Schweinfurt

Landesgartenschau 2026 in Schweinfurt: Widerstand wächst

2026 will Schweinfurt die bayerische Landesgartenschau ausrichten. Warum sich immer mehr Stadträte fragen, ob das finanzielle Risiko nicht zu hoch sein könnte.
Die Landesgartenschau noch stoppen wollen verschiedene Schweinfurter Bürger und Stadträte. Allerdings ist offen, ob das gelingt, denn die schwarz-grüne Koalition im Stadtrat ist für die LGS 2026.
Die Landesgartenschau noch stoppen wollen verschiedene Schweinfurter Bürger und Stadträte. Allerdings ist offen, ob das gelingt, denn die schwarz-grüne Koalition im Stadtrat ist für die LGS 2026. Foto: Oliver Schikora

Die Frage, ob es eine gute Idee ist, 2026 eine Landesgartenschau auf rund zehn Hektar in den Ledward Kasernen und einem Teil des Kessler Fields auszurichten, beschäftigt zumindest die Schweinfurter Kommunalpolitik intensiv. Im Moment wächst der Widerstand dagegen wieder. Am 14. September gründete sich eine Bürgerinitiative gegen die Landesgartenschau, in den Reihen des Stadtrates gibt es vermehrt Kritiker des Projektes.

Bekanntlich keine Freundin der Pläne für eine Landesgartenschau ist Ulrike Schneider (Zukunft./ödp). Die langjährige Stadträtin hatte einen Bürgerentscheid für einen parkähnlichen Wald anstatt einer Landesgartenschau initiiert, war aber am Bürgervotum gescheitert. Die Idee wurde im Januar 2019 ebenso mehrheitlich abgelehnt wie das Ratsbegehren für einen Bürgerpark mit Landesgartenschau.

Erst im Mai gab es im Stadtrat eine hitzige Diskussion über das weitere Vorgehen in Sachen Landesgartenschau. Damals hatten die Grünen, obgleich in einer Koalition mit der CSU, Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) und die Bauverwaltung kritisiert, da zunächst die so genannten Korrespondenzprojekte in der Innenstadt nicht berücksichtigt waren. Grünen-Fraktionssprecher Holger Laschka erklärte gar, "zum Geranien-Appell im Kessler Field stehe ich nicht zur Verfügung".

Beschlossen wurden ein Gestaltungswettbewerb für das LGS-Gelände und ein Ideenwettbewerb für die weiteren Projekte. Erst in der Oktober-Sitzung des Stadtrates, nicht wie ursprünglich kommuniziert Ende September, landet das große Paket Landesgartenschau wieder im Stadtrat. Dann geht es auch um die Verträge zwischen der bayerischen Landesgartenschau GmbH, die den Zuschlag an Schweinfurt erteilt hat, und der Stadt für die Gründung einer gemeinsamen GmbH.

In der Mai-Sitzung im Stadtrat hatten sich zum ersten Mal FDP und AfD deutlich gegen die Landesgartenschau-Pläne gestellt, was vor allem mit dem finanziellen Risiko aufgrund der einbrechenden Gewerbesteuer durch die Corona-Pandemie zu tun hat. Ulrike Schneider verweist darauf, dass neun Parteien und Wählergemeinschaften gegen die Landesgartenschau seien. In dieser Rechnung inkludiert sie die Parteien, die sich unter dem Dach ihrer Wählergemeinschaft "Zukunft./ödp" vereint haben. "Nur weil CSU und Grüne eine hinterfragenswerte Allianz in Schweinfurt eingegangen sind und damit jede Abstimmung im Schweinfurter Stadtrat dominieren, ist ein unvernünftiges Ja zur LGS  nach wie vor wahrscheinlich", so Schneider.

Die momentane Finanzlage der Stadt ist wegen Corona kritisch

Für Schneider stehen die Pläne "spätestens jetzt unter anderen Vorzeichen". Da man nicht absehen könne, wann sich die Gewerbesteuerzahlungen als eine der wichtigsten Quellen des städtischen Haushaltes wieder stabilisieren, müsse eine Priorisierung der Projekte her. Den Neubau der Maxbrücke könne man nicht verschieben, eine Landesgartenschau aber sein lassen, entsiegeln und günstig sowie ökologisch handeln, verweist Schneider auf ihre Stadtwald-Idee.

Die so genannten Korrespondenzprojekte könnten ohne Landesgartenschau realisiert werden. Schneider hält das Argument von Baureferent Ralf Brettin, dass die Fördermittel eher fließen, wenn sie im Zusammenhang mit einer LGS beantragt werden, "für wenig stichhaltig".

OB Remelé kritisiert Schneider wegen dessen Haltung zum Klimaschutz. Die Vorbereitung der Stadt auf den Klimawandel als "Fernziel" der LGS zu bezeichnen, halte sie für zu kurz gedacht. Man hätte auch die Baugebiete Eselshöhe II sowie in Bellevue genauso ökologisch nachhaltig planen können wie nun das Kessler Field: "Erkenntnis und Handlungsbereitschaft sehen anders aus."

Die neu gegründete Initiative begrüßt Schneider zwar grundsätzlich, beteiligt sich aber nicht. Die Idee, in der Kaserne statt einer Landesgartenschau Bauland auszuweisen und die Entsiegelung wieder zunichte zu machen, wie unter anderem auch von der SPD ins Spiel gebracht, hält Schneider für falsch.

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