Schweinfurt

Lern-Defizite: Wie Schweinfurter Schüler Lernlücken bekämpfen

Seit Pandemie-Beginn leiden Schülerinnen und Schüler unter erschwerten Lernbedingungen. Um die Lücken zu schließen, hat sich das Celtis-Gymnasium ein Hilfsprogramm einfallen lassen.
Die Zehntklässlerin Vanessa (rechts) gibt dem Sechstklässler Michael am Celtis-Gymnasium Nachhilfe. Konrektor Andreas Maier koordiniert die Nachhilfe zusammen mit Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern.
Foto: Marcel Dinkel | Die Zehntklässlerin Vanessa (rechts) gibt dem Sechstklässler Michael am Celtis-Gymnasium Nachhilfe. Konrektor Andreas Maier koordiniert die Nachhilfe zusammen mit Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern.

Distanzunterricht, Online-Unterricht und Wechselunterricht: An normales Lernen ist während der Corona-Pandemie nicht mal ansatzweise zu denken. Seit über eineinhalb Jahren leiden viele Schülerinnen und Schüler unter den erschwerten Lernbedingungen in der Pandemie. Die Folge: Lerndefizite, die im normalen Unterrichtsalltag kaum aufgearbeitet werden können, sagen Verantwortliche in den Schulen.

Um diesen Nachholbedarf aufzuarbeiten, haben sich die Schülerinnen und Schüler des Celtis-Gymnasiums etwas Besonderes einfallen lassen. Etwa 94 Schülerinnen und Schüler bilden ein halbes Schuljahr lang 47 Lernpaare. Dabei geben die älteren Schülerinnen und Schüler den jüngeren Nachhilfe in Kernfächern wie Englisch, Mathematik oder Latein. Gerade in den letzteren beiden Fächern haben sich bei vielen Lücken aufgetan, erklärt der stellvertretende Schulleiter Andreas Maier.

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Über 50 Tutoren hatten sich für das Programm beworben. Zusammen mit den Lehrerinnen und Lehrern haben die Schulleiter in einem Auswahlverfahren die Eignung der Tutoren überprüft und anschließend ihren Nachhilfeschülern zugeteilt. Drei Tutoren geben darüber hinaus an der Schiller-Grundschule Nachhilfe.

Für ihr Engagement erhalten die Tutorinnen und Tutoren pro 45 Minuten Nachhilfestunde ein Taschengeld von zehn Euro. Das Geld dafür kommt vom Kultusministerium. Unter dem Titel "gemeinsam.Brücken.bauen" hat die Bayerische Staatsregierung ein Förderprogramm zum Ausgleich pandemiebedingter Nachteile für Schülerinnen und Schüler aufgelegt. In dessen Rahmen sollen  vorhandene Förderinstrumente gestärkt und zusätzliche neue Angebote eingerichtet werden.

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Eine dieser Tutorinnen ist die 15-jährige Vanessa aus der zehnten Klasse. Sie trifft sich einmal in der Woche mit ihrem Nachhilfeschüler Michael aus der sechsten Klasse, zur Lateinnachhilfe in einem freien Klassenzimmer im Schulgebäude. "Ich habe schon länger darüber nachgedacht, Nachhilfe zu geben, antwortet die Zehntklässlerin auf die Frage, warum sie sich dazu entschieden hat, zu helfen. "Wenn man etwas gut kann und Zeit hat zu helfen, dann macht man das gerne."

Auch der elfjährige Michael freut sich über die Nachhilfestunden. Während des Distanzunterrichts haben er und seine Mitschüler sich oft schwer damit getan, bei einem Problem in Onlinesitzungen nachzufragen. "Da kann man auch mal doofe Fragen stellen", sagt der Sechstklässler.

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Konrektor Andreas Maier ist froh über die positive Resonanz seiner Schülerschaft. "Durch die Nachhilfe entsteht ein Austausch über mehrere Klassenstufen hinweg." Die Hilfe komme gut an und viele würden das Angebot nutzen. "Wir haben es geschafft, alle Schüler unterzubekommen", sagt Maier. Um auch die Schülerinnen und Schüler zu erreichen, die sich nicht freiwillig zur Nachhilfe angemeldet haben, bietet die Schule zusätzliche Förderkurse in größeren Lerngruppen mit Lehrkräften an. "Die Lehrer stehen zur Verfügung", sagt Maier.

Sorge vor erneuten Schulschließungen

Das Programm dauert noch das laufende Schuljahr an. Wenn es nach der Schulleitung geht, soll es im nächsten Jahr fortgesetzt werden. Das hänge allerdings von den Förderzusagen des Kultusministeriums ab, sagt Maier. Mit den steigenden Infektionszahlen wächst an der Schule indes die Sorge vor erneuten Schulschließungen und der Zukunft des Programms, denn: "Unser Tutorenprogramm ist auf Präsenz ausgerichtet", sagt Maier. Gerade der soziale Austausch sei wichtig für die Nachhilfeschüler. Dennoch müsse er darüber nachdenken, wie die Nachhilfe auch online über Distanz weiterlaufen könnte. "Wir hoffen nicht, dass es so weit kommt."

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