Kolitzheim

Lebensqualität vor der Haustür

Gartenbotschafterin Christine Bender wirbt anlässlich des 'Tags der Hängematte' für den Wohn- und Lebensraum Garten. Die Landwirtschaftsrätin am Gartenbauzentrum Bayern Nord und Bezirksgeschäftsführerin der Obst- und Gartenbauvereine will Jung und Alt für naturnahes Gärtnern begeistern. Nicht zuletzt in Zeiten der Corona-Pandemie erweist sich ein eigener Garten als ein Stück 'private Natur' und als äußerst wertvoll.
Gartenbotschafterin Christine Bender wirbt anlässlich des "Tags der Hängematte" für den Wohn- und Lebensraum Garten. Die Landwirtschaftsrätin am Gartenbauzentrum Bayern Nord und Bezirksgeschäftsführerin der Obst- und Gartenbauvereine will Jung und Alt für naturnahes Gärtnern begeistern. Nicht zuletzt in Zeiten der Corona-Pandemie erweist sich ein eigener Garten als ein Stück "private Natur" und als äußerst wertvoll. Foto: Dominik Dorsch

"Der Garten ist der letzte Luxus unserer Tage…" - dieses Zitat von Dieter Kienast macht deutlich, wie wichtig der Lebensraum Garten als Entspannungs- und Sehnsuchtsort, als Ort der Selbstverwirklichung und individuellen Freiheit für uns Menschen in einer globalen Welt mit dem Corona-Virus geworden ist. Zum heutigen Tag der Hängematte haben wir mit Christine Bender, Landwirtschaftsrätin am Gartenbauzentrum Bayern Nord, zuständig für Ober- und Unterfranken, sowie Bezirksgeschäftsführerin der Obst- und Gartenbauvereine über die Bedeutung und Vielfalt der Gärten in der Region gesprochen.

Die Gartenbotschafterin ist besonders für ihre Leidenschaft für historische und alte Rosen bekannt und hat in Kolitzheim einen eigenen Hofgarten, einen Nutz- und Obstgarten am Ortsrand und pflegt auch den ehemaligen farbenprächtigen Pfarrgarten im Ort. Der "Tag der Hängematte" wird jährlich von der Bayerischen Gartenakademie, einem Arbeitsbereich der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG), zum Anlass genommen, auf den Stellenwert und die Wertschätzung von Naturgärten aufmerksam zu machen.

Frage: Welche Rolle spielt der Garten allgemein in Ihrem Leben?

Christine Bender: Seit meiner Kindheit begleitet mich der Garten. Wachsen, Reifen und Ernten waren ein tägliches Thema bei uns zu Hause auf dem Bauernhof. Der tägliche Gang in den Garten mit meiner Oma, die Diskussionen über die Früchte und die Arbeit der Landwirtschaft, die Hege und Pflege des Waldes durch meinen Vater und die Liebe zu den Blumen meiner Mutter: Sie haben mich geprägt und mir die Zusammenhänge in der Natur gelehrt. Intensiv beackert habe ich dieses Themenfeld in Theorie und Praxis dann in der Ausbildung an der Fachakademie in Triesdorf. Mit der Familiengründung konnte ich mir dann meinen Wunsch, "einen eigenen Garten anzulegen und zu gestalten", an unserer Hofstelle in Kolitzheim erfüllen. Heute ist der Garten privat und beruflich ein Thema, das mich täglich beschäftigt.

Was macht den Garten aus Ihrer Sicht so besonders?

Bender: Der Garten ist das eigene Reich, eine Ecke privater Natur, ein Ort, der gerne aufgesucht wird. Gerade in Zeiten von Covid-19 konnten sich alle glücklich schätzen und wurden von anderen beneidet, wenn sie einen Garten hatten. Hier kannst du kreativ sein und Ideen umsetzen. Du bist aber nicht nur Schöpfer, du bist ein Beschützer! Du hast Verantwortung für ein Stück Land mit Tieren, Insekten und Pflanzen. Mir würde etwas im Leben fehlen, wenn ich diesen Garten nicht für mich erschaffen hätte. Ja, man könnte sagen, dass er für uns sogar eine Lebensaufwertung und ganz viel Lebensqualität darstellt.

