Gerolzhofen

Landratsamt: Pfarrer-Hersam-Haus in GEO nur bis 22 Uhr genehmigt

Laut Landratsamt soll das neue Theaterhaus um 22 Uhr schließen. Viele sahen dies als Ungerechtigkeit an, weil Veranstaltungen im Pfarrer-Hersam-Haus auch länger dauern.
Veranstaltungen im und am Pfarrer-Hersam-Haus in Gerolzhofen sind nur bis 22 Uhr genehmigt. Dies stellt jetzt das Landratsamt Schweinfurt klar.
Veranstaltungen im und am Pfarrer-Hersam-Haus in Gerolzhofen sind nur bis 22 Uhr genehmigt. Dies stellt jetzt das Landratsamt Schweinfurt klar. Foto: Archivbild Michael Mößlein

Das Landratsamt Schweinfurt hat mit einer "Klarstellung" auf die jüngste Berichterstattung über das Kleine Stadttheater Gerolzhofen reagiert. Wie berichtet, hat das Landratsamt im Genehmigungsbescheid für die beantragte Umnutzung des ehemaligen Steigner-Gebäudes in der Centgasse zu einem "Theaterhaus" festgeschrieben, dass die Veranstaltungen in dem Haus so terminiert werden müssen, dass bis spätestens 22 Uhr alle Personen das Gebäude wieder verlassen haben. 

In einer extra anberaumten Teilbürgerversammlung für die direkten Anwohner des Theaterhauses hatte die Theaterleiterin Silvia Kirchhof die Entscheidung des Landratsamts sehr bedauert. Offene Kulturarbeit mit einem Zeitlimit nur bis 22 Uhr sei nicht machbar. "Wir können dann auch keine Klassiker auf die Bühne bringen, weil diese zu lange dauern würden", ergänzte Kirchhof, die zusammen mit ihrem Ehemann Achim Hofmann das Steigner-Haus gekauft hat. Es sei gerade für Laientheater wichtig, dass man nach der Aufführung noch mit dem Publikum Kontakt aufnehmen könne. "Wir haben jetzt Zweifel, ob überhaupt alles realisiert werden kann." Inzwischen hat man Klage gegen den Bescheid des Landratsamts beim Verwaltungsgericht Würzburg eingereicht.

Eine Ungerechtigkeit?

Die Anwohnerin Mechthild Vizl sagte damals in der Teilbürgerversammlung, die Entscheidung des Landratsamts sei aus ihrer Sicht völlig unverständlich. Während im Pfarrer-Hersam-Haus praktisch jedes Wochenende lautstark "bis in die Puppen" gefeiert werde und "bis Ultimo Halli-Galli herrscht", soll das Theaterhaus schon um 22 Uhr menschenleer sein. Und dies, obwohl für das Theaterhaus und für das Pfarrer-Hersam-Haus nach 22 Uhr die gleichen Dezibel-Werte gelten. Weitere Redner hatten aus diesem Grund auch von einer offenkundigen Ungerechtigkeit gesprochen.

Abendliche Veranstaltungen und Feiern im Pfarrer-Hersam-Haus müssen, genauso wie es nun auch für das Theaterhaus gelten soll, bereits um 22 Uhr enden.
Abendliche Veranstaltungen und Feiern im Pfarrer-Hersam-Haus müssen, genauso wie es nun auch für das Theaterhaus gelten soll, bereits um 22 Uhr enden. Foto: Archivbild Norbert Vollmann

Dies nimmt das Landratsamt jetzt zum Anlass für eine Klarstellung: Nach den im Landratsamt vorliegenden Baugenehmigungsunterlagen für das Pfarrer-Hersam-Haus aus den Jahren 2007/2008 sei eine Nutzung des Gebäudes damals ausdrücklich nur bis 22 Uhr beantragt worden, schreibt Tanja Dannhäuser, die Leiterin des Büros von Landrat Florian Töpper und stellvertretende Pressesprecherin. Demzufolge bezog sich der Baugenehmigungsbescheids vom 11. November 2008 samt entsprechender Auflagen auch nur auf eine Betriebszeit bis 22 Uhr.

Keine Genehmigung nach 22 Uhr

Eine über 22 Uhr hinausgehende Nutzung sei damals seitens des Immissionsschutzes mangels Erforderlichkeit nicht zu beurteilen gewesen, erklärt Dannhäuser. Dann fasst sie die aktuelle Situation nochmals in einem Satz zusammen: "Das Landratsamt hat eine Nutzung des Pfarrer-Hersam-Hauses über 22 Uhr hinaus - entgegen in Gerolzhofen offenbar verbreiteter Meinung - nie genehmigt."

Thomas Vizl, der Ehemann von Mechthild Vizl, stellvertretender Landrat, Stadt- und Kreisrat (Bündnis 90/Die Grünen bzw. Geo-net), hat sich mit einer Stellungnahme ebenfalls zu Wort gemeldet. Stadtbaumeisterin Maria Hoffmann habe in der Teilbürgerversammlung klar die geltenden Regeln der in Deutschland geltenden Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA-Lärm) dargelegt: Zwischen 22 Uhr und 6 Uhr dürfen 45 Dezibel nicht überschritten werden.

"Es wird bei einem Betrieb des Theaterhauses nach 22 Uhr in der eng bebauten Centgasse schwierig werden, diese Werte einzuhalten", befürchtet Vizl. Keinesfalls dürfe dem Landratsamt und seinen Mitarbeitern Willkür unterstellt werden. "Gerade das Landratsamt hält sich streng an die gültigen Gesetze und Verordnungen. Falls die Gesetze und Verordnungen eine Lösung im Sinne des Stadttheaters unmöglich machen, dann liegt die Verantwortung nicht beim Landratsamt, sondern beim Gesetzgeber." Anwohner seien vor Lärm vor allem in der Nacht während der Veranstaltung und danach zu schützen. Das Landratsamt könne sich als staatliche Behörde nicht über die Gesetze hinwegsetzen. "Hier gibt die TA-Lärm die Regeln vor. Schließlich haben alle Bewohnerinnen und Bewohner das Recht auf Ruhe und Schlaf."

Ausnahmegenehmigungen?

Unabhängig vom laufenden Gerichtsverfahren sollten die Beteiligten weiterhin nach Lösungen suchen, appelliert Vizl. Die Stadt Gerolzhofen könnte für Veranstaltungen im Theaterhaus bezüglich des Veranstaltungsendes Ausnahmegenehmigungen erteilen, wie dies zum Beispiel auch beim Weinfest auf dem Marktplatz regelmäßig der Fall sei, teilt der stellvertretende Landrat weiter mit. Unklar sei aber noch, wie oft im Jahr solche Genehmigungen erteilt werden können.

Thomas Vizl abschließend: "Ich hoffe als Gerolzhöfer Bürger weiterhin, dass es letztendlich zu einer Lösung kommt, mit der auch der Theaterverein gut leben kann. Das Kleine Stadttheater ist ein wichtiger Bestandteil des Kulturlebens in der Stadt Gerolzhofen und im Landkreis Schweinfurt."

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