Schweinfurt

Landärzte dringend gesucht

„Wir haben so viele Ärzte wie nie, sie sind nur falsch verteilt.“ Die Mediziner lassen sich lieber in den Städten anstellen, anstatt eine Landarztpraxis aufzumachen. Kleine Krankenhäuser in der Fläche schreiben rote Zahlen. Wie soll das weitergehen?

Das war die zentrale Frage einer Podiumsdiskussion zur Zukunft der medizinischen Versorgung auf dem Land, zu der die AOK-Direktion Schweinfurt am Donnerstag fünf Landtagsabgeordnete eingeladen hatte: Steffen Vogel (CSU, Haßberge/Rhön-Grabfeld) – von dem das Eingangszitat stammt, Sandro Kirchner (CSU, Bad Kissingen/Rhön-Grabfeld), Kathi Petersen (SPD, Schweinfurt), Kerstin Celina (Grüne, Kreis Würzburg) und Günther Felbinger (Freie Wähler). Letzterer tauchte wenig überraschend nicht auf, steckt er doch gerade tief in einer Betrugsaffäre (wir berichteten). Weder Moderator Peter Scheder noch Direktionsgeschäftsführer Frank Dünisch erwähnten Felbingers Fernbleiben auch nur mit einer Silbe.

Inhaltlich drehte sich die Diskussion in weiten Teilen um die Versorgung mit Hausärzten. „Den klassischen Hausarzt, der rund um die Uhr für seine Patienten da ist, gibt es immer weniger“, sagte Kathi Petersen. Die „Work-Life-Balance“ sei auch für junge Mediziner heute ein Thema. Dabei „wird der ländliche Raum schlechter geredet, als er ist“, fand Sandro Kirchner.

Steffen Vogel war der Meinung, dass ein Zuzug von Ärzten aufs Land quasi auszuschließen ist. „Es ist wichtig, dass Leute aus der Region Medizin studieren.“ Bei denen sei die Wahrscheinlichkeit, dass die nach dem Studium zurückkehren am größten. Vogel will deshalb sogar mit einem Landkreisstipendium nachhelfen.

„Wir dürfen keine Untergangsstimmung verbreiten“, meinte Frank Dünisch, stellte aber auch heraus, dass für Nachwuchsärzte die „weichen Faktoren“ wie Schulen oder Freizeitangebote wichtig sind, wenn sie sich für einen Praxisstandort entscheiden – und auch diese Faktoren seien wegen des demografischen Wandels immer schwerer zu gewährleisten.

Kerstin Celina appellierte immer wieder, nicht nur an der aktuellen Situation herumzudoktern, sondern einen langfristigen Plan zu machen. „50 Prozent der kleinen Krankenhäuser schreiben rote Zahlen. Wir werden so nicht weitermachen können.“ Es brauche ein Umdenken, etwa beim Wandel von vorwiegend stationärer zu ambulanter Behandlung. Auch die Medizinerausbildung sei nicht auf die Herausforderungen der Zukunft ausgerichtet – Stichwort demografischer Wandel. Heutige Medizinstudenten wüssten zum Beispiel viel zu wenig über Geriatrie.

Von allen Diskussionsteilnehmern beobachtet wird zudem der Trend, sich vom Spezialisten behandeln zu lassen. Das bringt sowohl die Hausärzte als auch kleine Kliniken, die vor allem auf die Grundversorgung ausgerichtet sind, unter großen Druck.

Sandro Kirchner brachte dazu ein anschauliches Beispiel: Mit seiner schwangeren Frau war der Bad Kissinger auf Kreißsaal-Besichtigungstour. „Wenn sie dann im Leopoldina erzählen, dass bei Komplikationen alle Babys aus der Region dorthin verlegt werden, ist für die meisten die Messe gelesen – sie wollen gleich nach Schweinfurt.

“ In Bad Kissingen gibt es mittlerweile keine Geburtsstation mehr.

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