Welche persönliche Verbindung haben Sie als Gartenbotschafterin mit dem Garten?

Bender: Wenn man aus der Landwirtschaft kommt, weiß man, dass die Gärten nur der Selbstversorgung und dem Überleben der Menschen dienten. Für mich ist der Garten auch Wohn- und Lebensraum. Wenn wir unterwegs sind, dann besuchen wir immer Gärten. Ich ziehe meinen Hut vor ganz vielen Gärtnern und ihren Gärten wie Bauerngärten, Klostergärten oder auch privaten Gärten, beispielsweise dem Garten von Max Liebermann und vielen weiteren. Sie haben Gärten geschaffen, die heute noch wegen ihrer Ordnung und Ästhetik bewundert werden. Sie konnten die Erzeugung von Heilpflanzen, Kräutern und Gemüse mit dem Bedürfnis nach Schönheit und Komfort verbinden.

Gibt es besondere Gärten in der Region, die Sie zum Besuchen empfehlen?

Bender: In meiner beruflichen Tätigkeit als Grünordnerin ist Gartenkultur, Gartentourismus und die Zertifizierung von Naturgärten ein Schwerpunkt. Als Geschäftsführerin der Obst- und Gartenbauvereine in Unterfranken bin ich stetig in Gärten unterwegs und mit Gartenbesitzern im Austausch. Wir sind in Franken reich an Gartenschätzen wie Parks, Schlossgärten, botanischen Gärten und Themengärten. Über 150 davon präsentieren sich zum Beispiel im Buch und auf der Website "Parks & Gärten Frankens Paradiese". Diese Gartentüren stehen immer für Besichtigungen und teilweise auch für Führungen offen. Der jährliche Tag der offenen Gartentür am letzten Sonntag im Juni ist außerdem eine gute Möglichkeit, vor allem private Gärten zu besuchen und Anregungen für die eigene Gartengestaltung zu holen.

Welches sind Ihre Lieblingsecken im Garten?

Bender: Der Mittelpunkt in unserem Garten ist unser Sitzplatz am Teich. Sobald es das Wetter zulässt, sind wir vom Frühstück bis zum Abendessen hier zusammen. Das Glas Wein am Abend trinken wir auch gerne auf der Bank unter den Rosen. Hier hat man den ganzen Garten im Blick und kann die Abendsonne genießen. Da kann es dann sein, dass es raschelt und ein Igel spaziert vorbei oder die Fledermäuse drehen ihre Runden zur Futtersuche. Ein ganz besonderer Ort ist für mich der kleine Vorgarten vor dem alten Pfarrhaus in Kolitzheim. Hier findet sich traditionelle Gartenkultur auf kleinstem Raum: Rambler- und historische Rosen, Rosenbogen, Weinstock, Birnbaum, Buchs, Kräuter, Blumen und Gemüse. Ich pflege ihn gerne, um diese Stimmung zu genießen.

Welche Pflanzen mögen Sie besonders?

Bender: Rosen mag ich am liebsten, aber nicht einfach nur die "Rosen", sondern auch die Christrosen, Pfingstrosen und die Stockrosen. Mit ihnen blühen somit das ganze Jahr über Rosen in meinem Garten. Wenn im Juni die erste Rosenblüte meiner historischen Rosen vorbei ist, dann blühen die Stockrosen. Diese blühten schon im Garten meiner Oma in allen Farben, gefüllt und einfachblühend, am Zaun.

Was sind die Besonderheiten in den einzelnen Jahreszeiten? Spricht Sie eine Jahreszeit im Garten besonders an?

Bender: Jede Jahreszeit hat ihre Reize und besonders schöne Seiten. Der Garten lässt uns die Jahreszeiten jedes Jahr aufs Neue intensiv erleben, nach dem Motto: "werden – sein – vergehen". Für mich ist die schönste Zeit, wenn nach dem Winter die Natur erwacht und auch unser Hofbaum, eine Birne "Gräfin von Paris", erblüht und alles brummt vor lauter blütenbesuchender Insekten. Im Mai sprießen dann die Blätter und der Baum macht im Sommer Schatten. Die Früchte wachsen und im Herbst werden die reifen Birnen geerntet. Bis März/April holen wir die Birnen aus dem Keller. Im Juni mit der Blüte der historischen Rosen ist dann für mich der Höhepunkt meines Gartenjahres erreicht. Der Garten verbreitet aber in jeder Jahreszeit seine besondere Stimmung. Ich möchte keine missen - auch nicht die Gartenruhe im Winter.

