht's erleben, wie er sich entfaltet, wie er wächst, gedeiht und seine Umwelt mitgestaltet ..." 

Luigi hat für den 'Sonnentanz' seine Harfe auf 432 Hertz gestimmt. 
Foto: Irene Spiegel | Luigi hat für den "Sonnentanz" seine Harfe auf 432 Hertz gestimmt. 

Danach ist Luigi dran. Er spielt seit 13 Jahren Harfe. Nicht nach Noten, sondern spontan, was er spürt, was aus ihm heraus in die Finger fließt. So ist das Programm "Saitenmalerei" entstanden. Den Künstlerkollegen vor dem Computer präsentiert er daraus den "Sonnentanz". Das Besondere: Luigi, der mit vollem Namen Luigi Antonio Parente heißt, hat seine Harfe auf 432 Hertz gestimmt. "Das ist die Frequenz der Heilung", erklärt Moderatorin Esther Schneider.

"Es darf auch mal dazwischen gequatscht werden", verweist Esther Schneider auf den Chatroom. Prompt ploppt eine Nachricht auf: "Ich wünsche mir den Merkur-Tango." Den hat Luigi nicht im Programm. Statt Tango ist nach den zarten Harfenklängen ein Märchen zu hören. "Kräuterhexe" Ute Solf trägt es vor und setzt dazu ihren Zauberhut auf.     

Inzwischen ist auch Hans-Peter Schwinn dazu gekommen, Mitorganisator des Künstlertreffs. Statt seiner Gitarre packt er ein Kunstwerk aus. Eine witzige Zeichnung, die dem Allround-Künstler spontan eingefallen ist. Weil Musiker in Corona-Zeiten ihre Instrumente nicht spielen können, lässt er die Instrumente sich selbst spielen. "Self playing instruments" hat er das Bild betitelt, das Potenzial hätte, als Titelbild auf das Schweinfurter Veranstaltungsmagazin "Groschenheft" zu kommen.   

Das sind die neuesten Werke von Grafik-Designerin Kristina Uehlein-Rumpel.
Foto: Irene Spiegel | Das sind die neuesten Werke von Grafik-Designerin Kristina Uehlein-Rumpel.

Neu beim Künstlertreff ist die Schweinfurter Grafik-Designerin Kristina Uehlein-Rumpel. Sie will sich jetzt verstärkt der freien expressiven Malerei widmen, einige Werke hat sie mitgebracht. Die Gruppe ist beeindruckt.     

Lachyoga zählt auch zu Kunst

Nach gut einer Stunde ist Zeit zur Entspannung. "Mikros an, bei mir darf's laut sein", sagt Heike Firsching, die Lachyoga-Trainerin. Sie erklärt, warum Lachen wichtig ist. "Es hebt die Grundstimmung, wirkt positiv auf den Organismus, stärkt das Immunsystem und baut Stress ab." Gerade bei den vielen Zoom-Meetings mit gebückter Haltung vor dem Computer sei Lachyoga ein guter Ausgleich. Alle breiten auf Ansage die Arme aus, atmen tief ein, machen den Brustkorb weit und lachen dann laut los. Tatsächlich, es funktioniert.     

Wichtig ist, dass man die Gitarre sieht. Hans-Peter Schwinn spielt ein mittelalterliches Lied.
Foto: Irene Spiegel | Wichtig ist, dass man die Gitarre sieht. Hans-Peter Schwinn spielt ein mittelalterliches Lied.

"Wir könnten eine CD produzieren", schlägt Esther Schneider spontan vor, "und sie für einen guten Zweck verkaufen." Die Gruppe ist begeistert, schmiedet sofort Pläne. Uwe Gratzky kann sich eine Verbindung von "Kunst und Natur" vorstellen. Er würde die Künstler zu Energieplätzen im Steigerwald führen. "Spürt es nach und macht Musik daraus." Esther Schneider sieht sich schon mit ihrem Didgeridoo im Wald sitzen. Wie das klingen könnte, zeigt ihre Performance vor dem Laptop im Wohnzimmer. "Cool", meinen die Zuhörer begeistert.       

Kristina muss ihren Computer jetzt erst einmal ausschalten. Er ist heiß gelaufen. Monika Hofmann gibt ein Wortspiel zum Besten. Nun greift Hans-Peter Schwinn doch noch zur Gitarre und spielt ein mittelalterliches Lied. Das mit der CD soll beim nächsten Treffen weiter vertieft werden. Luigi setzt sich noch einmal an die Harfe und spielt zum Abschied "Ankommen". Johannes beendet dann endgültig den Chat mit einem "Rausschmeißer" auf der Gitarre.     

Johannes spielt zum Abschluss noch einen 'Rausschmeißer' auf der Gitarre.
Foto: Irene Spiegel | Johannes spielt zum Abschluss noch einen "Rausschmeißer" auf der Gitarre.
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