Warum lohnt es sich für Sie, mehr Zeit im Garten zu verbringen?

Bender: Ein Garten macht zwar Arbeit, gibt aber tausendfach zurück. Sich mit dem Garten zu beschäftigen heißt die Natur wertzuschätzen, auch von der Natur zu lernen, wie zum Beispiel Demut und Achtung. Der Garten ist einerseits beruhigend und dann wieder aufregend, wenn Pflanzen und Getier sich im Einklang bewegen und entwickeln. Ich kann es im Frühjahr kaum erwarten, wieder in den Garten zu gehen und mit dem Schnitt der Rosen und Sträucher zu beginnen. Für mich ist die Arbeit und Pflege im Garten keine Belastung, sondern Entspannung und Erholung. Ich brauche die Beschäftigung nach der Ruhe im Winter oder nach der täglichen Arbeit im Büro. Es tut einfach gut, hier schöpferisch tätig zu sein.

Welche Botschaft haben Sie für Gartenfreunde und solche, die es werden wollen?

Bender: Jeder kann seinen Beitrag für die Natur leisten und sei die Fläche, die zur Verfügung steht, noch so klein. Wer keinen Garten besitzt, bringt das Grün eben auf den Balkon. "Urban Gardening" wird es auch genannt. Es gibt auch hierfür wunderschöne Beispiele in Gartenzeitungen, in den neuen Medien oder auch, wie in der Main-Post berichtet, seit einiger Zeit in Schweinfurt vor dem Olympia-Morata-Gymnasium.

Wen wollen Sie ganz besonders für Gärtnern begeistern?

Bender: Mein Bestreben ist es, vor allem Kinder und Jugendliche für die Natur und ein naturnahes Gärtnern zu begeistern. Bei meinen Rosenspaziergängen im Juni, ob mit Kindern oder Erwachsenen, erfahren die Besucher, warum einfachblühende Wildrosen so wertvoll für die Insekten und die Küche sind. Mit meinem Vortrag "Rettet den Vorgarten" zeige ich anhand von einfachen Beispielen, wie Vorgärten umweltfreundlich, naturnah und pflegeleicht anzulegen sind.  Zum Gärtnern gehört auch, leckeren Salat und Gemüse anzubauen und so den täglichen Speiseplan mit eigenen Erzeugnissen zu bereichern.

Impressionen aus dem Garten von Familie Bender in Kolitzheim.
Impressionen aus dem Garten von Familie Bender in Kolitzheim. Foto: Dominik Dorsch
Impressionen aus dem Garten von Familie Bender in Kolitzheim.
Impressionen aus dem Garten von Familie Bender in Kolitzheim. Foto: Dominik Dorsch
Impressionen aus dem Garten von Familie Bender in Kolitzheim.
Impressionen aus dem Garten von Familie Bender in Kolitzheim. Foto: Dominik Dorsch
Bekannt ist Christine Bender für ihre Leidenschaft zu Rosen im Garten. Stockrosen bringen eine Blütenpracht vom Frühling bis zum Sommer in den Garten und sind ein Paradies für die Insekten. Es gibt Holzbienen und zahlreiche Hummeln zu beobachten, die die vielen und großen Blüten der Stockrosen besuchen.
Bekannt ist Christine Bender für ihre Leidenschaft zu Rosen im Garten. Stockrosen bringen eine Blütenpracht vom Frühling bis zum Sommer in den Garten und sind ein Paradies für die Insekten. Es gibt Holzbienen und zahlreiche Hummeln zu beobachten, die die vielen und großen Blüten der Stockrosen besuchen. Foto: Dominik Dorsch
Impression aus dem Pfarrgarten in Kolitzheim.
Impression aus dem Pfarrgarten in Kolitzheim. Foto: Dominik Dorsch

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